SpVgg Bayreuth: Auch ein Spiegelbild der Gesellschaft

BAYREUTH. Am 23. Juli 2021 feiert die SpVgg Bayreuth das 100-jährige Gründungsjubiläum. In all den Jahren feierte die „Altstadt“ nicht nur legendäre Erfolge, wie viele Jahre Zugehörigkeit zur Zweiten Bundesliga, den Fast-Aufstieg in die Bundesliga 1979 oder den Sieg im DFB-Pokalspiel gegen Bayern München 1980. Es gab auch manches Tief. Und die Vereinsgeschichte war ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklungen. Hierdurch begründet sich etwa, dass der Verein zwölf Jahre in der Nazizeit verboten war und vor fast genau 75 Jahren, im November 1945, wiedergegründet wurde.
Nach ihrer Gründung war die heutige SpVgg, zunächst als Tus-po-Altstadt und ab 1925 als Freie SpVgg Bayreuth-Altstadt, Teil der Arbeitersportbewegung. Dieser stand deutschlandweit der „bürgerliche Sport“ gegenüber, der unter dem Dach des DFB seine Deutschen Meisterschaften austrug und in dem Vereine wie der 1. FC Nürnberg, SpVgg Fürth, Hamburger SV, Schalke 04 oder Hertha BSC, aktiv waren. In Bayreuth waren der 1. FC Bayreuth und der VfB Bayreuth bürgerliche Sportvereine.
Die im Arbeiter- Turn- und Sportbund (ATSB) organisierten Vereine trugen ebenfalls eigene Deutsche Meisterschaften aus, bis auf die unteren Ebenen gab es eigene Ligen. Spiele von Arbeitersportvereinen gegen bürgerliche Vereine waren untersagt.
Im Arbeitersport haben zahlreiche Vereine aus Bayreuth und der Region ihre Wurzeln. So spielte die Altstadt beispielsweise in der Saison 1922/23 in der A-Klasse Süd gegen den VfR Bayreuth II, Heinersreuth, Bindlach, Laineck, TSpV Bayreuth II, Altenplos und Eckersdorf. 1925 bekam die Altstadt auf der Jakobshöhe einen eigenen Platz, die Erfolge bis auf nordbayerischer Ebene ließen nicht lange auf sich warten. Ein jähes Ende kam jedoch 1933 nach der Machtergreifung der Nazis, alle Arbeitersportvereine wurden verboten und deren Vermögen beschlagnahmt. Der als Nachfolgeverein von der NSDAP initiierte FSV Bayreuth war in der Altstadt nicht anerkannt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die am 3. November gegründete SpVgg Bayreuth die Traditionslinie der “Freien SpVgg Bayreuth-Altstadt” wieder auf. In dieser Zeit musste vieles improvisiert werden. Der verwilderte Sportplatz auf der Jakobshöhe wurde in Eigenleistung renoviert, die Trikots nähten Mitgliederfrauen aus ausgedienten Hakenkreuzflaggen – Anfangs trat man so in Rot-Weiß, erst später in den angestammten Vereinsfarben Gelb-Schwarz, an. Im ersten Spiel nach dem Krieg kreuzte man mit dem TSV Donndorf die Klingen. Außerdem ging es jetzt in der vereinheitlichten Fußballlandschaft auch gegen bürgerliche Sportvereine wie den 1. FC Bayreuth oder den VfB Bayreuth.
Genau diese Rivalität gegen den 1. FC und den VfB dominierte auch die 1950er-Jahre. Mit Spielern wie „Jumbo“ Zeitler und Fritz Semmelmann schaffte die SpVgg 1959 den Aufstieg in die seinerzeit unter der Oberliga zweitklassige Zweite Liga Süd. Unmittelbar hinter der Altstadt waren in der Aufstiegssaison in der Tabelle der Landesliga Nordbayern die Lokalrivalen 1. FC und VfB platziert.
1962 stieg man wieder ab und gehörte nach der Gründung der Bundesliga ab 1963 der neuen Bayernliga an. 1969 schaffte die Altstadt dann erneut den Aufstieg in die Zweitklassigkeit des Deutschen Fußball, in die damalige Regionalliga Süd. 1970 ging es vorerst zum letzten Mal zurück in die Bayernliga, ein Jahr später wurde überlegen der sofortige Wiederaufstieg geschafft.

1971 starteten die „großen Jahre“

Nun begann 1971 die „große Zeit“ der SpVgg. Spieler wie Manne Größler, Bobby Breuer, Uwe Sommerer, Wolfgang Mahr oder später Rüdiger Scheler erlangten Legendenstatus. 1974/75 war die SpVgg Gründungsmitglied der Zweiten Bundesliga Süd, die Spielstätte war nun das Städtische Stadion. Unvergessen sind die Austiegsspiele in die Bundesliga 1979 gegen Bayer Uerdingen, in denen die Altstädter knapp scheiterten. 1980 warfen die Gelb-Schwarzen Bayern München aus dem DFB-Pokal. Nach der Qualifikation für die neue, eingleisige Zweite Bundesliga in der Saison 1981/82 folgte der vorübergehende Abstieg in die Bayernliga, aus der sich die Altstadt aber zurückkämpfte: 1985/86 und von 1987 bis 1990 war das Team unter dem legendären Präsidenten Hans Wölfel wieder in der Zweiten Bundesliga. Ein absolutes Highlight war dabei 1987 das mit 3:1 gewonnene, entscheidende Spiel um die Bayernligameisterschaft vor 20.000 Zuschauern gegen 1860 München.
Nach dem Zweitligaabstieg 1990 folgten eher „magere Jahre“ in der Bayernliga und zwischenzeitlich sogar der Landesliga. Erst in der Saison 2005/06 blühte der alte Glanz nach dem Aufstieg in die drittklassige Regionalliga Süd wieder etwas auf. Es folgten jedoch massive finanzielle Schwierigkeiten. Insolvenz wurde angemeldet, der Verein konnte jedoch dank des privaten Engagements von eingefleischten Altstädtern überleben und neu durchstarten. Seit 2014 kickt man in der Regionalliga Bayern, im Jubiläumsjahr 2021 scheint sogar der Sprung in die Dritte Liga nicht ausgeschlossen.

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