Veröffentlicht am 30.06.2026 10:00

Regionalliga-Reform zumindest vorerst gescheitert

Die Fans, nicht nur der Altstadt (Bild) sind sich einig: Die Meister der Regionalligen müssen direkt aufsteigen. (Foto: Dirk Ellmer)
Die Fans, nicht nur der Altstadt (Bild) sind sich einig: Die Meister der Regionalligen müssen direkt aufsteigen. (Foto: Dirk Ellmer)
Die Fans, nicht nur der Altstadt (Bild) sind sich einig: Die Meister der Regionalligen müssen direkt aufsteigen. (Foto: Dirk Ellmer)
Die Fans, nicht nur der Altstadt (Bild) sind sich einig: Die Meister der Regionalligen müssen direkt aufsteigen. (Foto: Dirk Ellmer)
Die Fans, nicht nur der Altstadt (Bild) sind sich einig: Die Meister der Regionalligen müssen direkt aufsteigen. (Foto: Dirk Ellmer)

Die angestrebte Regionalliga-Reform mit Reduzierung der Zahl der Staffeln von fünf auf vier und dem direkten Drittliga-Aufstiegsrecht für alle Meister möglichst schon ab der Saison 2028/29 ist, zumindest vorerst, gescheitert. Das ergab die Abstimmung in den Regionalverbänden über die vorgelegten Vorschläge.

Die Ergebnisse der einzelnen Regionen der zeitgleich durchgeführten Vereins-Abstimmung durch die fünf Träger der Regionalligen West, Südwest, Bayern, Nord und Nordost haben dabei kein einheitliches Bild ergeben. Im Westen (60,9 Prozent), Norden (61,5 Prozent) und Nordosten (76,3 Prozent) favorisierten die Klub-Verantwortlichen das „Kompassmodell“. Im Südwesten erreichte das „Regionenmodell“ die Mehrheit (93,1 Prozent), in Bayern sprachen sich die Abstimmenden mehrheitlich (52,4 Prozent) für die Ausarbeitung neuer Modelle aus.

Mit diesen uneinheitlichen Ergebnissen wurde die Maßgabe nicht erreicht, wonach eine Umsetzung zur Saison 2028/29 nur dann zum Tragen kommt, sollten sich die Vereine aller fünf Regionen in ihren Abtimmungen jeweils für ein- und dasselbe vorgeschlagene Modell entscheiden. Damit ist der Prozess der beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eingesetzten Arbeitsgruppe beendet.

Das „Kompassmodell“ hätte die Reduzierung von fünf auf vier Staffeln, die in jeder Saison aus allen Regionalligisten im Grunde anhand der Entfernungen KI-unterstützt gebildet werden bedeutet. Das „Regionenmodell“ wäre die Bildung von zwei Staffeln aus den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern gewesen Die Regionalligen West und Südwest wären in ihrer jetzigen Form bestehen geblieben.

Bei der vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV) für die Regionalliga Bayern organisierten Zusammenkunft im Nürnberger Max-Morlock-Stadion hatten 42 Klub-Verantwortliche aus den drei Spielklassen-Ebenen Dritte Liga, Regionalliga und Bayernliga in Präsenz teilgenommen, 15 schalteten sich online zu. In der namentlich durchgeführten Abstimmung sahen 52,4 Prozent die Notwendigkeit, weitere Lösungsmodelle zu erarbeiten, 45,2 Prozent votierten für das „Kompassmodell“, 2,4 Prozent entfielen auf das „Regionenmodell“.

Lorenz Röthlingshöfer, der Geschäftsführer der SpVgg Bayreuth, gab zu dem Abstimmungsergebnis eine ausführliche Stellungnahme für die Altstadt ab: „Die SpVgg Bayreuth hat sich bei der Abstimmung zur Regionalliga-Reform am Montag klar für das von der Initiative ,Aufstiegsreform 2025` vorgestellte Kompassmodell mit 20 Vereinen pro Staffel ausgesprochen. Genau diese Variante stand im Bereich des Bayerischen Fußball-Verbands jedoch nicht zur Wahl. Stattdessen wurde in Bayern über eine angepasste Version mit 18 Vereinen pro Staffel abgestimmt. Diesen Ablauf bewerten wir kritisch. Die Abstimmung fand auf Ebene der jeweiligen Regionalverbände statt. Insgesamt beteiligten sich bundesweit 159 Vereine. Das Kompassmodell erhielt mit 81 Stimmen und 50,9 Prozent die meisten Stimmen. Auf das Regionenmodell entfielen 37 Stimmen beziehungsweise 23,3 Prozent. Für die Ausarbeitung neuer Modelle stimmten 34 Vereine und damit 21,4 Prozent. Der Status quo erhielt lediglich 7 Stimmen, was 4,4 Prozent entspricht.

Das Ergebnis zeigt: Eine Mehrheit der Vereine spricht sich für eine Veränderung der bestehenden Regionalliga-Struktur aus. Der aktuelle Zustand, bei dem Regionalliga-Meister nicht automatisch aufsteigen, ist für viele Vereine nicht länger tragbar. Wir setzen uns seit Monaten im Rahmen der Initiative ,Aufstiegsreform 2025` für eine Reform der Regionalligen ein. Ziel bleibt eine Lösung, bei der sportliche Leistung konsequent belohnt wird und die Meister der Regionalligen direkt in die 3. Liga aufsteigen können. Das ursprünglich vorgestellte Kompassmodell sah vier Regionalligen mit jeweils 20 Vereinen vor. Dieses Modell war aus unserer Sicht ein tragfähiger Kompromiss, weil es sportliche Fairness, wirtschaftliche Planbarkeit und regionale Breite miteinander verbunden hätte. Wenige Tage vor der Abstimmung wurde den Vereinen jedoch mitgeteilt, dass in Bayern nicht über diese Variante, sondern über ein Modell mit 18 Vereinen pro Staffel abgestimmt werden soll. Diese Veränderung erfolgte aus unserer Wahrnehmung ohne ausreichende Rücksprache mit der Initiative und den betroffenen Vereinen. Dadurch hat sich die Grundlage der Entscheidungsfindung erheblich verändert. Besonders kritisch sehen wir, dass im Bereich des Bayerischen Fußball-Verbands nicht ausreichend über die Variante mit 20 Vereinen pro Staffel gesprochen werden konnte. Die Argumente für eine 20er-Liga wurden aus unserer Sicht nicht in der notwendigen Tiefe gehört und berücksichtigt. Dabei liegen die Vorteile einer 20er-Liga auf der Hand: Sie würde wirtschaftlich bessere Rahmenbedingungen schaffen, weil zusätzliche Heimspiele mehr Planungssicherheit, höhere Zuschauereinnahmen, zusätzliche Spieltagsumsätze und bessere Vermarktungsmöglichkeiten ermöglichen. Gleichzeitig könnten mehr bayerische Vereine dauerhaft Teil der Regionalliga bleiben. Eine Reform darf deshalb nicht ausschließlich unter strukturellen oder verwaltungstechnischen Gesichtspunkten betrachtet werden, sondern muss auch die sportliche und wirtschaftliche Realität der Vereine berücksichtigen.

Aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen wollten wir uns bei der Abstimmung enthalten. Eine Enthaltung wurde vom Bayerischen Fußball-Verband jedoch nicht zugelassen. Gerade bei einer so grundlegenden Entscheidung hätten wir uns mehr Transparenz, mehr Einbindung und die Möglichkeit einer Enthaltung gewünscht. Wir bedauern, dass unter diesen Voraussetzungen aus unserer Sicht keine solide Grundlage für eine sachgerechte Abstimmung gegeben war. Wenn zentrale Bestandteile eines Modells wenige Tage vor der Entscheidung verändert werden, die ursprünglich vorgestellte Variante nicht gewählt werden kann und wesentliche Argumente nicht ausreichend diskutiert werden, ist ein belastbares Ergebnis nur schwer möglich.

Für uns bleibt entscheidend: Der aktuelle Status quo ist nicht zufriedenstellend. Der deutsche Fußball braucht eine faire, transparente und zukunftsfähige Regionalliga-Struktur. Sportliche Leistung muss honoriert werden, die Interessen der Vereine müssen ernst genommen werden und eine Reform darf nicht an kurzfristigen Änderungen, fehlender Rücksprache oder unterschiedlichen regionalen Interessen scheitern. Wir werden uns deshalb auch weiterhin für eine gerechte und nachhaltige Lösung einsetzen, die den Vereinen Planungssicherheit gibt und den sportlichen Wettbewerb wieder in den Mittelpunkt stellt”, so der Geschäftsführer der Altstadt.


Von Roland Schmidt
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