Veröffentlicht am 19.03.2026 17:30

21-Jähriger überführt Geldabholer nach Schockanruf

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Betrugsanrufe beschäftigen Polizei und Staatsanwaltschaft weiterhin täglich. Allein am Mittwoch registrierte die oberfränkische Polizei insgesamt 22 Fälle des sogenannten Callcenterbetrugs. Während die Täter in zwei Fällen erfolgreich waren, konnte durch das clevere und couragierte Verhalten eines 21-Jährigen ein Tatverdächtiger festgenommen werden. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bayreuth befindet sich der Festgenommene nun in Untersuchungshaft.

Festnahme in Ahorntal – nach oscarreifer Darbietung eines couragierten 21-Jährigen

Am Mittwochmittag erhielt ein 21-Jähriger aus der Gemeinde Ahorntal einen Anruf, bei dem ein vermeintlicher Staatsanwalt vorgab, ein Familienangehöriger habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht. Zur Abwendung einer Haft sei nun eine Kaution erforderlich. Der junge Mann erkannte die Betrugsmasche, stellte sich jedoch gezielt darauf ein und verständigte parallel die Polizei.

Über mehrere Stunden hielt er den Kontakt zu den Tätern aufrecht, wobei er sich als ältere Frau ausgab und seine Stimme entsprechend verstellte. Zeitgleich bereiteten sich Einsatzkräfte der Kriminalpolizei Bayreuth und Zivilkräfte der Zentralen Einsatzdienste Bayreuth auf eine mögliche Festnahme vor und unterstützten den 21-jährigen Deutschen bei der weiteren Gesprächsführung. Die Täter vereinbarten eine Übergabe von Geld und Wertgegenständen. Da sie offenbar misstrauisch wurden, forderten sie, dass die vermeintliche Seniorin persönlich vor die Tür tritt. Der 21-Jährige verkleidete sich daraufhin kurzerhand, band sich eine Küchenschürze und ein Kopftuch um, und bereitete einen Stoffbeutel ohne Wertgegenstände vor.

Am Nachmittag erschien tatsächlich ein 32-jähriger polnischer Staatsangehöriger am Anwesen, nahm den Beutel entgegen und konnte unmittelbar durch die Einsatzkräfte widerstandslos festgenommen werden. Nach bisherigen Erkenntnissen war er mit einem weißen VW Tiguan mit Münchner Zulassung angereist und hatte das Fahrzeug in Tatortnähe abgestellt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bayreuth wurde der Beschuldigte am Donnerstag einem Ermittlungsrichter vorgeführt. Dieser erließ Untersuchungshaftbefehl wegen des dringenden Verdachts des bandenmäßigen Betrugs.

Trotz dieses Erfolgs kam es am selben Tag im Raum Bayreuth zu zwei vollendeten Betrugsdelikten:

Geldübergaben in Bayreuth und Eckersdorf

In Bayreuth wurde eine Seniorin von einem Unbekannten telefonisch kontaktiert, der vorgab, ein Bankmitarbeiter stehe mit Betrügern in Verbindung. Die Frau hob daraufhin 10.000 Euro von ihrem Konto ab und deponierte das Geld, wie angewiesen, in einem gelben Plastikbeutel in der Rosestraße im Bereich des dortigen Elektrohäuschen. Die Abholung erfolgte zwischen 10.50 Uhr und 13 Uhr. Zu einem persönlichen Kontakt mit dem Geldabholer kam es nicht.

In der Eckersdorfer Sophienstraße wurde ein Ehepaar Opfer einer ähnlichen Masche. Unter dem Vorwand, dass Falschgeld im Umlauf sei, forderte eine vermeintliche Staatsanwältin, Bargeld der Geschädigten auf Echtheit überprüfen zu müssen. Die Betroffenen hinterlegten einen niedrigen fünfstelligen Betrag am Gartenzaun ihres Anwesens in einem beigen Stoffbeutel. Zudem erhielten sie die Anweisung, vor der Abholung die Rollläden zu schließen. Die Tat ereignete sich zwischen 13 Uhr und 14 Uhr. Auch hier sind derzeit keine Hinweise zum Geldabholer bekannt.

Wer kann Hinweise geben?

Die Kriminalpolizei Bayreuth prüft derzeit mögliche Zusammenhänge zwischen den Fällen und bittet um Zeugenhinweise. Insbesondere könnte der in Ahorntal festgestellte weiße VW Tiguan mit Münchner Zulassung auch für die Fälle in Bayreuth und Eckersdorf von Bedeutung sein. Zeugen, die am Mittwoch im Bereich Bayreuth oder Eckersdorf verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben, werden gebeten, sich unter der Tel.-Nr. 0921/506-0 zu melden.

Polizei und Staatsanwaltschaft weisen erneut eindringlich darauf hin: Geben Sie am Telefon keine Auskünfte über Ihre Vermögensverhältnisse und übergeben Sie niemals Bargeld oder Wertgegenstände an unbekannte Personen. Im Zweifel beenden Sie das Gespräch und verständigen Sie selbstständig die Polizei unter der Notrufnummer 110.


Von Onlineredaktion
LV
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