Einen Einbruch bei den Automobilzulieferern, dafür ein ordentliches Plus etwa im Logistiksektor, bei den Textil- oder Papierherstellern, den Energieversorgern und den Finanzdienstleistern - so die aktuelle Entwicklung bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen der Mitgliedsbetriebe der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Zum 31. Juli lag die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverträge bei der IHK für Oberfranken Bayreuth mit 1.940 gegenüber dem Vorjahr leicht im Plus - 32 Neueinträge mehr als im Vorjahr, aber 315 weniger als 2024. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass die Entwicklung regional und bei den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich verläuft.
Drei Entwicklungen machen den Unternehmen dabei das Leben schwer: Zum einen der schleppende Konjunkturverlauf, der sich in Teilbereichen zu einer Strukturkrise entwickelt hat. Zum zweiten die Entwicklung, dass sich Schulabgängerinnen und Schulabgänger immer später bewerben, was den Unternehmen die Planungen erheblich erschwert. Und zum Dritten die demografische Entwicklung: Auf jeden Berufseinsteiger kommen zwei Personen, die sich in den Ruhestand verabschieden. „Deshalb brauchen die Unternehmen - den herausfordernden Rahmenbedingungen zum Trotz - mehr denn je Fachkräftenachwuchs”, sagt Dr. Michael Waasner Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Den Unternehmen geht der Nachwuchs aus
„Ginge es nach den Unternehmen, würden diese gerne noch viel mehr Auszubildende einstellen”, macht Dr. Waasner deutlich. „Über 3.000 unbesetzte Ausbildungsplätze bei schwacher Konjunktur, das zeigt: Unseren Betrieben fehlt nicht der Wille auszubilden, ihnen fehlt der Nachwuchs!”
Mit Ausbildung hohe Arbeitsplatzsicherheit
Der IHK-Präsident macht aber auch deutlich: „Eine Ausbildung ist kein Rückfallplan für schwächere Schülerinnen und Schüler. Sie ist der direkte Weg in ein sicheres Arbeitsverhältnis mit einem Lebensarbeitseinkommen auf dem Niveau von Hochschulabsolventinnen und -absolventen, vor allem bei anschließender Weiterbildung”
Industrie bildet weniger aus
Bricht man die IHK-Zahlen auf die Branchen herunter, gibt es oft starke Schwankungen von Jahr zu Jahr. „Um diesen Zufällen etwas entgegenzuwirken, erfolgt in der nachfolgenden Analyse immer ein Vergleich der aktuellen Zahlen 2026 mit dem Mittelwert der Ausbildungszahlen 2024 und 2025”, erläutert IHK-Pressesprecher Peter Belina.
Ein Blick auf die drei Hauptgruppen Dienstleistungen, Handel/Tourismus und Industrie zeigt, dass die Entwicklung in den ersten beiden Gruppen stabil geblieben ist, während die Industrie bis zum 31. Juli rund 13 Prozent weniger Auszubildende eingestellt hat als im Schnitt der beiden Vorjahre.
Hier zeigt sich sehr deutlich, dass natürlich ein Zusammenhang besteht zwischen der wirtschaftlichen Lage einer Branche und den neu unterzeichneten Ausbildungsverträgen. Gerade die Automobilzulieferer - wichtigster Arbeitgeber Oberfrankens - verzeichnen einen spürbaren Rückgang bei den Neueintragungen. Der Einbruch erfolgte vor allem von 2024 auf 2025. Bei den 20 größten Ausbildungsbetrieben im Automotive-Sektor stürzte die Zahl der Auszubildenden regelrecht ab, das Minus betrug 43 Prozent - besonders groß war der Rückgang von 2024 auf 2025. „Ganz wichtig in diesem Zusammenhang: Es sind knapp zwei Handvoll Unternehmen, die einen derart radikalen Schnitt vornehmen mussten”, macht Belina deutlich. „Die restlichen Automobilzulieferer verzeichnen eine stabile, allenfalls leicht negative Entwicklung.”
Branchenspezifische Unterschiede bei der Entwicklung
Wirft man einen Blick auf alle Branchen mit mindesten 20 Neueintragungen im aktuellen Jahr, fallen vier Branchen auf mit einem deutlichen Rückgang und weitere acht mit einem beachtlichen Zuwachs auf.
Um 51 Prozent auf 20 ging die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse bei den Herstellern von chemischen Erzeugnissen zurück. Knapp 40 Prozent auf 52 Neueintragungen betrug der Rückgang bei den unternehmensnahen Dienstleistungen. Jeweils rund ein Viertel betrug der Rückgang bei den Herstellern im Bereich Datenverarbeitung, Optik, Elektro (z.B. Unterhaltungselektronik, Optik oder elektromedizinische Geräte) sowie dem Maschinenbau.
Bei den unternehmensnahen Dienstleistungen sind - so die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit - noch etwa ein Viertel der angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt, bei den anderen Ausbildungsberufen jeweils noch rund ein Drittel.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch Branchen mit einem spürbaren Zuwachs an Neuverträgen, etwa im Logistiksektor (Lagerei +18 Prozent auf 86 und Landverkehr +69 Prozent auf 21). Dienstleistungen für Unternehmen und Privatpersonen (z.B. Call Center, Messe- und Kongressveranstalter oder Inkassobüros) legen um ein Viertel zu, Textilhersteller, Energieversorger, Finanzdienstleister und Papierhersteller (einschließlich Kartons und Pappe) um 10 Prozent oder mehr.
Zum 31. Juli waren rund 40 Prozent aller Ausbildungsplätze im Logistik- und Textilsektor unbesetzt, bei den Papierherstellern sogar drei von vier angebotenen Ausbildungsplätzen.
Die meisten Neueintragungen verzeichnet übrigens der Einzelhandel mit 371, gefolgt vom Gastgewerbe (181), den Automobilzulieferern (ca. 170) den Finanzdienstleistungen (110) und dem Großhandel (108).
„Die meisten der Unternehmen, die noch Auszubildende suchen, stellen auch noch nach dem Beginn des Ausbildungsjahres zum 1. September ein”, macht Dr. Waasner deutlich. „Wer noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist - Bewerbungen lohnen sich auf jeden Fall noch”.