Bayreuth. Anfang Januar war Basketball-Bundesligist medi Bayreuth gezwungen, personell nachzurüsten. Topscorer Hassan Martin verletzte sich beim Derbysieg in Bamberg, für ihn kam Eric
Mika.

Der neue Center fügte sich gut ein, wurde Spiel für Spiel vor allem in der Offensive besser. In seinen neun Begegnungen kam er im Schnitt auf 12,9 Punkte und lag damit vor dem Oldenburg-Spiel am gestrigen Abend zusammen mit Kassius Robertson auf Rang zwei der internen Korbjägerliste der Oberfranken. Nur Hassan Martin hat im Schnitt einen besseren Wert von 13,3 Zählern. Allerdings wurden sechs der neun Begegnungen, in denen Eric Mika mitspielte, verloren. Am 20. März hatte Hassan Martin dann seine Verletzung auskuriert und kehrte bei der Heimniederlage gegen Frankfurt zurück in die Starting Five der Bayreuther. Da man nach den Statuten der BBL nur sechs Ausländer einsetzen darf, blieb für Eric Mika kein Platz mehr im Kader, deswegen musste er seitdem (unser Beitrag entstand vor dem gestrigen Oldenburg-Spiel) zuschauen. »Diese leidige Diskussion, Mika rein, Mika raus. Es war klipp und klar vereinbart, dass Mika Ersatz für Hassan Martin war, der ist jetzt wieder fit», sagte Headcoach Raoul Korner mit deutlichen Worten bei der Pressekonferenz nach der Niederlage gegen Göttingen am vergangenen Sonntag.

»Ich fand die Diskussion gegenüber Andi Seiferth massiv unfair, zu sagen, er spielt nicht mehr. Man hat heute gesehen, wie wichtig er ist. Man darf auch nicht vergessen, er ist Nationalspieler, mit dem wir viel Erfolg gehabt haben. Mit Andi Seiferth waren wir zwei Spielzeiten in den Playoffs und der Champions League, er ist ein Eckpfeiler unseres kompletten Konstrukts. Und da soll ich ihn jetzt aus reinem Aktionismus auf die Bank setzen?», fragte Headcoach Raoul Korner rhetorisch.

Wen sollte Korner streichen?

Denn sollte Eric Mika wieder in den Kader rotieren, dann wären insgesamt drei Center dabei, einer von ihnen würde wohl in jedem Spiel kaum bis gar keine Minuten bekommen. Und sollte Raoul Korner den Januar-Neuzugang wieder spielen lassen, würde sich auch ein anderes Problem auftun: Welchen Ausländer streicht der Coach dann aus dem Kader? Hassan Martin, Adonis Thomas, Kassius Robertson, Gregor Hrovat, Kyan Anderson oder De’Mon Brooks müssten dann ihren Kaderplatz hergeben. »Es ist niemand konstant gut genug, dass ich sage, dem gebe ich mehr Verantwortung. Und es ist niemand schlecht genug, dass ich sage, den streiche ich komplett. Diese ganze Struktur des Teams in Frage zu stellen, halte ich für den falschen Weg», so Raoul Korner weiter.

Kein kurzfristiger Aktionismus

Für den Österreicher war es ganz klar, dass er Hassan Martin nach seiner Genesung wieder spielen lässt und den unter der Saison verpflichteten Eric Mika wieder aus der Aufstellung nimmt. »Er hat das während der Verletzung gut gemacht, jetzt ist Hassan Martin zurück und wir gehen zurück zum alten Lineup», so Raoul Korner, der noch einmal klar betont, dass er die Kritik in den letzten Wochen – vor allem an Seiferth – komplett überzogen fand: »Spieler an den Pranger zu stellen und abzuschießen, die Nationalspieler sind und noch ein Jahr Vertrag hier haben, ist der Wahnsinn. Und das ist kurzfristiger Aktionismus, der langfristig dem Team schaden würde.» Deutliche Worte, die Bayreuths Headcoach nach dem Göttingen-Spiel wählte. Die Stimmung ist angespannt, aber natürlich ist auch im Team niemand mit der aktuellen Situation zufrieden. Denn ein erneutes Erreichen der Playoffs wird in dieser Saison immens schwer.

Mirko Strässer