BAYREUTH.Deutschland hat bei der Digitalisierung der Verwaltung Aufholbedarf. Über viele Jahre hinweg wurde hier zu wenig Tempo gemacht. Gleichzeitig gilt aber auch: Wir sind auf dem richtigen Weg. In den vergangenen Jahren hat sich viel getan, und wir kommen voran.
In Bayern gibt es beispielsweise bereits die Bayern-App, die einen mobilen Zugang zu staatlichen und kommunalen Verwaltungsleistungen bietet. Sofern die zuständige Behörde einen Online-Antrag bereitstellt, kann dieser direkt aus der App heraus gestartet werden. Zusätzlich ermöglicht die App den Zugang zum persönlichen BayernID-Postfach, über das Bürgerinnen und Bürger sicher und verschlüsselt Nachrichten von Behörden empfangen können. Verwaltung wird damit einfacher und vor allem alltagstauglicher.
Eine App für alles? Die digitale Brieftasche als Schlüsselprojek
An dieser Stelle ist bereits einiges in Bewegung. Die Bundesregierung arbeitet derzeit an der European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet), einer staatlichen digitalen Brieftasche, mit der sich Bürgerinnen und Bürger künftig EU-weit digital ausweisen können.
Über die Wallet soll es möglich sein, nicht nur die eigene Identität elektronisch nachzuweisen, sondern auch weitere Dokumente wie den Führerschein, Bildungs- und Gesundheitsnachweise, Meldebescheinigungen oder Reisedokumente sicher zu hinterlegen und zu verwalten.
Bei Bedarf können diese Nachweise digital an Dritte, etwa Behörden oder Banken, übermittelt werden. Die Wallet schafft damit einen einheitlichen Zugang zu digitalen Angeboten sowohl der öffentlichen Verwaltung als auch der Privatwirtschaft. Als Starttermin ist der 2. Januar 2027 vorgesehen.
In einem ersten Schritt sollen Personalausweis, Führerschein, Fahrzeugschein und Versicherungskarte digital verfügbar sein. Weitere Dokumente sollen anschließend quartalsweise folgen – selbstverständlich unter Einhaltung höchster Sicherheitsstandards.
Dies steht im Einklang mit dem klaren Bekenntnis zum Ziel einer vollständig digitalisierten Verwaltung, das die schwarz-rote Koalition ausdrücklich im Koalitionsvertrag festgehalten hat.
Blick nach Europa: Warum andere Länder weiter sind
Vor allem in den nordeuropäischen Ländern – etwa Finnland, Dänemark oder den Niederlanden – ist die Digitalisierung der Verwaltung deutlich weiter vorangeschritten. Besonders häufig wird auch Estland als Vorbild genannt, und das zu Recht: Dort sind nahezu alle Behördengänge online möglich.
Über 90 Prozent der Bevölkerung nutzen digitale Verwaltungsdienste, während es in Deutschland derzeit nur etwas über 60 Prozent sind. Ein entscheidender Grund dafür ist die hohe Benutzerfreundlichkeit der estnischen Systeme.
Vorbildlich ist zudem das sogenannte „Once-Only-Prinzip“: Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen müssen Daten gegenüber der Verwaltung nur einmal angeben. Diese Informationen dürfen anschließend innerhalb der Verwaltung weiterverwendet werden. Das spart Zeit und reduziert Bürokratie. Diese Ansätze werden auch in Deutschland mit Blick auf das Ziel einer vollständig digitalisierten Verwaltung berücksichtigt.
Unterstützung für Kommunen: Der Deutschland-Stack
Ein zentraler Ansatzpunkt zur Unterstützung von Städten und Gemeinden ist der sogenannte „Deutschland-Stack“, der sich derzeit im Aufbau befindet. Dabei handelt es sich um ein Infrastruktur- und Architekturprojekt der Bundesregierung, das die digitale Verwaltung in Deutschland grundlegend modernisieren und vereinheitlichen soll.
Der Deutschland-Stack bildet das technische Fundament für digitale Dienste, Verwaltungsprozesse und Plattformen über alle Ebenen hinweg – also Bund, Länder und Kommunen. Ziel ist es, föderale Insellösungen abzulösen und den bisherigen Flickenteppich einzelner Software- und Datenlösungen zu vereinheitlichen.
Gleichzeitig soll die Interoperabilität sichergestellt werden, also die Fähigkeit der Systeme, reibungslos miteinander zu kommunizieren.
Konkrete Erleichterungen für den Alltag
Ein zentrales Projekt, auf das sich die Menschen in Bayreuth, Oberfranken und ganz Deutschland einstellen können, ist die digitale Brieftasche. Sie wird für Bürgerinnen und Bürger spürbare Erleichterungen im Alltag bringen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Abbau unnötiger Bürokratie. Ziel ist es, dass Daten, die einmal an die Verwaltung übermittelt wurden, nicht mehrfach abgefragt werden müssen – ganz im Sinne des „Once-Only-Prinzips“.
Darüber hinaus sollen Verfahren deutlich kürzer, verständlicher und nutzerfreundlicher werden, unter anderem durch den Einsatz digitaler Werkzeuge und Künstlicher Intelligenz.