SpVgg Bayreuth: Mehrere Spieler stehen vor dem Aus

Die SpVgg Bayreuth ist derzeit in der Winterpause. Nach 17 von 38 Spielen steht der 20. und damit letzte Tabellenplatz der 3. Liga für die Spielvereinigung zu Buche. Wie fällt das Fazit von Geschäftsführer Dr. Wolfgang Gruber aus?

Die Sonntagszeitung hat am Rande der Mitgliederversammlung der SpVgg Bayreuth mit Gruber gesprochen. Der Sprecher der Geschäftsführung äußerte sich zu Highlights und Tiefpunkten der Hinrunde aus seiner Sicht, bezog Stellung zu falschen Elfmeter-Entscheidungen und gewährte einen Blick in die Transferplanungen der Altstadt.

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SpVgg Bayreuth: Geschäftsführer Wolfgang Gruber spricht von Vertragsauflösungen

Herr Gruber, wie fällt Ihr Fazit zur größtenteils abgeschlossenen Hinrunde der Spielvereinigung aus?

Gruber: Wir sind in einer neuen Welt angekommen. Diese Welt der 3. Liga ist spannend und schwierig zugleich. Es ist auch ein Kampf um das sportliche Überleben der SpVgg Bayreuth. Bei dem höherklassigen Fußball haben wir bisher einiges an Lehrgeld zahlen müssen, gerade am Anfang der Saison. Sportlich können wir nicht zufrieden sein. Aber: Alles in allem ist die 3. Liga für uns aber eine Bombensache.

Die SpVgg Bayreuth geht nach einem ordentlichen letzten Spiel bei Viktoria Köln als Tabellenletzter in die Winterpause. Ist die Rote Laterne eine Bürde?

Gruber: Wir haben noch 21 Spiele. Da gibt es jede Menge Punkte zu holen. Wer da jetzt schon aufgeben würde, wäre eindeutig fehl am Platz. Psychisch mag der letzte Platz etwas unglücklich sein, wir hätten mit einem Sieg in Köln Plätze gutmachen können, aber das war leider nicht so. Wir haben aber eine gute Grundstimmung im Team. Das zeichnet uns aus.

Eine gängige Fußball-Weisheit besagt: „Die Tabelle lügt nicht.“ Gehen Sie da mit?

Gruber: Ja, stimme ich zu. Das ist so. Aber eins ist auch klar: Die Liga ist verrückt. In der 3. Liga kann jeder jeden schlagen. Das haben wir in einigen Ergebnissen gesehen, nicht zuletzt bei uns. Ich erinnere an die Punktgewinne gegen Dresden und 1860 München. Aber es gibt auch keine Selbstläufer, also Mannschaften, gegen die man im Vorbeigehen gewinnt.




Winterpausen sind traditionell die Zeit, den Kader mit Transfers nachzujustieren. Welchen Bedarf sehen Sie bei der SpVgg?

Gruber: Wenn wir könnten, täten wir schon (lacht). Das ist aber grundsätzlich nicht so einfach. Wir müssen erstmal wirtschaftliche Rahmenbedingungen dafür darstellen. Das kann durch zusätzliches frisches Kapital sein, oder durch eine Verringerung der bisherigen Kosten, zum Beispiel, dass uns Spieler im Winter verlassen. Ich gehe davon aus, dass drei bis vier Spieler ihren Vertrag auflösen werden. Davon könnten wir dann ein bis zwei Spieler holen, die uns wirklich verstärken würden.

Drei bis vier Spieler – sind das jene, die aktuell wenig Chancen auf Spielpraxis haben?

Gruber: Es gibt ja welche, die gar nicht gespielt haben oder kaum eine Aussicht darauf haben, entscheidende Spielanteile zu bekommen. Es wäre unfair, jetzt Namen zu nennen, weil sie mir alle ans Herz gewachsen sind.

SpVgg Bayreuth: Nollenberger-Wechsel in 2. Bundesliga möglich

Eine andere Option wäre, begehrte Spieler ziehen zu lassen. Hat wegen Alexander Nollenberger schon ein Verein angefragt?

Gruber: Das ist eine Idee, die aus den Medien geboren wurde. Wir denken nicht ernsthaft darüber nach. Zunächst mal muss der Spieler sagen, er will weg. Wenn dann jemand käme, und würde ein unmoralisches Angebot machen, dann müssen wir darüber nachdenken, was das für uns bedeutet. Würden wir sportliche Qualität verlieren, müssten wir die wieder aufholen. Das sehe ich sehr skeptisch.

Die andere Möglichkeit wäre, über eine Verlängerung des Vertrags zu sprechen. Nollenbergers Arbeitspapier läuft Ende dieser Saison aus …

Gruber: Natürlich versuchen wir das. Aber ich halte eine Vertragsverlängerung mit Nollenberger derzeit für wenig realistisch. Nolle spielt nächstes Jahr in der 2. Liga. Davon bin ich überzeugt. Das ist meine Erwartungshaltung ohne zu sagen, da hätte ein Verein bisher angefragt.

Wolfgang Gruber, Geschäftsführer der SpVgg Bayreuth, auf der Jahreshauptversammlung am 17. November. Bild: Lenkeit

Sagt Ihnen der Name Babak Rafati etwas?

Gruber: Ja.

Das ist der Ex-Schiedsrichter, der als Außenstehender sachlich die Spiele der 3. Liga analysiert. Die SpVgg führt Rabatis Tabelle benachteiligter Teams an.

Gruber: Und die Spielvereinigung ist bei Elfmeter-Entscheidungen bisher am häufigsten benachteiligt worden. Das ist eine zusätzliche Erschwernis, mit der wir nicht rechnen konnten. Auch da lügt die Tabelle nicht. Diese Fehlentscheidungen machen dann auch Punkte aus. Insofern lügt die Tabelle dann eigentlich doch. Ohne diese Entscheidungen stünden wir besser da. Aber es hilft alles nichts. Der DFB sollte sich fragen, welche Qualitätssicherung er bei seinen Schiedsrichtern betreibt. Das ist in der Häufigkeit und Dichte gegen uns als Verein einmalig. Der DFB sollte sich hinterfragen, warum diese Fehlentscheidungen so getroffen werden. Zumal wir auch keine strittige Entscheidung für uns bekommen haben.

Ihr Geschäftsführerkollege Michael Born sprach davon, das sei „kaum noch Zufall“. Geben Sie ihm Recht?

Gruber: Ich glaube, dass aus dieser Häufigkeit der Entscheidungen die unterschwellige Bereitschaft der Schiedsrichter zu erkennen ist, bei uns nicht zu pfeifen, wenn sie es bei einer anderen Mannschaft tun würden. Das ist in dieser Häufigkeit wettbewerbsverzerrend.

Wer sie bei den Spielen im Stadion beobachtet, der sieht, dass Sie emotional voll mitgehen. Im Elversberg-Spiel wurde das deutlich. Es gab mehrere Gelbe Karten gegen die Bank der SpVgg. Bringt die 3. Liga nochmal ein anderes Leven an Anspannung mit sich?

Gruber: Natürlich. Der Druck ist viel höher. Die Folgen der Fehlentscheidungen können gravierend und für den Verein existenziell sein. Aber es ist auch grundsätzlich der Sport, der alles Fußballfans mitreißt.

Elfmeter-Fehlentscheidungen können für SpVgg Bayreuth existenzgefährdend sein

Wie verarbeiten Sie denn persönlich Rückschläge der Spielvereinigung?

Gruber: Mit einem Schluck Alkohol. Wenn die Spielvereinigung ins Hintertreffen gerät, macht das schon schlechte Nächte, das muss ich sagen. Aber ich trete dann auch mal in die Pendale, um mich etwas abzureagieren und wieder klarzukommen. Aber was im blanken Ergebnis wie ein Rückschlag aussehen mag, muss man auch relativieren. Als Beispiel wieder das Elversberg-Spiel: Wir haben gegen die Übermannschaft der Liga nur 0:1 verloren.

Haben Sie ein persönliches Highlight oder auch einen Tiefpunkt der Hinrunde?

Gruber: Highlight war natürlich der Heimsieg gegen 1860 München sowie das Unentschieden gegen Dresden. Mit diesen vier Punkten war keinesfalls zu rechnen. Umso schöner, dass uns das vor eigenem Publikum gelungen ist. Mein sportlicher Tiefpunkt (überlegt)? Das Zwickau-Spiel war enttäuschend. Emotional schwierig war zudem die Niederlage in Mannheim am 7. Spieltag. Die Mannschaft liefert ein überragendes Spiel und kassiert in der 86. Minute das 1:2 und verliert. Da sieht man aber auch unsere sportliche Entwicklung als Mannschaft. Dieses Tor fangen uns danach nicht mehr. Ich verweise auf das 1:1 in Duisburg. Die Mannschaft wird sportlich besser. Das lässt uns auch optimistisch nach vorne blicken.

Kann eine Mitgliederentscheidung mit strategischen Entscheidungen mittelbar auch das sportliche Geschehen der ersten Mannschaft beeinflussen?

Gruber: Die erste Mannschaft ist über die GmbH Teil des Vereins. Die Strahlkraft dieser ersten Mannschaft in der 3. Liga führt im Verein zu erheblichen Blüten. Die Entwicklung des Vereins ist davon sehr abhängig. Umgekehrt muss der Verein die GmbH unterstützen, finanziell und strukturell. Es geht nur miteinander. Auch interessant: SpVgg-Trainer Thomas Kleine sagt: „Trainer-raus“-Rufe sind nie angenehm.

Was stimmt Sie denn optimistisch, dass der SpVgg Bayreuth in der Rückrunde der Sprung über den Strich gelingen kann?

Gruber: Wenn man die Entwicklung der Mannschaft ansieht, stellt man fest, dass wir auch gegen Topmannschaften nur noch knapp verlieren, siehe hierzu auch das letzte Spiel bei Viktoria Köln. Ich glaube, dass wir in der Abwehr mittlerweile auch sehr gefestigt stehen. Wir machen weniger Fehler. In Spielen wie gegen Duisburg, als wir das 1:1 bekommen, brechen wir nicht mehr zusammen. Gegentore wie der angesprochene Siegtreffer für Mannheim kurz vor Schluss haben sich nicht mehr wiederholt. Was aber auch klar ist: Wir müssen in einem Spiel endlich mal zwei Tore machen. Ich bin überzeugt: Wir hätten das gegen Köln geschafft, wenn wir nicht die gelb-rote Karte gegen Eroll Zejnullahu bekommen hätten. Das war blöd, aber auch hier denke ich: Das muss der Schiedsrichter wegen so einer Lächerlichkeit nicht machen.

jle