BAYREUTH. Die Stadt spart. Veranstaltungen werden gestrichen, freiwillige Leistungen stehen auf dem Prüfstand. Begründet wird dies mit der angespannten Haushaltslage und dem Verweis auf Pflichtaufgaben wie Schulen und Kindergärten. Ausgangspunkt der Diskussion war die vergleichsweise überschaubare Summe von 70.000 Euro für ein Begleitprogramm zum Jubiläum 150 Jahre Festspiele.
Die Stadt streicht Veranstaltungen und verweist auf leere Kassen. Gleichzeitig bleiben jedoch im Kulturreferat kostspielige Personalfragen offen.
Seit Anfang Mai ist Kulturreferentin Eva Bär widerruflich freigestellt. Eine Entscheidung über ihre Zukunft steht weiterhin aus. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens laufen die Personalkosten weiter.
Referentenstellen dieser Größenordnung zählen im kommunalen Bereich zu den herausgehobenen Führungspositionen. Sie verbinden Verwaltungsverantwortung, Personalführung und politische Gestaltungsmöglichkeiten. Vergleichbare Stellen bewegen sich je nach Kommune und Besoldungsgruppe in einem Vergütungsbereich von etwa 75.000 bis 95.000 Euro jährlich oder darüber.
Das Kulturreferat ist kein kleines Amt. Zum Verantwortungsbereich gehören unter anderem das Kulturamt, die Wirtschaftsförderung, das Friedrichsforum, die Stadtbibliothek, die Volkshochschule, die Musikschule, mehrere Museen und das Stadtarchiv.
Auch eine zweite Personalie wirft Fragen auf. Projektkoordinator Florian André Unterburger bleibt weiterhin im Amt. Seine Vergütung ist öffentlich nicht bekannt. Bekannt ist jedoch, dass sein Vertrag befristet ist.
Gerade weil Veranstaltungen reduziert oder vollständig gestrichen werden, stellt sich die Frage nach dem aktuellen Aufgabenprofil dieser Stelle. Welche Projekte koordiniert Unterburger derzeit? Welche Aufgaben übernimmt er über die Veranstaltungsorganisation hinaus? Welche Ziele verfolgt die Stadt mit der Stelle in den kommenden Monaten?
Diese Fragen richten sich ausdrücklich nicht gegen eine Person. Sie ergeben sich aus der Sparpolitik der Stadt selbst. Wer Leistungen kürzt und Ausgabeüberprüft, wird sich zwangsläufig auch Fragen zu Personalstrukturen und Gehältern stellen lassen müssen.
Hinzu kommt, dass Unterburger zugleich Mitglied des Bayreuther Stadtrats ist. Auch deshalb dürfte ein hohes Maß an Transparenz über Zuständigkeiten, Aufgaben und Zielsetzungen im öffentlichen Interesse liegen.
Wenn freiwillige Ausgaben auf den Prüfstand gestellt werden, sollte dieser Maßstab konsequent gelten. Nicht nur Programme und Veranstaltungen, sondern auch Organisationsstrukturen und Personalentscheidungen müssen dann nachvollziehbar begründet werden.
Übergangslösung
Oberbürgermeister Andreas Zippel hat angekündigt, das Kulturreferat zunächst kommissarisch selbst führen zu wollen. Angesichts der Vielzahl an Aufgaben stellt sich die Frage, wie lange ein Stadtoberhaupt ein derart umfangreiches Referat zusätzlich zu seinen eigentlichen Verpflichtungen betreuen kann. Wie schwierig personelle Übergänge sind, zeigt beispielsweise das Kunstmuseum. Die langjährige Leiterin Marina von Assel wurde bereits im Januar 2024 in den Ruhestand verabschiedet. Die damals als Übergang für ein Jahr gedachte Interimslösung dauert weiterhin an.
Wie organisiert die Stadt künftig also ihre Kultur – und welche Strukturen sind dafür notwendig?