Lokalnachrichten in Bayreuth: Einst Stipendiatin, jetzt Brünnhilde

BAYREUTH. Der große Auftritt von Daniela Köhler als Brünnhilde auf der Festspielhausbühne war bereits für 2020 geplant. Bekanntlich sind die Festspiele coronabedingt ausgefallen, die Neuproduktion des „Ring des Nibelungen“ in der Inszenierung von Valentin Schwarz wurde auf heuer verschoben. Einst Stipendiatin der Richard-Wagner-Stipendienstiftung, steht Daniela Köhler am Mittwoch, 03. August, vor dem Bayreuth-Debüt in einer großen Wagner-Oper.

Wie kam es zum Berufswunsch Opernsängerin?
Daniela Köhler: Der Gedanke reifte langsam. Ich habe in Kinderchören gesungen und Klarinettenunterricht erhalten. Irgendwann schwand mein Interesse für die Klarinette. Der Klarinettenlehrer schlug mir vor, Gesangsunterricht zu nehmen. Den Beruf einer Sängerin auszuüben, daran habe ich zunächst nicht gedacht. Musik und Gesang haben mir jedoch schon immer viel gegeben. Wenn man auf dem Land aufwächst und im Chor mitwirkt, ist es eher sakraler Gesang oder Kinderchorliteratur. Meine spätere Gesangslehrerin hat mich an die Klassik herangeführt. Als ich in Karlsruhe an der Opernschule der Hochschule für Musik studierte, wurde ich vom Richard-Wagner-Verband Baden-Baden/Pforzheim für eines von zwei Stipendien ausgewählt.

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Wie war die erste Berührung mit den Bayreuther Festspielen?
Daniela Köhler: Die Einladung nach Bayreuth war sehr aufregend. Ich wusste, ich treffe die Stars im Wagner-Fach, bin bei großartigen Inszenierungen dabei und erlebe die besten
Dirigenten hautnah. Solche Begegnungen sind nicht nur für Stipendiaten spannend. Wir durften die „Parsifal“-Inszenierung von Christoph Schlingensief, mit Alfons Ebertz in der Titelrolle, besuchen. Seine gesangliche Leistung hat mich beeindruckt. Am nächsten Tag konnten wir Stipendiaten diesen Heldentenor persönlich treffen – das war für uns ein hochemotionales und beeindruckendes Erlebnis.

Wo liegt der Unterschied zwischen Wagner- und anderen Partien?
Daniela Köhler: Alle Partien, die ich interpretiere, erfüllen mich total, aber Wagner zu singen, erfüllt mich in besonderem Maße. Wenn die Töne „in mir sind“ und wenn Stimme und Partie übereingehen, „funktioniert“ es und ich merke erst nach den langen Vorstellungstagen, wie viel Kraft ich investiert habe.

Gibt es einen Unterschied zwischen Bayreuth und anderen Opernhäusern?
Daniela Köhler: Schon während meines Stipendienaufenthaltes dachte ich, es wäre das Allergrößte, auf der Bühne des Festspielhauses singen zu dürfen. 2017 hatte ich ein erstes Vorsingen, das scheinbar Interesse weckte. Mir war es wichtig, in Bayreuth singen zu dürfen. Bis heute ist der Aufenthalt hier etwas Besonderes. 2018 habe ich in der Kinder-oper mitgewirkt, war im gleichen Jahr Probencover als Sieglinde in der „Walküre“ und habe die Partie auch bei der Generalprobe gesungen. Mein erster Auftritt zusammen mit dem Orchester auf dieser Bühne. Es war überwältigend. Also: Ja, es ist hier anders als in anderen Häusern und ich komme sehr gerne hierher.

Was kommt nach Brünnhilde?
Daniela Köhler: Nach Brünnhilde ist vor Brünnhilde. Aber im Ernst: Ich bin noch neu in dem Fach. So etwas muss auch wachsen. Ich möchte nicht nur Brünnhilde in „Siegfried“ singen, sondern auch die Brünnhilde-Partien in „Die Walküre“ und „Götterdämmerung“. Mein erklärtes Ziel ist es, die drei Brünnhilde-Rollen in einem „Ring“ zu singen, aber natürlich braucht das seine Zeit und muss seriös erarbeitet und gefestigt werden.

Wirken sich manche Kostüme auf die gesangliche Leistung aus?
Daniela Köhler: Die Arbeit der Kostümabteilung ist wichtig. Man kann sich in allem wohlfühlen, wenn es gut gemacht ist. Gute Gewandmeister, Ausstatter und Kostümbildner wissen worauf es ankommt. In Bayreuth sind alle
super. Man hat nie das Gefühl, nicht genügend bedeckt zu sein oder nur schwer atmen zu können. Hier wird mit Bedacht de-signt und es gibt immer die Nachfragen. Die Bayreuth-Kostüme in Inszenierung und Ausstattung sind visionär und es wird darauf geachtet, dass sich Künstler wohlfühlen und der Gesang
unterstützt wird.

Interview Gabriele Munzert