Was wird aus dem „Humboldt-Park“?

GOLDKRONACH. Am kommenden Sonntag, 26. September, ist nicht nur Bundestagswahl. Bei einem Bürgerentscheid in Goldkronach wird mit dem „Humboldt-Park“ auch über ein wichtiges touristisches und infrastrukturelles Projekt entschieden.
Auf einem eineinhalb Hektar großen Areal unterhalb des Goldkronacher Schlosses soll die Natur Frankens und Südamerikas exemplarisch dargestellt, in engen Bezug zu Alexander von Humboldt gesetzt und ausführlich über dessen Leben und Werk informiert werden.
Der größtenteils barrierefreie Park soll ein abgeschlossenes und umzäuntes Areal sein, das nur in der Vegetationszeit der Pflanzen, also von März bis Oktober, geöffnet wird. Der Humboldt-Park soll das Goldbergbaumuseum mit Museumsbrauerei, das Infohaus am Goldberg, die Besucherbergwerke und den Humboldt-Weg ergänzen und so dazu beitragen, dass Goldkro-nach zur „Humboldt-Stadt“ in Franken wird.
Die Befürworter des Projektes verweisen ferner auf die hohe Förderung von 1,6 Millionen Euro durch die EU, den Bund, den Freistaat Bayern und die Oberfrankenstiftung, so dass 90 Prozent der förderfähigen Kosten gedeckt sind. Diese Förderung gebe es nur für den Humboldt-Park und wäre bei einer Ablehnung des Projektes verloren. Der Humboldt-Park wäre ein wichtiger Entwicklungsschritt in die Zukunft und würde für Goldkronach, in dem der junge Alexander von Humboldt von 1792 bis 1797 gewirkt und seine bleibenden Spuren hinterlassen hat, ein wichtiges touristisches Alleinstellungsmerkmal weiter stärken.
Der frühere parlamentarische Staatssekretär und Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk ist Vorsitzender des Vereins Humboldt-Park Goldkronach. Er findet es gegenüber der Sonntagszeitung „verwunderlich“, dass die Bedenken der Initiatoren des Bürgerentscheides erst jetzt vorgebracht und zur Entscheidung vorgelegt werden, wo das Projekt bereits seit über zwei Jahren detailliert geplant wird und die Bauarbeiten beginnen könnten.
Die bisherigen umfangreichen Planungskosten, die in der Förderung enthalten seien, müssten im Falle einer Ablehnung des Projektes seitens der Stadt übernommen werden. Zu den Befürwortern des Projektes zählen neben der Mehrheit des Stadtrates auch Landrat Florian Wiedemann und Bürgermeister Holger Bär.
Die Initiatoren des Bürgerbegehrens begründen ihre Bedenken damit, dass die jährlichen Kosten für den Park 80.000 Euro betragen. Die Kalkulation mit 15.000 Besuchern im Jahr halten sie für unrealistisch und weisen darauf hin, dass die Stadt gegebenenfalls mit jährlich 50.000 Euro bürgen muss. Goldkronacher Bürger dürften aufgrund des Gleichheitsgebotes nur bei Zahlung eines entsprechenden Eintrittsgeldes den Park betreten. Der finanzielle Eigenanteil der Stadt für die Errichtung des Parks falle mit 500.000 Euro deutlich höher aus als ursprünglich angenommen – und dies bei sowieso schon angespannten städtischen Finanzen.
Zudem lehnten viele direkte Anwohner den Park ab. Für die Errichtung von Parkplätzen und öffentlichen öffentlichen Toiletten liege kein vernünftiges Konzept vor. Hierfür würden gegebenenfalls weitere Kosten anfallen. Eine alternative Nutzung des im städtischen Besitz befindlichen Teil des Geländes als öffentlich zugäng-
licher Park wäre wesentlich kostengünstiger.
Die Frage auf dem Stimmzettel des Bürgerentscheides lautet „Soll die Stadt Golkronach das Projekt Alexander-von-Humboldt-Park einstellen?“ Wer das Projekt befürwortet, muss also mit „Nein“ stimmen, wer dagegen ist, muss mit „Ja“ votieren. rs