BAYREUTH.150 Jahre nach der Eröffnung des Bayreuther Festspielhauses wird auf dem Grünen Hügel erneut gebaut. Damals ließ Richard Wagner sein Festspielhaus errichten. Nun entsteht unter der Leitung von Katharina Wagner ein weiteres Gebäude – das „kleine“ Festspielhaus.
Inzwischen wurde auf den errichteten Fundamenten die Vorrichtungen für ein großes Zelt aufgebaut. Es handelt sich um einen sogenannten „Fliegenden Bau“, also um eine temporäre Anlage – in größeren Dimension.
Die Fundamente wirken für eine nur wenige Wochen genutzte Spielstätte ungewöhnlich massiv. Nach Angaben der Bayreuther Festspiele soll das „Kleine Festspielhaus“ Platz für bis zu 199 Besucher bieten.
Heinz-Dieter Sense, übergangsweise kaufmännischer Geschäftsführer der Bayreuther Festspiele, erklärte auf Anfrage dieser Redaktion, dass die neue Spielstätte künftig für die Kinderoper und die Education-Programme genutzt werden solle. Ziel sei es, die Jugendarbeit der Festspiele stärker in der Stadt sichtbar zu machen. Bislang seien diese Angebote vor allem auf der Probebühne auf dem Festspielhügel untergebracht gewesen.
Die technische Ausstattung des „kleinen“ Festspielhauses entspreche einer Kleinbühne mit Licht-, Ton- und Bühnentechnik, sodass die Kinderoper dort ohne Einschränkungen aufgeführt werden könne.
Besonders im Fokus steht eine kindgerechte Fassung des kompletten „Ring des Nibelungen“. Damit wollen die Festspiele gezielt junges Publikum an Richard Wagner heranführen. Geplant sind zudem Formate für Kindergärten, Schulen und Familien – darunter Sitzkissenkonzerte, Comic-Workshops und sogar ein „Rheingold“-Escape-Room.
Geplant ist eine Nutzung von Mitte Juni bis zum Ende der Festspiele einschließlich der Proben. Danach soll die Anlage wieder zurückgebaut werden.
Zu den Kosten machten die Festspiele keine Angaben. Das Projekt werde durch Sponsoren und Spenden finanziert. Verwunderlich ist auch die offenbar geplante Containerlösungen im Sanitärbereich, zumal sich in unmittelbarer Nähe das vergleichsweise neue und komfortabel ausgestattete Toilettengebäude befindet, dessen Baukosten seinerzeit internsiv öffentlich diskutiert wurden.
Im Zusammenhang mit dem Vorhaben war zuvor auch von einem längeren Genehmigungsverfahren die Rede gewesen. Der frühere Oberbürgermeister Thomas Ebersberger erklärte dazu auf Anfrage unserer Redaktion, dass „Fliegende Bauten“ grundsätzlich keiner klassischen Baugenehmigung unterlägen. Seitens der Stadt habe es deshalb keine grundsätzlichen Bedenken gegeben.
uch historische Gründe hätten nicht gegen den Standort gesprochen. Nach Erinnerung Ebersbergers befanden sich dort früher Kastanienbäume sowie Scheunen, die von den Festspielen als Lagerflächen genutzt wurden.
Vor der Inbetriebnahme soll die Nachbarschaft im Rahmen eines Tages der offenen Tür über die Nutzung und die zeitliche Inanspruchnahme informiert werden.