medi bayreuth – Seiferth: “Es gibt wichtigere Dinge als Basketball”

BAYREUTH. Der Spielbetrieb in der Basketball-Bundesliga ruht bis auf Weiteres, auch europäisch wird nicht gespielt. Dazu ist aktuell auch noch die Oberfrankenhalle von der Stadt gesperrt worden. Auch die medi-Profis haben also im Moment viel Zeit, viele sind bereits auf dem Weg zurück in die USA. Wir haben uns exklusiv mit Center Andreas Seiferth unterhalten und erfahren, was er so macht und wie er denkt, dass es weiter geht die nächsten Wochen und Monate.

Servus Andi. Wie vertreibst du dir aktuell die Zeit?
Man hat aktuell natürlich ungewollt viel Zeit, trotzdem bleibst du als Profi natürlich im Sportmodus, das kann ich jetzt auch nicht so schnell ausschalten. Es gibt aktuell noch keine Ausgangssperre, deswegen war ich noch in Parks, habe draußen Ausdauer- und Krafttraining gemacht, zum Teil auch unter Anleitung. Jetzt müssen wir sehen, wie es sich die nächsten Tage verhält. Ansonsten hast du aktuell natürlich Zeit für andere Sachen, die du sonst etwas aufschiebst. Ich entdecke auch ein paar neue Felder.

Gibt es für euch Spieler einen konkreten Trainingsplan vom Verein?
Bisher war alles etwas unübersichtlich, es gab zunächst keine genauen Ansagen von der Liga. Die Lage ist schwierig, was das Basketballtraining angeht, weil die Oberfrankenhalle auch gesperrt wurde. Deswegen hält man sich selbst fit und macht ein paar Sachen.

Gibt es eine Alternative zur Oberfrankenhalle?
Das weiß ich nicht, wie realistisch andere Lösungen sind. Ich denke auch, dass es darauf herausläuft, dass du in den nächsten Wochen ohnehin wenig Bewegung hast durch die Ausgangssperre, die in meinen Augen kommen wird. In anderen Ländern war das auch der nächste Schritt, deswegen erwarte ich auch, dass es bei uns so kommt. Aber natürlich gibt es im Moment wichtigere Sachen als Basketball.

In manchen Vereinen wurde sich zumindest in kleinen Gruppen getroffen. War das bei euch auch der Fall?
Wir haben nicht zusammen trainiert. Bei den Vereinen, bei den das so war, gab es die Möglichkeit einer eigenen Halle. Bei uns gehört die Halle der Stadt und es war nicht möglich reinzugehen.

Habt ihr als Spieler erwartet, dass alles so plötzlich auf Null geschraubt wird?
Man hätte es wahrscheinlich irgendwie kommen sehen können. Aber dadurch, dass das Virus Deutschland erst relativ spät erreicht hat, war es lange nicht greifbar. In wenigen Tagen wurden dann fast alle Ligen auf der Welt unterbrochen. Seitdem wurde das einem natürlich bewusst, was es für ein Ausmaß hat. Ich bin auch ständig am Handy und schaue, wie die Entwicklungen sind.

Denkst du, dass diese Saison noch weitergespielt werden kann?
Ich kann es mir generell wenig vorstellen, dass die Saison wirklich zu Ende gespielt werden kann. Weil die Gefahr einer Infektion auch in einigen Wochen noch da ist. Sollte man spielen können, werden es wohl Geisterspiele sein und das ist beim Basketball mit den Geldern dann auch nicht so einfach. Im Großen und Ganzen kann ich mir deswegen nicht vorstellen, dass die Spielzeit normal zu Ende gebracht werden kann.

Findest du, die Liga wartet zu lange mit einer klaren Entscheidung?
Es war gut von der Liga zu warten, wie sich die Lage entwickelt, bevor man direkt sagt, dass es nicht weitergehen kann. Aber ich sehe aktuell keine Möglichkeit, wie es funktionieren sollte. Sollten wir wieder spielen und es tritt ein Coronafall in der Mannschaft auf, dann muss das ganze Team zwei Wochen pausieren. Ich denke, wir müssen jetzt einfach Zeit verstreichen lassen, bis die Welle über uns gerollt ist.

Kommen wir aber auch noch zum Sportlichen. Bisher ist es eine Saison mit Höhen und Tiefen. Wie fällt dein Fazit bis hierhin aus?
Für mich war es bisher die ereignisreichste Saison meiner Karriere. Ich bin nach meiner Schulterverletzung verspätet gestartet, hatte dann einen sehr guten Einstieg. Bis zur Pause hatten wir dann einen guten Rhythmus. Dann gab es natürlich die Situation mit James Woodard und die Verletzung von Joanic Grüttner Bacoul, beide haben uns natürlich gefehlt. Wir waren dann nur acht Mann beim Training, dadurch haben wir etwas den Rhythmus verloren. Jetzt hatten wir gerade einen versöhnlichen Abschluss mit dem Erreichen des Halbfinals im Europe Cup. Ich hatte auch das Gefühl, dass wir jetzt in Rollen kommen könnten. Deswegen ist es natürlich sehr bitter, so wie es jetzt gelaufen ist. Insgesamt muss man schon sagen, dass wir unter den schwierigen Umständen ganz gute Sachen umgesetzt haben.

Noch kurz zu dir: Dein Vertrag läuft im Sommer aus. Gab es schon Gespräche mit dem Verein bezüglich deiner Zukunft?
Die gab es schon, aber aufgrund der aktuellen Situation wurden sie auf Eis gelegt. Ich warte jetzt, bin vom Typ auch keiner, der sich verrückt macht. Ich weiß, ich habe eine ordentliche Saison gespielt und der Sport wird irgendwann weiter gehen, wie und wann auch immer.

Bisher bist du ja auch wegen deines Studiums in Bayreuth geblieben. Wie sieht es damit aus?
Ich habe jetzt die Bachelorarbeit vor der Brust und kann die freie Zeit ganz gut dafür nutzen. Es war von Anfang an so gedacht, dass ich im Sommer mit dem Bachelor fertig sein wollte, um bei meiner Entscheidung bezüglich eines neuen Vereins unabhängig sein kann. Aber das ist jetzt auch kein Argument gegen Bayreuth. Wir müssen nun einfach abwarten, wie sich die Situation entwickelt.

Interview: Mirko Strässer