Dieses Amt in Bayreuth kümmert sich um ganz Bayern

BAYREUTH. Eine bayerische Landesbehörde in Bayreuth – und rund ein Viertel aller Menschen in Bayern haben permanent Kontakt mit ihr. Sie berät und entscheidet zu Lebensfragen, von der Geburt bis ins hohe Alter. Das gibt es. Die Rede ist vom Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS). ZBFS-Präsident Dr. Norbert Kollmer nennt sein Haus eine „bunte Behörde“. Die Sonntagszeitung stellt die Behörde vor.

Manche Bayreuther können mit einem anderen Begriff mehr anfangen: dem des Versorgungsamtes. Das ist der Quasi-Vorgänger, aus dem das ZBFS 2005 hervorgegangen ist. An den Standorten im Kreuz 25 sowie in der Hegelstraße am Röhrensee kümmern sich 350 Mitarbeiter um die drei großen Themen Familie und Kinder, Menschen mit Behinderung und Inklusion am Arbeitsplatz. Weitere 1.500 Mitarbeiter arbeiten in den Regionalstellen der bayerischen Regierungsbezirke.


„Das ZBFS bildet mit seinen Aufgaben das Leben der Menschen in Bayern ganzheitlich ab“, führt Kollmer aus, bevor er konkreter wird. „Elterngeld ist ein großes Thema unseres Hauses. Wenn Eltern zur Betreuung ihrer Kinder eine Auszeit von der Arbeit nehmen, dann wird das bei uns beantragt – und wir bewilligen eine anteilige Zahlung des letzten Arbeitslohns.“ Dazu kommen weitere Posten wie Familien- und Krippengeld für junge Familien.

ZBFS in Bayreuth: Wegen Elterngeld „unter Dampf“

„Ein Drittel des Personals des ZBFS kümmert sich um Elterngeld, Familiengeld und Krippengeld, auf das junge Eltern in Bayern Anspruch haben. Die Beschäftigten des ZBFS seien hier „ordentlich unter Dampf“, wie Kollmer beschreibt. Zuletzt ist die Geburtenzahl wieder gestiegen. Und mit ihr die Zahl der Anspruchsberechtigten und der Anträge. Dem Eindruck schlechter Erreichbarkeiten für junge Eltern will das ZBFS digital entgegenwirken. Termine für eine telefonische oder persönliche Beratung können seit noch nicht allzu langer Zeit online vereinbart werden. In ganz Bayern schüttet das ZBFS jährlich Elterngeld in Höhe von 1,34 Milliarden Euro aus. „Das sind pro Arbeitssekunde 234 Euro Elterngeld in ganz Bayern“, rechnet Kollmer vor.

ZBFS-Präsident Dr. Norbert Kollmer: „eine bunte Behörde“ in Bayreuth. Bild: ZBFS

Auch die „Materialschlacht“ an Postverkehr will das ZBFS auf digitalem Weg massiv zurückfahren. „Bis wir auf die E-Akte umgestellt haben werden, haben wir jährlich Postverkehr, der flach aneinandergereiht von Bayreuth bis Sizilien reichen würde“, verdeutlicht Kollmer die Dimensionen.

ZBFS auch zuständig für Impfschäden, häusliche Gewalt und Vergewaltigung

Das ZBFS zieht in seiner Organisation den sozialen Gegebenheiten nach. Kernaufgabe des damaligen Versorgungsamtes war die soziale Entschädigung von Kriegsopfern. „Die Sparte stirbt im wahrsten Sinne langsam aus“, sagt Kollmer mit Blick auf Verletzte und Versehrte des Zweiten Weltkrieges. An Bedeutung gewonnen hat in jüngster Vergangenheit die sogenannte Opferentschädigung. „Sie richtet sich an Opfer häuslicher Gewalt und Missbrauch bis hin zur Vergewaltigung.

Beim ZBFS schon lange angesiedelt, aber seit der Corona-Pandemie mit einer völlig neuen Wucht präsent: Impfschäden. Die Behörde reguliert mögliche Schäden unabhängig von der Art der Schutzimpfung. Seit Beginn der Corona-Schutzimpfung zu Weihnachten 2020 wurden in Bayern über 1.000 Schäden gemeldet – bei über 25 Millionen Corona-Impfungen in Bayern inklusive Booster. Anerkannt wurden bis Ende August in knapp zwei Jahren 16 Fälle von Impfschäden. Anträge können formlos per Brief oder Mail gestellt werden.




Verstecktes Café in Bayreuth: Die Vitalkantine im ZBFS

Was das ZBFS am Röhrensee auch bietet ist ein kleines Café. Die privat betriebene Vitalkantine hat montags bis donnerstags von 8:30 bis 15 und freitags bis 14 Uhr geöffnet. Die hat auch für die Leute geöffnet, die kein Anliegen beim ZBFS haben. Das Vitalcafé ist am Standort in der Hegelstraße ausgeschrieben.

jle