Kostenexplosion bei Sanierung von Schloss Thiergarten

BAYREUTH. Das Nebengebäude von Schloss Thiergarten in Bayreuths Süden wird derzeit saniert. Die Kosten steigen wohl von 375.000 Euro auf 875.000 Euro.

Woran liegt es? Im Bauausschuss am Dienstag (20. September 2022) erstatte Baureferentin Urte Kelm Bericht. Die Mitglieder lauschten erst gespannt, resignierten dann – und stimmten schließlich über die weitere Sanierung ab.

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Schloss Thiergarten in Bayreuth: Nebengebäude wird deutlich teurer

Eigentlich sollte der Punkt Schloss Thiergarten im nichtöffentlichen Teil des Bauausschusses am Dienstag behandelt werden. Georg Kämpf beantragte eine Vorverlegung in den öffentlichen Teil. Die Verwaltung ging mit. Das Ergebnis: In Schloss Thiergarten wird weitersaniert – wenn auch mit großem Zähneknirschen. Zum Thema: Der Museumsleiter des Schreibmaschinenmuseums beklagt, im Schloss Thiergarten bald „ab vom Schuss“ zu sein.

Im Haushalt 2022 sind 375.000 Euro für die Sanierung des Nebengebäudes eingestellt worden. Dort soll im Frühjahr 2023 das Schreibmaschinenmuseum ein neues Zuhause finden. Das muss in der Bernecker Straße bekanntlich dem neuen Stadtarchiv weichen. Nun steht die Verwaltung bei rund 875.000 Euro. Bei Schadstoffvoruntersuchungen wurde Asbest gefunden. Aus ursprünglich 22.000 Euro für diesen Posten wurden 175.000 Euro. Die Decke muss stabilisiert werden, Zimmererarbeiten steigen von 160.000 auf 255.000 Euro. Aus der baubegleitenden Statik in Höhe von 4.250 Euro wurden schnell 26.000 Euro. Dazu kommen noch weitere Posten als Folge, die Kelm aufzählte.




Kostensteigerung bei Schloss Thiergarten: Stadtrat „erschüttert“

Dr. Stefan Specht (CSU) sprach wohl von unvermeidlichen Überraschungen, wenn man sich an alte Gemäuer mache. Andreas Zippel (SPD) zeigte sich „erschüttert“ – auch wenn Schloss Thiergarten nicht der Stadt das Genick brechen würde. Andere Bauprojekte seien jedoch deutlich wichtiger. Sein Fraktionskollege Halil Tasdelen hinterfragte, ob ein extra Museum für Schreibmaschinen notwendig sei. Die könne man auch in öffentlichen Gebäuden ausstellen.

Kelm gewährte einen kleinen Einblick in ihr Seelenleben. „Ich will die Freude an meiner Arbeit nicht verlieren, aber das macht tatsächlich keinen Spaß.“ Es stecke „ein gewisser Zwang“ dahinter, damit es beim neuen Stadtarchiv weitergehen kann. Eine Förderung für den Bau, wie hoffnungsvoll angefragt, gebe es nicht, wie Kelm verneinte. Der Bauausschuss beschloss, trotz der Widrigkeiten weiterzubauen – was bleibe auch anderes übrig, so der Tenor. Vier der 13 Mitglieder stimmten allerdings dagegen.

jle