Veranstaltungen in Bayreuth: “Baum und Basalt”

BAYREUTH. Vor einhundert Jahren, am 12. Mai 1921, wurde der Aktionskünstler Joseph Beuys in Krefeld geboren. Das Jahr 2021 wurde daher als Beuys-Jahr ausgerufen. Deutschlandweit finden Ausstellungen, Symposien und Vortragsreihen über Joseph Beuys als Kunstbegriffserweiterer („Jeder Mensch ist ein Künstler“), politischen Künstler – er war Gründungsmitglied der Grünen, Kunstschamane und Mystagoge statt. Er starb 1986 als Kunstprofessor in Düsseldorf.

Als Hommage an Beuys berühmte Aktion „7000 Eichen“ von der Dokumenta 7, die 1982 in Kassel stattfand, hat der Bayreuther Komponist und Kirchenmusiker Michael Lippert ein Musikvideo mit dem Titel „Baum und Basalt“ produziert. Es ist auf Youtube über den Kanal „Musik von Michael Lippert“ und auf der Homepage der Kantorei Bayreuth St. Georgen www.music-L.de zu finden.

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Unter dem Motto „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ wurden bei Beuys Aktion seit 1982 in Kassel 7000 Eichen neben meterhohe Basaltstelen gepflanzt. Dabei spielt auch die biblische Symbolik des „Lebensbaum des Paradieses“ in Verbindung mit irisch-keltischer christlicher Spiritualität eine große Rolle.

Joseph Beuys, der in seiner Kindheit und Jugend stark vom rheinischen Katholizismus geprägt wurde, wird häufig nur auf seine Kunstwerke aus Fett und Filz reduziert. Dabei wird oft übersehen, dass Religion und Spiritualität in seinem Schaffen einen hohen Stellenwert haben. Der Jesuitenpater und Beuys-Experte Friedhelm Mennekes sagt: „Es ist ja nicht nur die Natur auf die Beuys alles hin öffnet, sondern der ganze Kosmos. Jesus Christus ist für ihn ein kosmisches Phänomen, eine kosmische Präsenz.“ Beuys betrachtet die Natur als spirituell bedeutsam. Dem will auch Lipperts Musikvideo nachspüren und dabei neue Wege in der Kirchenmusik gehen.

Auch die MESSE DES KOSMOS, Michael Lipperts neueste Komposition, die nun im Frühjahr 2022 in der Ordenskirche uraufgeführt werden soll, ist vom Schaffen und Denken Joseph Beuys inspiriert. Die Filmaufnahmen zu dem Musikvideo „Baum und Basalt“ entstanden auf dem kleinen Gleichberg in Thüringen, zwischen Bad Rodach im Coburger Land und Römhild im Grabfeld gelegen: Ein wahrhaft mystischer Ort im ehemaligen Sperrgebiet der DDR zur BRD. Auf der Hochfläche des imposanten Tafelberges, der auch vom Ochsenkopf, ja selbst vom Sophienberg aus bei klarer Sicht zu sehen ist, befand sich in vorchristlicher Zeit ein keltischer Fürstensitz. Im Mittelalter gab es eine kleine, dem heiligen St. Michael geweihte Kapelle von der noch ein paar Mauerreste zu sehen sind: Basaltgestein vulkanischen Ursprungs, schwarzgraublau, Urgestein, dunkelbemoost und umklammert vom Wurzelwerk alter windzerzauster Bäume. Baumträume wie am Gestade des Meeres. Über Klippen und Abgründen, am Rande der Steinhalden, den Trümmerfeldern der Ewigkeit, stehen sie da, tauchen aus den Nebelschleiern auf, versinken wieder im Unergründbaren.

Die Musik zu den stimmungsvollen Baum- und Basaltbildern hat Lippert in der Passionszeit 2021 komponiert.

red