Dieses Bayreuther Museum ist bald „ab vom Schuss“

Auf den ersten Blick etwas unscheinbar und dennoch in Bayreuth fest verankert – das ist das Deutsche Schreibmaschinenmuseum. In den letzten 40 Jahren hatte es sein Zuhause in der Bernecker Straße, nun zieht es um. Seine neue Heimat wird das Museum in einem Nebengebäude von Schloss Thiergarten finden. Das Museum weicht dem Neubau des Bayreuther Stadtarchivs. Einverstanden ist man mit diesem Umzug im Museum nicht.

„Schloss Thiergarten mag ich ein schönes Gebäude sein. Für ein Museum jedoch ungeeignet“, sagt Museumsleiter Günter Pschibl im Gespräch mit der Bayreuther Sonntagszeitung. Er wird sogar noch deutlicher: „Ich stehe auf Kriegsfuß mit dieser Entscheidung.“ Er bezieht sich auf die Entscheidung des Stadtrats vom November 2021. Der hatte den Neubau des Stadtarchivs am Ort des Schreibmaschinenmuseums für 17 Millionen Euro bewilligt. „In Thiergarten sind wir doch ab vom Schuss. Unsere Besucherzahlen waren vorher schon nicht so gut. Wer fährt nun wegen des Museums so weit aus Bayreuth raus?“, fragt er rhetorisch. Auch interessant: Ein anderes Bayreuther Museum hatte wegen Personalmangel mehrere Tage lang geschlossen.

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Das Schreibmaschinenmuseum geht auf die 1930er Jahre zurück. Damals hat das ehemalige „Deutsche Institut für Kurzschrift und Maschinenschreiben“ in Bayreuth die Ausbildung von Fachlehrern aufgenommen. „Eine Ausrichtung des Museums an die breite Bevölkerung ist danach nie geschehen“, beklagt Pschibl. Die Folge: „Wahrscheinlich nicht mal zehn Prozent der Bayreuther Bürger wissen, dass es unser Museum überhaupt gibt“, mutmaßt er. Daran werde sich nach Einschätzung des Museumsleiters nichts ändern, wenn es an den Stadtrand umquartiert werde.

Schreibmaschinenmuseum Bayreuth zieht um

Unumstößlich ist die Entscheidung dennoch. Seit Anfang August verabschiedet sich das Museum bereits von den beiden Baracken und dem Pavillon im Garten der Leers’schen Villa im Stadtteil Insel. Die Barracken sind bereits leergeräumt, die Hinweisschilder für das Museum am Eingang bereits abmontiert. Etwas über 1.000 Exponate sind es, die einmal durch die gesamte Stadt auf die Reise gehen werden. Noch ist es allerdings nicht so weit. Vorher werden die Exponate eingelagert.




Dass der Umzug nicht direkt von der Leers’schen Villa nach Schloss Thiergarten geht, liegt an sich überlappenden Zeitplänen. „Die Räumlichkeiten werden derzeit aufwendig von der Stadt saniert. Die Sanierung soll im Frühjahr kommenden Jahres abgeschlossen sein“, teilt Pressesprecher Joachim Oppold aus dem Bayreuther Rathaus mit. Die Baracken und der Pavillon in der Bernecker Straße werden jedoch bereits im Oktober abgerissen. Dann gehen bereits die Bauarbeiten für das neue Stadtarchiv los. Für Pschibl ist dieses Timing ein Unding. Im Hinblick auf Herbst und Winter spricht er von einem „Museumsteam ohne Museum“. Und: „Bis zum Frühjahr sind wir zur Untätigkeit verdammt.“ An einer prominenteren Stelle in der Bayreuther Innenstadt soll ein anderes Museum entstehen.