Veröffentlicht am 10.05.2026 12:24

Bieranstich, eine Herausforderung

Schauplatz des Bieranstichs zur Eröffnung des Volksfestes: Die Grüne Bar.<br> (Foto: Dörfler/Archiv)
Schauplatz des Bieranstichs zur Eröffnung des Volksfestes: Die Grüne Bar.
(Foto: Dörfler/Archiv)
Schauplatz des Bieranstichs zur Eröffnung des Volksfestes: Die Grüne Bar.
(Foto: Dörfler/Archiv)
Schauplatz des Bieranstichs zur Eröffnung des Volksfestes: Die Grüne Bar.
(Foto: Dörfler/Archiv)
Schauplatz des Bieranstichs zur Eröffnung des Volksfestes: Die Grüne Bar.
(Foto: Dörfler/Archiv)

BAYREUTH.Dass beim Bayreuther Volksfest erneut kein großes Festzelt aufgebaut wird, überrascht kaum mehr. Bemerkenswert ist in diesem Jahr: Kein Betreiber der Genussgärten möchte den traditionellen Bieranstich ausrichten.

Der Bieranstich gehört zu den symbolträchtigen Momenten eine solchen Festes. Gerade in diesem Jahr hätte der Termin besondere Bedeutung gehabt: Mit Andreas Zippel eröffnet erstmals der neue Oberbürgermeister offiziell das Volksfest.

Doch ausgerechnet für diesen zentralen Auftakt fand sich zunächst kein Gastgeber.
Nach Informationen aus dem Umfeld der Veranstaltung zeigte keiner der Betreiber der sogenannten Genussgärten Bereitschaft, den offiziellen Bieranstich auf seinem Gelände durchzuführen und im Anschluss die geladenen Gäste der Stadt zu bewirten. Dazu zählen traditionell auch die Teilnehmer des großen Festzuges, die Verzehrgutscheine erhalten. Mehrere tausend Menschen ziehen jährlich vom Markt auf das Volksfestgelände.
Für die Bayreuth Marketing & Tourismus GmbH als Veranstalterin dürfte die Situation alles andere als angenehm gewesen sein.

Die „Grüne Bar“ springt ein
Am Ende erklärte sich die Nürnbergeri Schaustellerin Ramona Distel mit ihrer „Grünen Bar“ bereit, den Bieranstich auszurichten. Dafür verdient sie Anerkennung. Denn ohne dieses Engagement wäre der offizielle Auftakt des Volksfestes ziemlich improvisiert ausgefallen.
Doch so charmant und liebevoll gestaltet die „Grüne Bar“ auch ist – als klassischer Ort für den Bieranstich eines Volksfestes wirkt sie eher ungewöhnlich. Nicht zuletzt deshalb, weil der Schwerpunkt des Getränkesortimentes auf Cocktails und Bowlen liegt.

Schweigen und Gerüchte
Warum sich niemand sonst bereit erklärte, bleibt offen. Überraschend ist jedoch, dass die Zurückhaltung ausgerechnet aus jenem Umfeld kommt, das seit Jahren nicht nur mit dem Volksfest, sondern auch mit anderen Innenstadt-Veranstaltungen eng verbunden ist – und vom Erfolg profitiert.

Kein Festzelt ist inzwischen Gewohnheit
Dass Bayreuth erneut ohne klassisches Festzelt auskommen muss, gerät darüber fast zur Randnotiz. Denn diese Diskussion begleitet die Veranstaltung inzwischen seit Jahren. Man scheint sich irgendwie an den Zustand gewöhnt zu haben.

Die Frage, die bleibt, warum es schwierig geworden ist, jemanden zu finden, der für den symbolischen Auftakt des Volksfestes Verantwortung übernimmt, Wie groß ist die gemeinsame Identifikation mit der Veranstaltung tatsächlich noch.

Ein Volksfest lebt nicht allein von Fahrgeschäften, Musik und Bierbänken. Es lebt vor allem von Begegnungen – davon, dass Menschen ungezwungen zusammenkommen, miteinander feiern, Freundschaften pflegen und für ein paar Stunden den Alltag hinter sich lassen. Genau diese Offenheit und Gastfreundschaft sollte man eigentlich auch von jenen erwarten dürfen, die vor Ort als Gastgeber auftreten. Persönliche Verstimmungen oder Frust sollten nicht auf dem Rücken einer traditionsreichen Veranstaltung und ihrer Besucher ausgetragen werden.


Von Gabriele Munzert
north