Veröffentlicht am 08.05.2024 12:11
Veröffentlicht am 08.05.2024 12:11

Kostenanstieg in Bayreuther Kitas „eingeschlagen wie eine Bombe“

Unter Druck und um Aufklärung bemüht: Sozialreferentin Manuela Brozat, OB Thomas Ebersberger und Dritter Bürgermeister Stefan Schuh äußern sich zum Anstieg der Kitakosten. (Foto: Lenkeit)
Unter Druck und um Aufklärung bemüht: Sozialreferentin Manuela Brozat, OB Thomas Ebersberger und Dritter Bürgermeister Stefan Schuh äußern sich zum Anstieg der Kitakosten. (Foto: Lenkeit)
Unter Druck und um Aufklärung bemüht: Sozialreferentin Manuela Brozat, OB Thomas Ebersberger und Dritter Bürgermeister Stefan Schuh äußern sich zum Anstieg der Kitakosten. (Foto: Lenkeit)
Unter Druck und um Aufklärung bemüht: Sozialreferentin Manuela Brozat, OB Thomas Ebersberger und Dritter Bürgermeister Stefan Schuh äußern sich zum Anstieg der Kitakosten. (Foto: Lenkeit)
Unter Druck und um Aufklärung bemüht: Sozialreferentin Manuela Brozat, OB Thomas Ebersberger und Dritter Bürgermeister Stefan Schuh äußern sich zum Anstieg der Kitakosten. (Foto: Lenkeit)

Nein. Der deutliche Kostensprung für die Betreuung von über 3.900 Kindern in etwa 40 Bayreuther Kitas wird nicht abgemildert. Und zurückgenommen schon gleich gar nicht. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs von ungefähr je zehn Vertretern des Bayreuther Rathauses sowie der Träger auf der einen und zehn Vertretern der Bayreuther Elternschaft auf der anderen Seite. Die hatten am Dienstagabend „Wut und Verzweiflung“ in großen Teilen der Elternschaft kundgetan.

Am Mittwochvormittag (8. Mai 2024) hat das Rathaus Medienvertreter über das weitere Vorgehen informiert. Und es lag deutlich in der Luft: Wohlfühltermin geht anders für die Bayreuther Rathausspitze. Das war den Minen, der Gestik und wenige später auch den Äußerungen aller Beteiligten zu entnehmen. Bereits im Vorfeld des Gesprächs hat die Stadtverwaltung hinsichtlich der ab September geltenden Beiträge von einer „unumgänglichen Entscheidung“ gesprochen.

Steigerung der Kitakosten in Bayreuth in der Vergangenheit zu moderat

Oberbürgermeister Thomas Ebersberger steckte gleich zu Beginn das Feld ab, ohne den ganz großen Kotau vollführen zu müssen: „Die Dissonanzen, die automatisch losgetreten wurden, müssen wir in Zukunft besser in den Griff bekommen“, sagte er mit Blick auf das Schreiben, das viele Eltern kalt erwischt hatte. Dritter Bürgermeister Stefan Schuh, zuständig für das Ressort Kinder und Schulen, nannte die Anfang April kommunizierte Kostensteigerung einen „großen Schritt.“ Man habe am Dienstag mit Elternvertretern ein „gutes Gespräch“ geführt und Schuh deutet eine teilweise Mitschuld an der Dimension des Kostensprungs mit. „Die Steigerungen der Elternbeiträge in der Vergangenheit waren wohl zu moderat. Das hat sich nun gerächt“, sagt der Dritte Bürgermeister leicht konsterniert.

Man bedauere diese Höhe. Auch wenn es bei dem Preissprung bleibt, so wolle man die Eltern in Zukunft besser einbinden. Die Einrichtung eines Gesamtelternbeirats mit Kita-Vertretern, ähnlich einem Gremium, das es für Bayreuther Schulen bereits gibt, ist in Planung. Im Sommer soll es zu einer ersten konstituierenden Sitzung kommen.

Geschwisterbonus in Bayreuther Kitas könnte ausgeweitet werden

Einen Lichtblick könnte es bald geben, auch wenn der eher klein ausfallen dürfte. Der sogenannte Geschwisterbonus, bisher nur gültig, wenn Geschwister die gleiche Einrichtung besuchen, könnte in Bayreuth einrichtungsübergreifend ausgeweitet werden. Möglicherweise wird er zudem von derzeit 20 Euro pro Monat (erstes Kind) beziehungsweise 50 Euro (zweites Kind) sogar angehoben. Eine fixe Anhebung sei ebenso denkbar wie eine prozentuale. Im Juni könnte diesbezüglich eine Entscheidung fallen. Zu den Erfolgsaussichten dieses Strohhalms will Schuh sich auf Rückfrage dieser Redaktion im Pressegespräch nicht äußern.


Was erschwerend zum Anstieg der Kosten beigetragen habe, sei der Personalbonus gewesen; eine zweckgebundene Zuweisung von bis zu 20.000 Euro pro Einrichtung, wie Daniel Rupprecht, Leiter der Kinder- und Jugendhilfe der Diakonie, und damit Vertreter der Bayreuther Kita-Träger, mitteilt. „Diese Festbetragsfinanzierung endet zum 31. Dezember 2024.“ Warum? „Ganz einfach. Weil der Bund kein Geld hat“, springt Ebersberger bei.

Beitragsanhebung „eingeschlagen wie eine Bombe“

Sebastian Machnitzke, Elternbeirat aus der Kita Spatzennest in der innerstädtischen Werner-von-Siemens-Straße, saß am Dienstag ebenso wie am Mittwoch mit am Tisch. „Eingeschlagen wie eine Bombe“, habe der Elternbrief im April. „Eine gewisse Existenzangst ist umgegangen, teils 300 bis 400 Euro Mehrbelastung von monatlichen Netto der Eltern sind drin“, skizziert er das obere Extrem dieser Belastung für manche Bayreuther Familien. Ob er beziehungsweise andere Elternbeiräte nun mehr Transparenz vermittelt bekommen hätten? „Restlos aufgeklärt ist es nicht, nicht im Detail“, antwortet er, verweist aber auch auf „komplizierte Rechenmodelle“. Christoph Bönisch, Elternbeirat der Kita Kreuz, verweist auf viele Aspekte wie den Ukraine-Krieg oder gestiegene Energiekosten.

Anstieg der Kitabeiträge wohl auch bald im Landkreis Bayreuth

Unterm Strich bleibe bei der Bayreuther Elternschaft auch nach dem Dienstagstreffen „Ernüchterung und große Enttäuschung“, wie Machnitzke zusammenfasst – obwohl grundsätzlich Verständnis für eine Anhebung der Gebühren vorhanden sei. Die Kommunikation seitens des Rathauses war „gewaltig mangelhaft.“ Ebersberger, Schuh und Sozialreferentin Manuela Brozat widersprechen dem nicht, hören eher mit fast schon geläutertem Blick zu. Brozat selbst rechnet auf Rückfrage dieser Redaktion damit, dass die Zahl der Anträge auf finanzielle Unterstützung bei der Stadt Bayreuth deutlich steigen werde. Ob ein Antrag erfolgreich sei, lasse sich nicht pauschal abschätzen. Zu viele Parameter des persönlichen Umfeldes des Kindes seien zu berücksichtigen.

Rupprecht, zuständig für die Kindertagesstätten in diakonischer Trägerschaft, gibt zu bedenken, dass man die auf Trägerseite die Kosten sorgsam kalkuliere. „Wir können nur mit den Mitteln wirtschaften, die tatsächlich da sind. So ein Schreiben an die Eltern tut uns weh“, versichert er glaubhaft. Andere Möglichkeiten des finanziellen Ausgleichs gebe es nicht. Das werde man übrigens auch bald außerhalb der Bayreuther Stadtgrenzen erfahren. Dort steht wohl, womöglich nicht nur in den Betreuungseinrichtungen der Diakonie Bayreuth, ebenfalls eine Anhebung der Kita-Beiträge bevor.


Von Jürgen Lenkeit
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