BAYREUTH.Wer am Samstag durch die Bayreuther Innenstadt geht, merkt schnell: Wahlkampf ist nicht nur Plakat und Podium, sondern vor allem Begegnung.
Zwischen Spitalkirche und Galeriea sind Pavillons aufgebaut, dahinter Kandidaten, Mitglieder, Unterstützer im Gespräch. Manche Unterhaltungen mit den Passanten dauern Sekunden, andere eine Viertelstunde. Es geht um Baustellen, Busverbindungen, Kita-Plätze, manchmal auch um große Politik – aber immer beginnt es mit einem einfachen „Darf ich Ihnen etwas mitgeben?“.
Der Straßenwahlkampf gehört zu den wenigen politischen Formaten, die sich seit Jahrzehnten kaum verändert haben. Während Kampagnen digitaler und professioneller werden, bleibt hier vieles improvisiert. Ein Kandidat muss reagieren, nicht formulieren lassen. Kritik kommt ohne Anmeldung, Zustimmung ohne Kommentarspalte. Gerade in der Kommunalpolitik hat diese Unmittelbarkeit Gewicht. Wer Oberbürgermeister oder Stadtrat werden will, muss sich den Blicken stellen, nicht nur den Umfragewerten. die Parteien und Wählervereinigungen halten deshalb bewusst am Infostand fest. Hier treffen sie auch jene, die keine Veranstaltungen besuchen, kein Programm herunterladen und politische Nachrichten eher nebenbei verfolgen. Ein Gespräch entsteht häufig zufällig. Man wollte eigentlich nur schnell einkaufen und bleibt doch stehen, weil ein Thema den Alltag berührt. Genau darin liegt die Stärke dieser Form des Wahlkampfs .
Zum Ritual gehört allerdings mehr als das Gespräch. Kein Stand kommt ohne kleine Aufmerksamkeit aus. Die Auswahl wirkt dabei selten zufällig, eher liebevoll ausgedacht und manchmal mit einem Augenzwinkern präsentiert. Beim „Jungen Bayreuth“ gibt es Energydrinks und Studentenfutter, die Unabhängigen verteilen pinke Herz-Lutscher, die FDP reicht Gummibärchen und selbstgestickte Mäuse über den Tisch. Die CSU bietet selbstgebackene Plätzchen, in Form welches das Gesicht des Oberbürgermeisters trägt. Bei den Grünen wandert ein Taschenaschenbecher in die Jackentasche, während die Bayreuther Gemeinschaft in den Vereins-Farben Orange mit Karotten-Ingwersuppe aufwartet. Und wer beim SPD-Stand stehen bleibt, kann eine Kaffeetasse mit dem Porträt des Herausforderers Andreas Zippel mitnehmen.
Schnell verschwindet der süße oder herzhafte Präsent in der Tasche, ein kurzer Gruß was bleibtt ist das Gefühl, kurz ernst genommen worden zu sein.