Genau wie vor einem Jahr beginnt die Saison in der Handball-Regionalliga Bayern der Männer für HaSpo Bayreuth mit drei Heimspielen in Folge. Das erste davon steht am heutigen Samstag, 19. September, auf dem Programm, wenn um 19.30 Uhr der HBC Nürnberg im Schulzentrum Ost zu Gast ist.
In den drei bisherigen Spielzeiten seit dem unglücklichen Abstieg aus der 3. Liga sind die Bayreuther nach einem dritten Platz zuletzt zweimal in Folge als Vizemeister ins Ziel gekommen. Bei der Formulierung eines Saisonziels bleibt folglich nicht viel Spielraum: „Tatsächlich haben wir die Mannschaft noch gar nicht danach gefragt“, sagt Trainer Mathias Bracher. „Aber alles andere, als zu sagen, dass wir wieder unter die ersten Drei kommen wollen, wäre schon recht unglaubwürdig.“
Andererseits erscheint der Aufstieg als Ziel etwas vermessen, weil sich einmal mehr ein klarer Favorit mit ganz anderen Ambitionen und Möglichkeiten abzeichnet. Nach TG Landshut, TV Erlangen-Bruck und zuletzt der SG Regensburg gilt das diesmal vielleicht sogar mehr denn je für die neu formierte HG München-Fürstenfeldbruck („Münchner Panther“), die auf der Basis des Drittliga-Absteigers TuS Fürstenfeldbruck mit den Ex-Nationalspielern Dominik Klein und Steffen Weinhold als Vorstandsduo das Fernziel ausgegeben hat, den Handballsport in München auf Bundesliga-Niveau zu heben. Vor allem die Verpflichtung des Linkshänders Lucas Krzikalla vom SC DHfK Leipzig mit der Erfahrung aus 227 Erstligaspielen (434 Tore!) hat deutlich gemacht, dass der erste Schritt auf diesem Weg schon in dieser Saison gelingen soll. „Ähnlich wie im Vorjahr mit Regensburg wird man sehen müssen, inwieweit man gegen so viel Kohle ankommen kann“, sagt Bracher. „Aber man muss auch abwarten, wie gut sich diese neue Mannschaft zusammenfindet.“
Ein wenig trifft das aber auch auf das eigene Team des HaSpo-Trainers zu, das mit den Neuzugängen Timon Hübner (HC Erlangen II), Clemens Maeser (SG LVB Leipzig) und Philip Eßlinger (TSV Ottobeuren) sowie der Genesung des lange verletzten Nico Brückner vor allem im zuvor dünn besetzten Rückraum deutlich verstärkt wirkt. Auch in dieser Hinsicht mahnt Bracher zum Abwarten: „Wir dürfen nicht denken, dass insbesondere mit Timon und Nico jetzt alles automatisch läuft, und womöglich die Verantwortung auf sie abwälzen. Jeder Einzelne muss weiterhin so viel Einsatz einbringen wie unter den oft schwierigen Bedingungen der vergangenen Saison.“
Andererseits freut sich der Coach auf die Variationsmöglichkeiten mit dem ungewohnt großen Kader, der bei vollständiger Verfügbarkeit sogar den einen oder anderen Spieler zum Aussetzen zwingen würde: „Ich glaube, diese Situation hatte ich schon einmal in meinem ersten Jahr in Bayreuth, aber das ist ja ewig her“, sagt Bracher schmunzelnd. „Jetzt können wir uns viel mehr mit den Fragen befassen, wer zu wem am besten passt, oder wer gerade für die aktuelle Spielsituation der richtige ist. Wir können viel wechseln und damit auch viel Tempo machen. Das alles macht es für uns an der Seitenlinie noch spannender.“
Was unter diesen Vorzeichen tatsächlich von der Saison zu erwarten ist, glaubt Bracher Mitte November sagen zu können: „Nach den drei Heimspielen folgen nacheinander die Duelle mit den Spitzenteams Landshut, Günzburg, HT München und München-Fürstenfeldbruck. Wenn wir nach diesen Spielen Tabellenführer sind, können wir ernsthaft sagen, wir wollen aufsteigen. Wenn wir aber schon vier Minuspunkte haben, wird es erst mal darum gehen, möglichst lange oben dran zu bleiben.“
HBC Nürnberg kommt mit Torschützenkönig
Der erste HaSpo-Gast muss in Bayreuth als Außenseiter gelten, denn die vergangene Saison hat der HBC Nürnberg mit 19:33 Punkten als Tabellenelfter mit nur vier Zählern Abstand zum ersten Abstiegsplatz abgeschlossen. Das war allerdings schon ein großer Fortschritt, denn beim ersten Regionalliga-Gastspiel in der Saison 23/24 hatte der damalige Neuling als Schlusslicht mit 4:48 Punkten noch überhaupt keine Chancen auf den Klassenerhalt gehabt. Der sofortige Wiederaufstieg als Meister der Oberliga Nord gelang dann auch nur knapp mit einem Punkt Vorsprung vor dem ASV Cham. Auf jeder dieser Stationen hatte sich schon Tiago Couto den Ruf des herausragenden Torjägers erworben, und den unterstrich er nun beim Klassenerhalt in der vergangenen Saison mehr denn je. Mit 217 Treffern (davon 66 Siebenmeter) in den 26 Spielen (8,35 pro Spiel) hatte der portugiesische Rückraumspieler am Ende als Torschützenkönig der Liga einen riesigen Vorsprung von 46 Toren gegenüber dem Zweitplatzierten. Trainersohn Maximilian Mittag folgte als zweiter Nürnberger mit 70 Treffern erst auf Rang 46.
Trotz dieser ungewöhnlichen Sonderstellung eines Spielers will Bracher seine Taktik nicht zu stark auf den Torjäger ausrichten: „Mit einer Sonderbewachung macht man sich auch das eigene Abwehrsystem kaputt. Es war ja auch in den bisherigen Spielen nicht so, dass Couto gegen uns 15 Tore oder so erzielt hätte.“ Dennoch ist der HaSpo-Trainer weit davon entfernt, den Auftaktgegner zu unterschätzen: „Die Nürnberger sind jetzt schon seit Jahren eingespielt und haben auch gezeigt, dass sie mit unserer offensiven Deckung ganz gut umgehen können.“ Als Mahnung könne der recht mühsame 29:26-Heimsieg aus der Vorsaison dienen: „Da lagen wir lange mit nicht mehr als zwei Toren vorn und mussten bis zum Schluss kämpfen.“