Veröffentlicht am 30.05.2026 16:13

Bayreuths Kulturreferat:

Erwin Pflaum und Eva Bär bei einer Veranstaltung im August 2025 in Haus Wahnfried. <br> (Foto: Munzert)
Erwin Pflaum und Eva Bär bei einer Veranstaltung im August 2025 in Haus Wahnfried.
(Foto: Munzert)
Erwin Pflaum und Eva Bär bei einer Veranstaltung im August 2025 in Haus Wahnfried.
(Foto: Munzert)
Erwin Pflaum und Eva Bär bei einer Veranstaltung im August 2025 in Haus Wahnfried.
(Foto: Munzert)
Erwin Pflaum und Eva Bär bei einer Veranstaltung im August 2025 in Haus Wahnfried.
(Foto: Munzert)

BAYREUTH.Für Kunst und Kultur in Bayreuth zuständig zu sein, müsste eigentlich ein Traum sein. Wagner, Wilhelmine, Weltkultur. Dazu Museen, Festspiele, Universität, zahlreiche lokale kulturelle Initiativent und ein Publikum, das bei Kultur nicht erst lange nachfragen muss, worum es geht.

Soweit die Theorie.

In der Praxis ist das Bayreuther Kulturreferat seit Jahren eher ein Amt mit eingebautem Schleudersitz. Wer dort Platz nimmt, braucht Fachkenntnis, Verwaltungserfahrung, diplomatisches Geschick, gute Nerven und im Idealfall eine gewisse Leidensfähigkeit. Denn die Geschichte der Kulturreferenten seit Erwin Pflaum zeigt: Die Erwartungen sind hoch. Die Geduld ist oft begrenzt.

Erwin Pflaum war von Januar 1972 bis März 2000 im Amt. Erst als Wirtschafts- und Kulturreferent, später als Personal- und Kulturreferent. Fast drei Jahrzehnte, WAHNSINN. . Das wirkt aus heutiger Sicht wie eine andere Zeitrechnung. Damals war Kulturverwaltung noch stärker klassische Verwaltung. Es ging um Häuser, Etats, Personal, Veranstaltungen, Repräsentation. Natürlich gab es auch Konflikte. Aber die Strukturen waren überschaubarer.

Mit Carsten Hillgruber begann im April 2000 eine neue Phase. Er wurde Kultur- und Schulreferent. Hillgruber blieb bis Februar 2007 in dieser Funktion. Später kehrte er noch einmal in die Kulturzuständigkeit zurück, von Februar 2010 bis Januar 2015 als Referent für Soziales und kulturelle Angelegenheiten. Schon diese Konstruktion zeigt: Kultur war in Bayreuth selten einfach nur Kultur. Sie wurde immer wieder mit anderen Bereichen verbunden. Mal mit Wirtschaft. Mal mit Personal. Mal mit Schule. Mal mit Tourismus. Mal mit Sozialem.

Im März 2007 übernahm Ralph Lange als Kultur- und Tourismusreferent. Die Stadt wollte Kultur und touristische Vermarktung enger verbinden. Das klang modern. Es war aber auch eine Überforderung im System. Ralph Lange blieb nur bis Juni 2009. Sein Abgang war schwierig. Es gab Konflikte, Kritik an seiner Arbeit und Zweifel an seiner Bindung an Bayreuth. Am Ende stand die Trennung.

Danach musste wieder improvisiert werden. Hillgruber übernahm erneut Verantwortung. Das Kulturreferat war damit nicht wirklich neu aufgestellt, sondern eher notdürftig stabilisiert.

Im Januar 2015 kam Fabian Kern. Er war Kultur- und Tourismusreferent und sollte Bayreuth strategisch positionieren. Die Aufgaben waren groß: Wahnfried, Richard-Wagner-Stiftung, Markgräfliches Opernhaus, Stadthalle, Stadtmarketing, kulturelle Initiativen, touristische Impulse. Kern hatte Erfolge. Doch auch bei ihm wurde bald diskutiert, ob Anspruch und Ausstattung zusammenpassten. Sein Vertrag wurde nicht verlängert. Im Januar 2018 war Schluss.

Danach folgte eine Phase, in der Bayreuth offenbar selbst nicht mehr genau wusste, was dieses Amt eigentlich sein sollte. Ein Kulturmanager? Ein Touristiker? Ein Verwaltungsprofi? Ein Netzwerker? Ein Diplomat? Ein Krisenmoderator? Am besten alles zugleich. Und bitte sofort.

2018 wählte der Stadtrat Tobias Knoblich zum Kultur- und Tourismusreferenten. Er trat das Amt jedoch gar nicht an. Bayreuth hatte also einen gewählten Kulturreferenten, der nie Kulturreferent wurde. In einer Stadt mit Operntradition darf man das wohl eine bemerkenswerte Inszenierung nennen.

2019 kam Benedikt Stegmayer. Anders als frühere Referenten war er berufsmäßiger Stadtrat. Damit hatte die Position ein anderes Gewicht. Stegmayer stand nicht nur als Referent in der Verwaltung, sondern auch als politischer Wahlbeamter mit eigener Stellung. Er brachte fachliches Profil mit und blieb bis 2024. Dann wechselte er nach Würzburg. Dass ausgerechnet diese längere Amtszeit nicht durch Abwahl oder Vertragsende, sondern durch einen Karriereschritt endete, war in der Bayreuther Kulturreferatsgeschichte fast schon eine beruhigende Ausnahme.

Doch die strukturelle Frage blieb. Was verlangt Bayreuth eigentlich von dieser Stelle?

Die Anforderungen haben sich stark verändert. Früher war der Kulturreferent vor allem Verwalter, Koordinator und Repräsentant. Heute soll er Kulturpolitik entwickeln, Tourismus verstehen, Wirtschaft mitdenken, Fördermittel einwerben, Bauprojekte begleiten, Konflikte in den lokalen kulturellen Initiativen moderieren, städtische Einrichtungen führen und zugleich politisch anschlussfähig bleiben.

Das ist viel. Vielleicht zu viel.

Hinzu kommt der Stadtrat. Er setzt die Rahmenbedingungen, wählt die Personen, verändert Zuschnitte und entscheidet über Geld. Gerade deshalb trägt er Mitverantwortung. Wenn ein Referat immer wieder neu erfunden wird, wenn Aufgaben wachsen, Personal aber nicht Schritt hält, wenn Erwartungen politisch formuliert, aber organisatorisch nicht anders unterlegt werden, dann darf man sich über kurze Haltbarkeit nicht wundern.

Natürlich kann auch ein Stadtrat mal falsch entscheiden. Das ist keine Schande. Problematisch wird es erst, wenn aus mehreren Fehlgriffen kein Muster erkannt wird. Bayreuth hat mehrfach Personen gesucht, die gleichzeitig Fachmann, Manager, Verwaltungsprofi, Netzwerker, Standortentwickler und Feuerwehrmann sein sollten. Solche Menschen gibt es. Aber sie sind selten. Und sie überlegen genau, ob sie sich ein Rathaus antun, in dem Kulturpolitik schnell zur Personalpolitik wird.

Der jüngste Fall Eva Christina Bär fügt sich in diese Geschichte ein. Sie trat Anfang 2025 als Kultur- und Wirtschaftsreferentin an. Das Referat war zuvor erneut umgebaut worden. Kultur und Wirtschaft sollten zusammengeführt werden. Der Anspruch war hoch. Neue Impulse für Kultur, Tourismus und Wirtschaftsstandort wurden erwartet.

Nun ist Eva Christina Bär widerruflich freigestellt. Die Stadt selbst äußert sich zu den Gründen bislang kaum. Im Rathaus wird zwar über Konflikte, unterschiedliche Erwartungen und interne Spannungen gesprochen. Vieles davon ist bislang allerdings nicht öffentlich belegt. Gerade deshalb zeigt der Fall vor allem eines: Das Problem liegt möglicherweise tiefer als bei einer einzelnen Personalie.

Wer eine solche Position erfolgreich ausfüllen soll, braucht klare Zuständigkeiten und politische Rückendeckung. Die Aufgabe verlangt Präsenz in der Stadt, Nähe zur Kulturszene und gleichzeitig professionelle Distanz. Vor allem aber braucht es realistische Erwartungen – auch im Stadtrat selbst.

Wie es weitergeht, ist offen. Oberbürgermeister Andreas Zippel führt das Referat vorerst kommissarisch. Doch das kann nur kurzfristig funktionieren.

Welche Kultur will Bayreuth? Erst wenn diese Frage beantwortet ist, wird sich jemand finden, der nicht nur kommt, sondern bleibt.


Von Gabriele Munzert
north