BAYREUTH.Als Dr. Björn Rodday im Oktober 2025 die Leitung des Friedrichsforums übernimmt, ist das Haus noch eine Baustelle. Acht Monate später läuft bereits der Probebetrieb im neuen Kultur- und Veranstaltungszentrum. Der promovierte Mediziner, Künstler und Kulturmanager, bringt Erfahrungen aus Kulturpolitik, Denkmalpflege und Veranstaltungsmanagement mit.
Unsere Redaktion sprach mit ihm, wie die ersten Bewährungsproben für das Friedrichsforum verlaufen sind und welche Rolle das Haus künftig in Bayreuths Kulturlandschaft spielen soll.
Der Probebetrieb läuft inzwischen seit mehreren Wochen. Wie fällt das Fazit aus?
Das Wichtigste zuerst: Das Haus hat endlich die kulturelle Bespielung aufgenommen. Seit dem Auftakt am 17. April haben wir gesehen, dass das Friedrichsforum beim Publikum sehr positiv ankommt und unterschiedliche Formate in den verschiedenen Räumen funktionieren. Gleichzeitig arbeiten wir unter besonderen Bedingungen – mit laufenden Restbauarbeiten und brandschutzrechtlichen Einzelgenehmigungen. Das Fazit ist zweigeteilt: Das kulturelle Potenzial ist deutlich sichtbar. Gleichzeitig merken wir jeden Tag, dass ein Haus dieser Größe nicht einfach durch das Öffnen der Türen in den Regelbetrieb kommt. Abläufe müssen wachsen, überprüft und nachjustiert werden.
Welche Erwartungen haben sich bislang erfüllt – und welche vielleicht noch nicht?
Erfüllt hat sich vor allem die Erwartung, dass das Haus eine starke Wirkung entfaltet, sobald es mit Leben gefüllt ist. Viele Besucherinnen und Besucher kommen mit Neugierde, aber auch Skepsis. Wenn sie am Ende eines Abends mit einem Lächeln hinausgehen, ist das ein sehr positives Zeichen. Weiter arbeiten müssen wir an der Erschließung eines Stammpublikums über die Stadtgrenzen hinaus. Bei der angestrebten Veranstaltungsdichte brauchen wir eine starke Verankerung in der gesamten Region. Das entsteht nicht innerhalb
weniger Wochen, sondern durch gute Veranstaltungen, verläss-
liche Kommunikation und Zeit.
Welche technischen oder organisatorischen Probleme sind dabei tatsächlich aufgetreten?
Die Herausforderungen liegen weniger in einzelnen großen Problemen als in der Summe vieler Abläufe. Besucherführung, Beschilderung, Einlass, Garderobe, Abendkasse, Saalumbauten, Backstage-Logistik sowie die Abstimmung zwischen Technik,
Sicherheit, Reinigung und Gastronomie, mussten erarbeitet und immer wieder angepasst werden. Hinzu kommen technische Einspielprozesse wie Licht, Ton, digitale Systeme, Ticketing oder die Organisation mehrerer Veranstaltungen an einem Tag. Die eigentlichen Herausforderungen entstehen dabei oft nicht auf der Bühne, sondern zwischen den Gewerken und Zuständigkeiten.
Gab es Situationen, in denen Sie kurzfristig improvisieren mussten, um eine Veranstaltung zu retten oder den Ablauf sicherzustellen?
„Retten“ würde ich nicht sagen, aber improvisieren mussten wir durchaus. Der Auftakt am 17. April war bereits eine enorme Improvisationsleistung. Es gab keine Generalprobe für das gesamte Haus. Trotzdem mussten Brandschutz, Sicherheit, Besucherströme, Künstlerbetreuung und Veranstaltungsablauf zusammengeführt werden, sodass das Publikum davon möglichst wenig merkt. Wenn ein Abend für die Gäste selbstverständlich wirkt, obwohl im Hintergrund viel
Abstimmung notwendig war, hat das Team gute Arbeit geleistet.
Haben Künstler oder Veranstalter konkrete Kritikpunkte geäußert?
Rückmeldungen waren überwiegend positiv, insbesondere zur Atmosphäre des Hauses, zu
Sälen und Akustik. Nachschärfen müssen wir allerdings bei der Barrierefreiheit im Backstagebereich und bei der Sicherheitskonzeption für das gesamte Gebäude.
Welche Auslastung hatten die bisherigen Veranstaltungen?
Eine belastbare Durchschnittszahl lässt sich derzeit noch nicht nennen. Die Formate und Veranstalterkonstellationen sind sehr unterschiedlich, zudem konnten viele Veranstaltungen, wegen der Baustellensituation und späten Genehmigungen, erst kurzfristig beworben werden. Die Resonanz fällt daher unterschiedlich aus: Einige Veranstaltungen sind sehr erfolgreich, bei anderen zeigt sich, dass das Publikum nach fast zehn Jahren Schließung und dem Wandel von der Stadthalle zum Friedrichsforum erst wieder aufgebaut werden muss. Eine seriöse Bewertung wird erst nach der ersten regulären Spielzeit möglich sein.
Welche Punkte möchten Sie bis zum regulären Vollbetrieb unbedingt noch verbessern?
Wir arbeiten kontinuierlich an allen Bereichen des Hauses – vom Künstlerischen Betriebsbüro, über Marketing und Verwaltung, bis hin zur Technik. Programmatisch müssen wir das Friedrichsforum weiter als Haus der Gegenwartskultur profilieren und keine Stadthalle 2.0 und keine beliebige Eventlocation sein, sondern ein Mehrspartenhaus mit klarem kulturellen Auftrag. Dieser Anspruch muss sich im Programm ebenso zeigen wie in der Art, wie Menschen dieses Haus erleben: offen, professionell und einladend!
Interview: Gabriele Munzert