Veröffentlicht am 23.02.2026 09:26, aktualisiert am 23.02.2026 10:26

Eiszeit für den Profisport?

Sponsor weg, Zukunft offen – Verantwortliche im Stadtrat erklären sich zur Situation des Bayreuther Eishockey. (Foto: gmu)
Sponsor weg, Zukunft offen – Verantwortliche im Stadtrat erklären sich zur Situation des Bayreuther Eishockey. (Foto: gmu)
Sponsor weg, Zukunft offen – Verantwortliche im Stadtrat erklären sich zur Situation des Bayreuther Eishockey. (Foto: gmu)
Sponsor weg, Zukunft offen – Verantwortliche im Stadtrat erklären sich zur Situation des Bayreuther Eishockey. (Foto: gmu)
Sponsor weg, Zukunft offen – Verantwortliche im Stadtrat erklären sich zur Situation des Bayreuther Eishockey. (Foto: gmu)

BAYREUTH.Mit dem Rückzug des Hauptsponsors Onesto ist im Bayreuther Sport ein Paukenschlag erfolgt, der die seit Jahren bekannte, aber allzu oft vertagte Problemlage mit einem Schlag ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Für die kommende Saison wird keine Oberliga-Lizenz beantragt – obwohl der sportliche Klassenerhalt eigentlich gesichert ist. Bayreuth steht damit vorerst ohne Profieishockey da.

Erst dieser Einschnitt zwingt Politik und Öffentlichkeit, sich grundlegend mit der prekären Situation auseinanderzusetzen. Denn neben finanziellen Fragen steht ein technisches Risiko im Raum: Die Eisaufbereitungsanlage im rund 50 Jahre alten Stadion gilt als störanfällig. Es besteht jederzeit die Möglichkeit, dass ein Defekt nicht mehr reparabel ist – mit der Folge, dass über Monate hinweg kein Eis bereitet werden kann. Unter diesen Voraussetzungen dürfte es schwer werden, einen neuen Hauptsponsor zu gewinnen. Wer investiert schon in einen Spielbetrieb, dessen infrastrukturelle Basis nicht verlässlich gesichert ist?

Wir haben die Oberbürgermeister-Kandidatinnen und -Kandidaten befragt, die bereits im Stadtrat vertreten sind und in den vergangenen Jahren Verantwortung mitgetragen haben.

Oberbürgermeister Thomas Ebersberger:
Soll Profieishockey in Bayreuth politisch unterstützt werden – ja oder nein?
Jede Profisportart muss politisch unterstützt werden, um das Beste aus den jeweiligen Möglichkeiten herauszuholen.

Welche Lösung bevorzugen Sie in der aktuellen Situation: eine sportliche Konsolidierung auf niedrigerem Niveau oder eine aktive Unterstützung bei der Sponsorensuche für einen Verbleib in der Oberliga?
Eine aktive Unterstützung bei der Sponsorensuche wird selbstverständlich erfolgen. Ob diese jedoch erfolgreich sein wird, ist angesichts der aktuellen Situation äußerst herausfordernd. Plan B bedeutet daher eine sportliche Konsolidierung auf niedrigerem Niveau – in der Hoffnung, bald wieder aufsteigen zu können.

Vor Ihrer Zeit als Oberbürgermeister waren Sie lange Jahre Mitglied des Stadtrates: Welche Verantwortung tragen Politik und Verwaltung aus Ihrer Sicht für den aktuellen Zustand der Sportstätten?
Alle Sportstätten in Bayreuth sind für ihre jeweilige Sportart grundsätzlich gut geeignet. Natürlich wären deutliche Verbesserungen möglich, diese sind jedoch mit erheblichen Kosten verbunden und müssten gemeinsam mit privaten Investoren und den Vereinen umgesetzt werden. Bislang konnten hierfür keine entsprechenden Sponsoren gewonnen werden.

Ist es sinnvoll, den Profisport zu retten, wenn die Infrastruktur – insbesondere der Zustand der Sportstätten – nicht zuverlässig funktioniert? Aufgrund technischer Defekte im Eisstadion musste die Mannschaft bereits auf andere Spielorte ausweichen.
Das Eisstadion musste aufgrund eines technischen Defekts für mehrere Wochen gesperrt werden. Die Spiele konnten jedoch nachgeholt werden. Auch in neueren Stadien treten gelegentlich technische Probleme auf. Wünschenswert wäre es sicherlich, wenn auch im Landkreis – beispielsweise in Pegnitz – eine entsprechende Spielfläche gesichert wäre. In vielen anderen Städten sind Eishockeyvereine beziehungsweise Sponsoren an den Stadien beteiligt und betreiben diese mit.

Welches Spiel einer Bayreuther Profimannschaft haben Sie zuletzt besucht?
Am vergangenen Dienstag war ich beim Eishockey, beim Basketball beim vorletzten Spiel und bei der Spielvereinigung beim letzten Spiel.

Wolfgang Gruber, Oberbürgermeister-Kandidat, Die Unabhängigen (DU):
Soll Profieishockey in Bayreuth politisch unterstützt werden – ja oder nein?
Eine politische Unterstützung halte ich für selbstverständlich. Immerhin profitiert die Stadt Bayreuth direkt und indirekt von ihren Profisportarten. Die Wirkung nach innen – das gilt für Eishockey, Fußball und Basketball – besteht in einem breiten Angebot für den sportlichen Nachwuchs, in einer erheblichen Unterhaltungsfunktion für die Stadtbevölkerung sowie in der Prägung einer regionalen Identität und eines entsprechenden Selbstwertgefühls.
Zu unterscheiden ist jedoch zwischen politischer und finanzieller Unterstützung. Eine direkte finanzielle Förderung ist rechtlich obsolet. Die Stadt könnte die Vereine allerdings bei der Infrastruktur unterstützen. Das war die Politik der vergangenen Jahrzehnte. Dieses Modell funktioniert jedoch nicht mehr, weil die Anforderungen an die Sportstätten immer spezifischer und umfangreicher werden und eine gemeinsame Nutzung – etwa Eishockey und öffentlicher Lauf oder Basketball und Kulturveranstaltungen – zunehmend schwieriger wird.
Als DU sind wir der Überzeugung, dass es künftig keine kommunale Aufgabe mehr sein kann, die Infrastruktur für Profivereine bereitzustellen. Mit unserem Sportinfrastruktur-Fonds präsentieren wir jedoch ein Konzept, mit dem die Stadt die Vereine befähigen kann, eigene Infrastruktur aufzubauen. Voraussetzung wäre, dass dadurch keine zusätzlichen finanziellen Forderungen mehr an die Stadt gestellt werden.

Welche Lösung bevorzugen Sie in der aktuellen Situation: eine sportliche Konsolidierung auf niedrigerem Niveau oder eine aktive Unterstützung bei der Sponsorensuche für einen Verbleib in der Oberliga?
Wenn die Stadt bei der Sponsorensuche behilflich sein kann, muss sie das tun. Dabei muss sie jedoch ehrlich und offen mit potenziellen Sponsoren umgehen. Fakt ist, dass es „jederzeit“ – so die Sportkommission – zu einem Schaden an der 50 Jahre alten Eisaufbereitungsanlage kommen kann, der nicht mehr reparabel ist. Der Oberbürgermeister hat die Kommission darüber informiert, dass keine weiteren Reparaturen möglich sind und ein Ausfall der Eisfläche für 18 Monate die Folge wäre. Unter diesen Umständen erscheint es fraglich, ob sich Sponsoren finden lassen.
Dieses technische Problem gefährdet nicht nur das Profieishockey, sondern stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Sportart Eishockey in Bayreuth insgesamt dar.

Sie sind seit Jahren Mitglied des Stadtrates: Welche Verantwortung tragen Politik und Verwaltung aus Ihrer Sicht für den aktuellen Zustand der Sportstätten?
Die Stadt trägt eine erhebliche Mitverantwortung. Sportstätten wurden stets nur bei Bedarf saniert, jedoch nie ausreichend im Bestand gepflegt. Ein Beispiel ist das HWW-Stadion, das erst mit dem Aufstieg in die 3. Liga eine Erneuerung erfuhr. Gleiches gilt für das Eisstadion. Die Kenntnis über die begrenzte Haltbarkeit dieser Sportstätte besteht seit rund zehn Jahren. Der Stadtrat hat bei seinen Investitionen Schwerpunkte gesetzt, unter anderem für Prestigeprojekte. Deshalb war eine kostenintensive Sanierung oder gar ein Neubau von Sportstätten bislang nicht möglich.
Angesichts eines zukünftigen Schuldenstands von über 300 Millionen Euro wird die Stadt auch in den kommenden Jahren kaum dazu in der Lage sein. Es sei denn, es eröffnen sich günstige Fördermöglichkeiten. Diese muss man dann allerdings auch erkennen und konsequent nutzen.

Ist es sinnvoll, den Profisport zu retten, wenn die Infrastruktur – insbesondere der Zustand der Sportstätten – nicht zuverlässig funktioniert? Aufgrund technischer Defekte im Eisstadion musste die Mannschaft bereits auf andere Spielorte ausweichen.
Ergänzend zu den obigen Ausführungen: Nein. Wir müssen die Profivereine befähigen, sich selbst zu helfen. In allen genannten Sportarten war nicht der Kader das Problem, sondern stets die unzureichende Infrastruktur. Profisport ohne eigene Infrastruktur wird im Eishockey, im Fußball und im Basketball nicht nachhaltig betrieben werden können.

Unser Vorschlag ist das Modell Sportinfrastruktur-Fonds. Damit könnten die Vereine Planungssicherheit erhalten – allerdings nicht ohne Eigenleistung. Die Stadt könnte sich dadurch dauerhaft aus der Verpflichtung zur Profisportförderung verabschieden. Kommunale Aufgabe wäre künftig ausschließlich die Förderung des Breitensports.

Welches Spiel einer Bayreuther Profimannschaft haben Sie zuletzt besucht?
Ich bin persönlich noch Gesellschafter der SpVgg Bayreuth Spielbetriebs-GmbH und Mannschaftsarzt unserer Altstadt. Zuletzt war ich beim ersten Derby der Saison gegen Selb. Basketball habe ich zuletzt in der Vorsaison beim Heimspiel gegen Nürnberg gesehen.

Frank Hofmann, Oberbürgermeister-Kandidat, Bayreuther Gemeinschaft (BG):
Soll Profieishockey in Bayreuth politisch unterstützt werden – ja oder nein?
Die Stadt Bayreuth sollte alle Leistungsträger im Sportbereich unterstützen – somit selbstverständlich auch das Profieishockey. Wichtig ist jedoch, dass dem Stammverein keine Eiszeiten entzogen werden, damit die hervorragende Jugendarbeit weitergeführt werden kann. Die Strukturen müssen unbedingt erhalten bleiben. Wir müssen – wie früher – wieder stärker auf eigene junge Talente aus den eigenen Reihen setzen.

Welche Lösung bevorzugen Sie in der aktuellen Situation: eine sportliche Konsolidierung auf niedrigerem Niveau oder eine aktive Unterstützung bei der Sponsorensuche für einen Verbleib in der Oberliga?
Ein Oberbürgermeister muss sich aktiv um die Unterstützung der Vereine bemühen. Natürlich sollte er auch bei der Sponsorensuche helfen – allerdings nicht ausschließlich für einen einzelnen Verein. Ein neuer Sponsor müsste sehr schnell gefunden werden, um rechtzeitig einen konkurrenzfähigen Kader zusammenstellen zu können. Je länger es dauert, desto schwieriger wird es, gute Spieler für eine solide Basis in der Oberliga zu gewinnen. Gelingt das nicht, bleibt nur die Konsolidierung mit dem Ziel, mit den vorhandenen eigenen Talenten und einer soliden finanziellen Grundlage nach zwei oder drei Jahren wieder an die Oberliga anzuklopfen.

Sie sind seit Jahren Mitglied des Stadtrates: Welche Verantwortung tragen Politik und Verwaltung aus Ihrer Sicht für den aktuellen Zustand der Sportstätten?
Ein Oberbürgermeister sollte Wege aufzeigen, wie der Zustand der Sportstätten verbessert werden kann. Georg Kämpf, Sportpfleger des Stadtrates, hat in den vergangenen fünf Jahren unzählige Male um eine fundierte Diskussion im Stadtrat und mit den Vereinen gebeten, wie es mit dem Sportpark weitergehen soll. Wir müssen endlich eine Richtung einschlagen: Neubau oder Sanierung? Rentiert es sich, die vom DEB geforderte teure „Flex-Bande“ noch in das alte Eisstadion zu investieren? Wie lange wäre das Eisstadion bei einer Sanierung nicht nutzbar? Gefährde ich damit den Nachwuchs? Wenn der BBC in die Basketball-Bundesliga zurückkehren will, benötigen wir die vom Verband geforderte höhere Zuschauerkapazität. Wie können wir das erreichen? All das sind Fragen, die möglichst schnell besprochen werden müssen. Georg Kämpf hat darauf keine einzige vernünftige Antwort vom Oberbürgermeister erhalten.

Ist es sinnvoll, den Profisport zu retten, wenn die Infrastruktur – insbesondere der Zustand der Sportstätten – nicht zuverlässig funktioniert? Aufgrund technischer Defekte im Eisstadion musste die Mannschaft bereits auf andere Spielorte ausweichen.
Wir müssen das dringend angehen. Bisher konnte die alte Eisaufbereitungsanlage immer wieder mit Ersatzteilen und handwerklichem Geschick repariert werden. Das wird irgendwann nicht mehr möglich sein. Dann erledigt sich die Frage nach dem Profisport – zumindest im Eishockey – von selbst.
Welches Spiel einer Bayreuther Profimannschaft haben Sie zuletzt besucht?
Das war der 6:3-Sieg der onesto Tigers gegen den EC Peiting – gemeinsam mit Thomas Schmid, Sebastian Mayer, Stephan Müller und meinem großen Sohn. In der Oberfrankenhalle habe ich zuletzt das Spiel gegen Tübingen gesehen. Sehr häufig war ich in der Vorrunde bei der SpVgg Bayreuth. Und nahezu immer bin ich bei Spielen von HaSpo Bayreuth anzutreffen – auch weil mein Sohn dort in der Jugend Handball spielt.

Andreas Zippel, Oberbürgermeisterkandidat der SPD:
Soll Profieishockey in Bayreuth politisch unterstützt werden – ja oder nein?
Ja, zum Beispiel durch organisatorische Unterstützung.

Welche Lösung bevorzugen Sie in der aktuellen Situation: eine sportliche Konsolidierung auf niedrigerem Niveau oder eine aktive Unterstützung bei der Sponsorensuche für einen Verbleib in der Oberliga?
Diese Entscheidung muss in erster Linie der Bayreuther Eishockeysport selbst treffen; aus der Politik darf hier nichts übergestülpt werden. Natürlich kann man die Tigers bei der Sponsorensuche unterstützen. Soweit ich richtig informiert bin, müsste ein Sponsor mit einem Finanzierungskonzept allerdings binnen zwei Monaten feststehen. Daher erscheint es wahrscheinlicher, die Landesligamannschaft in den Fokus zu rücken und insbesondere die Jugendarbeit des EHC zu stärken.

Sie sind Mitglied des Stadtrates und Zweiter Bürgermeeister: Welche Verantwortung tragen Politik und Verwaltung aus Ihrer Sicht für den aktuellen Zustand der Sportstätten?
Wir haben als SPD-Fraktion – ebenso wie andere Fraktionen – wiederholt darauf hingewiesen, dass die Sportstätten nicht ausreichend unterhalten beziehungsweise saniert wurden. Insbesondere wurden Fördermittel nicht beantragt, deren Nutzung auch unsere Fraktion ausdrücklich eingefordert hat. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass wir ohne ein tragfähiges Konzept nicht gleichzeitig in alle Sportstätten investieren können.

Ist es sinnvoll, den Profisport zu retten, wenn die Infrastruktur – insbesondere der Zustand der Sportstätten – nicht zuverlässig funktioniert? Aufgrund technischer Defekte im Eisstadion musste die Mannschaft bereits auf andere Spielorte ausweichen.
Unsere Sportstätten befinden sich in unterschiedlichem Zustand; insbesondere das Eisstadion muss saniert oder neu errichtet werden. Angesichts der finanziellen Situation der Stadt Bayreuth wird dies vermutlich nur mit Fördermitteln oder im Rahmen eines Public-Private-Partnership-Modells (PPP) möglich sein. Gerade deshalb sollten wir ein umfassendes Sportstättenkonzept entwickeln und unser Fördermittelmanagement so aufstellen, dass wir beispielsweise Mittel aus den Sport-Milliarden des Bundeshaushalts abrufen können.

Welches Spiel einer Bayreuther Profimannschaft haben Sie zuletzt besucht?
Das Heimspiel des BBC gegen Köln.

Luisa Funke-Barjak, Oberbürgermeister-Kandidatin der FDP:
Soll Profieishockey in Bayreuth politisch unterstützt werden – ja oder nein?
Ja, aber mit klaren Leitplanken. Das Profieishockey ist ein wichtiger Imageträger für Bayreuth, insbesondere auch im Hinblick auf die Nachwuchsarbeit. Politische Unterstützung bedeutet für mich jedoch nicht, dauerhaft Defizite auszugleichen.

Welche Lösung bevorzugen Sie in der aktuellen Situation: eine sportliche Konsolidierung auf niedrigerem Niveau oder eine aktive Unterstützung bei der Sponsorensuche für einen Verbleib in der Oberliga?
Ich halte die sportliche Konsolidierung für den realistischeren Weg – so sehr ich mir den Verbleib in der Oberliga wünschen würde. Ein Profibetrieb muss finanziell und strukturell stabil sein. Diese soliden Strukturen können und müssen jetzt neu aufgebaut, der Nachwuchs gestärkt und regionale Partner eingebunden werden. Wenn diese Basis trägt, können Schritt für Schritt wieder höhere sportliche Ziele angepeilt werden.

Sie sind Mitglied des Stadtrates: Welche Verantwortung tragen Politik und Verwaltung aus Ihrer Sicht für den aktuellen Zustand der Sportstätten?
In den vier Jahren, in denen ich dem Stadtrat angehöre, wurde mir schnell klar, dass wir – ähnlich wie bei unseren Schulen – auch bei den Sportstätten einen erheblichen Sanierungsstau haben. Über Jahre hinweg wurde zu wenig bis gar nichts investiert.
Es bringt nichts, immer nur dort zu reparieren, wo es gerade am stärksten brennt. Das haben wir beim Stadion im Zuge des Aufstiegs der SpVgg Bayreuth in die 3. Liga erlebt: Plötzlich musste schnell gehandelt werden, um das Stadion drittligatauglich zu machen, nachdem lange nichts passiert war. Das kann jedoch nicht die dauerhafte Lösung sein.
Wir brauchen deshalb ein tragfähiges Gesamtkonzept für alle Sportstätten. Das kann auch einen Neubau auf der grünen Wiese bedeuten – oft ist das wirtschaftlicher als eine endlose Bestandssanierung. Klar ist allerdings auch: Die finanziellen Spielräume sind derzeit sehr eng. Gerade deshalb müssen wir strategisch planen, statt weiter im Krisenmodus zu agieren.

Ist es sinnvoll, den Profisport zu retten, wenn die Infrastruktur – insbesondere der Zustand der Sportstätten – nicht zuverlässig funktioniert? Aufgrund technischer Defekte im Eisstadion musste die Mannschaft bereits auf andere Spielorte ausweichen.
Wir befinden uns hier in einer echten Zwickmühle. Einerseits wollen wir den Profisport in Bayreuth erhalten, andererseits gibt es aktuell keine kurzfristige Lösung, um die Infrastruktur vollständig zu stabilisieren.
Klar ist zudem: Die Verantwortung liegt nicht allein bei der Stadt. Strukturen, wirtschaftliche Entscheidungen und Risikobewertungen gehören ebenso in den Verantwortungsbereich der Vereine und Betreiber.
Ohne verlässliche Infrastruktur ist ein professioneller Spielbetrieb auf Dauer kaum tragfähig. Deshalb müssen wir zunächst die Grundlagen klären und die Verantwortlichkeiten sauber definieren – sonst geraten wir immer wieder in dieselbe Situation.

Welches Spiel einer Bayreuther Profimannschaft haben Sie zuletzt besucht?
Zuletzt war ich bei einem Heimspiel des BBC Bayreuth. Mir ist wichtig, unsere Profimannschaften nicht nur politisch, sondern auch persönlich zu unterstützen.

Sabine Steininger, Oberbürgermeister-Kandidatin, Grüne und Unabhängige:
Soll Profieishockey in Bayreuth politisch unterstützt werden – ja oder nein?
Es ist bekannt und wurde in den Medien bereits mehrfach ausgeführt: Profisport – und das gilt auch für die Tigers GmbH – ist ein unternehmerisches Geschäft. Hier will und darf sich die Stadt Bayreuth nicht einmischen. Zudem ist der Stadt Bayreuth aufgrund der Auflagen der Regierung von Oberfranken ein Aufstocken der freiwilligen Leistungen in den nächsten Jahren ohnehin nicht möglich.

Welche Lösung bevorzugen Sie in der aktuellen Situation: eine sportliche Konsolidierung auf niedrigerem Niveau oder eine aktive Unterstützung bei der Sponsorensuche für einen Verbleib in der Oberliga?
Natürlich sollte die Stadt Bayreuth die Sponsorensuche unterstützen. Die konkreten Vereinbarungen und Planungen müssen jedoch die Vereine beziehungsweise die Spielbetriebs-GmbHs selbst treffen. In allen Profiligen steigen die Anforderungen an die teilnehmenden Teams von Jahr zu Jahr. Das kann die Stadt Bayreuth nicht leisten – kaum für eine einzelne Sportart und erst recht nicht für drei, vier oder fünf Disziplinen. Insofern bleibt eine Konsolidierung kaum aus. Ich würde dabei allerdings nicht von „niedrigem“ Niveau sprechen, sondern eher von einem Top-Amateur-Niveau. Deshalb sollte zügig mit der sportlichen Konsolidierung begonnen und parallel weiterhin nach Sponsoren gesucht werden.

Sie sind seit Jahren Mitglied des Stadtrates: Welche Verantwortung tragen Politik und Verwaltung aus Ihrer Sicht für den aktuellen Zustand der Sportstätten?
Die Stadt Bayreuth bemüht sich seit Jahren, sämtliche Liegenschaften in ihrem Besitz Schritt für Schritt zu sanieren. In anderen Städten, etwa in Nürnberg oder Bamberg, zahlen die Profivereine eine marktübliche Miete für die Nutzung der Stadien beziehungsweise Hallen. Dadurch stehen diesen Kommunen deutlich mehr Mittel für die Instandhaltung zur Verfügung. Bayreuth verfügte in den 1970er Jahren über Sportstätten, die mindestens auf nationalem Niveau absolute Spitze waren. Diese Situation von vor 50 Jahren lässt sich jedoch nicht mit den heutigen Anforderungen vergleichen. Ähnlich wie bei den Schulen wurde in den vergangenen Jahren auch hier einiges versäumt. Aber selbst mit besseren Sportstätten wären die finanziellen Probleme der Vereine nicht automatisch gelöst.

Ist es sinnvoll, den Profisport zu retten, wenn die Infrastruktur – insbesondere der Zustand der Sportstätten – nicht zuverlässig funktioniert? Aufgrund technischer Defekte im Eisstadion musste die Mannschaft bereits auf andere Spielorte ausweichen.
Noch einmal: Der Profisport kann sich letztlich nur selbst retten. Dann kann die Stadt Bayreuth unter Umständen unterstützend tätig werden – das hat man beispielsweise im Fußball in der 3. Liga gut sehen können. Im Falle eines Abstiegs bleibt die Stadt jedoch unter Umständen auf teuren Anlagen sitzen. Deshalb plädiere ich für Sportstätten, die auf den – wie oben beschrieben – Top-Amateurbereich ausgerichtet sind. Zudem zeigt sich, dass Bayreuth derzeit nicht über das Zuschauerpotenzial für dauerhaft professionellen Sport verfügt. Viele Bürgerinnen und Bürger müssen heute stärker als noch vor 50 Jahren auf ihr Geld achten.
Welches Spiel einer Bayreuther Profimannschaft haben Sie zuletzt besucht?
Das letzte Heimspiel der SpVgg Bayreuth in der 3. Liga.

Christopher Süß, Oberbürgermeister-Kandidat, Junges Bayreuth (JB):
Soll Profieishockey in Bayreuth politisch unterstützt werden – ja oder nein?
Ja – aber mit klaren Leitplanken. Profieishockey ist ein wichtiger Imageträger für Bayreuth, stärkt Identifikation, Nachwuchsarbeit und Standortmarketing. Politische Unterstützung darf jedoch kein Blankoscheck sein. Sie muss an wirtschaftliche Solidität, Transparenz und ein tragfähiges Konzept gebunden sein.

Welche Lösung bevorzugen Sie in der aktuellen Situation: eine sportliche Konsolidierung auf niedrigerem Niveau oder eine aktive Unterstützung bei der Sponsorensuche für einen Verbleib in der Oberliga?
Priorität hat für mich die wirtschaftliche Stabilität vor der sportlichen Höhe. Wenn ein Verbleib in der Oberliga realistisch und solide finanziert werden kann, sollte die Stadt unterstützend in Netzwerken und bei Sponsorengesprächen wirken. Das hat der Oberbürgermeister im vergangenen Jahr auch bei der SpVgg Bayreuth getan. Ist dies jedoch nicht gesichert, ist eine ehrliche sportliche Konsolidierung der verantwortungsvollere Weg. Nachhaltigkeit geht vor Prestige.

Sie sind seit Jahren Mitglied des Stadtrates: Welche Verantwortung tragen Politik und Verwaltung aus Ihrer Sicht für den aktuellen Zustand der Sportstätten?
Ich habe als Stadtrat stets die Ertüchtigung der Sportstätten unterstützt – sei es durch gezielte Anfragen zum baulichen Unterhalt oder durch entsprechende Abstimmungen in den Gremien. Für mich steht die Thematik nicht erst seit gestern auf der Agenda. Als Junges Bayreuth sagen wir klar: Wegschauen ist keine Option. Deshalb haben wir als Fraktion im Sommer vergangenen Jahres einen Antrag zur Zukunft des Sportparks und zur baulichen Perspektive des WWG eingebracht.
Der Zustand von Eisstadion und Sportzentrum ist seit Jahren bekannt. Wenn dennoch immer nur reagiert statt strategisch geplant wird, ist das ein politisches Versäumnis. Wir stehen für eine vorausschauende, generationengerechte Politik. Das bedeutet: keine Flickschusterei mehr, sondern ein tragfähiges Gesamtkonzept für den Sportpark in Bayreuth – mit energetischer Sanierung, klarer Priorisierung im Haushalt und echter Einbindung der Vereine und Nutzer. Es freut uns, dass auf unseren Antrag hin entsprechende Mittel für eine Planung im Haushalt 2026 eingestellt wurden. Für mich gilt: weniger Show, mehr echte Arbeit in den Gremien.

Ist es sinnvoll, den Profisport zu retten, wenn die Infrastruktur – insbesondere der Zustand der Sportstätten – nicht zuverlässig funktioniert? Aufgrund technischer Defekte im Eisstadion musste die Mannschaft bereits auf andere Spielorte ausweichen.
Ja – aber Infrastruktur und Profisport dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Zukunftsfähige Sportstätten können nur gemeinsam mit dem Profisport entwickelt werden. Wer leistungsorientierten Sport in Bayreuth will, muss die Anforderungen der Vereine frühzeitig in Planung und Sanierung einbeziehen.
Gleichzeitig gilt: Die Stadt kann keine einseitige Vorleistung ohne tragfähiges Konzept erbringen. Es braucht ein partnerschaftliches Modell, bei dem Vereine, Sponsoren und Kommune gemeinsam Verantwortung übernehmen – finanziell wie strukturell. Nur wenn Infrastruktur, wirtschaftliche Stabilität und sportliche Perspektive zusammengedacht werden, entsteht eine nachhaltige Lösung für den Standort.

Welches Spiel einer Bayreuther Profimannschaft haben Sie zuletzt besucht?
Zuletzt habe ich ein Heimspiel des BBC Bayreuth besucht. Zudem habe ich eine Dauerkarte für das HaWaWi im „Biest“.

Stimme aus der Szene: Gottfried Oliwa über Bruch und Chance
Gottfried Oliwa, früherer Profi-Basketballer und langjähriger BR-Sportreporter, spricht von einem schmerzhaften, aber nachvollziehbaren Rückzug des Hauptsponsors. Marode Infrastruktur, schwierige Rahmenbedingungen und fehlender Rückhalt hätten das Projekt belastet. Am Ende investiere Lünenborg eigenes Geld – seine Entscheidung sei legitim.

Versäumt worden sei jedoch, die Eishockeyszene zu einen und tragfähige Nachwuchsstrukturen aufzubauen. Ohne neuen Großinvestor sei ein Oberliga-Betrieb kaum realistisch. Ein Neuaufbau in der Landesliga mit jungen, einheimischen Spielern sei daher der vernünftigste Weg – auch wenn Fördermittel und das „Fünf-Sterne-Programm“ wegfallen könnten.

Oliwa erinnert an den Bayreuther Basketball der 1980er-Jahre: Auch dort folgte auf die Insolvenz ein erfolgreicher Neuanfang. Ein Bruch sei immer auch eine Chance – wenn es gelingt, wieder Aufbruchstimmung und Zusammenhalt zu erzeugen.

Oliver Ponsel, Stadtrat und Mannschaftsarzt der Tigers
Oliver Ponsel, Stadtrat und Mannschaftsarzt der Tigers, hat nach eigenen Worten alle Höhen und Tiefen erlebt – vom EHC über die Bayreuth Tigers bis zu den Onesto Tigers. Er zeigt sich dankbar für das zweijährige Engagement der Onesto-Gruppe, bedauert jedoch, dass es nicht gelungen sei, den Investor langfristig zu binden. Auch strukturelle Fehler hätten eine Rolle gespielt. Ponsel verweist auf einen SPD-Antrag aus dem Jahr 2021 zur energetischen Sanierung des Eisstadions, der nicht weiterverfolgt worden sei – damit seien mögliche Fördermittel ungenutzt geblieben.

Für den Nachwuchs sei die aktuelle Situation bitter. Ohne funktionierende Eisaufbereitung gebe es keine Perspektive – und damit auch kaum Argumente für neue Sponsoren. Ponsel plädiert daher für eine zukunftsorientierte Lösung: ein neues Eisstadion oder eine Multifunktionsarena. Andere Städte machten vor, dass solche Modelle tragfähig seien. Jetzt müsse Bayreuth den Mut haben, seine Sportstätten grundlegend neu auszurichten.


Von Gabriele Munzert
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