Veröffentlicht am 13.02.2026 09:58

Rettet Caspar Walter Rauh!

Mit der Sanierung der Gewerblichen Berufsschule droht das monumentale Treppenhausmosaik von Caspar Walter Rauh zu verschwinden. (Foto: red)
Mit der Sanierung der Gewerblichen Berufsschule droht das monumentale Treppenhausmosaik von Caspar Walter Rauh zu verschwinden. (Foto: red)
Mit der Sanierung der Gewerblichen Berufsschule droht das monumentale Treppenhausmosaik von Caspar Walter Rauh zu verschwinden. (Foto: red)
Mit der Sanierung der Gewerblichen Berufsschule droht das monumentale Treppenhausmosaik von Caspar Walter Rauh zu verschwinden. (Foto: red)
Mit der Sanierung der Gewerblichen Berufsschule droht das monumentale Treppenhausmosaik von Caspar Walter Rauh zu verschwinden. (Foto: red)

BAYREUTH. Mit der Sanierung der Gewerblichen Berufsschule droht eines der bedeutendsten Werke der Bayreuther Nachkriegskunst unwiederbringlich zu verschwinden: das monumentale Treppenhausmosaik des Grafikers Caspar Walter Rauh. Die Bayreuther Kunsthistorikerin Dr. Beatrice Trost kämpft dafür, dass zumindest Teile dieses Werkes erhalten bleiben – und sie setzt dabei bewusst auf Öffentlichkeit, Sponsoren und auch auf private Mitstreiter.

Caspar Walter Rauh (1912 bis 1983) war Zeichner, Grafiker und Maler der Nachkriegszeit sowie Mitglied der „Freien Gruppe Bayreuth“. Rauh hatte am GCE in Bayreuth Abitur gemacht und anschließend bei Paul Klee in Düsseldorf studiert, bis die Machtergreifung der Nationalsozialisten dem ein Ende machte. Er war Kriegsteilnehmer und geriet in Gefangenschaft. Diese Erfahrungen spiegeln sich in seiner künstlerischen Sprache wider – abstrakt, eindringlich, ohne gefällige Illustration.

Sein großformatiges Mosaik von 1957, in der Berufsschule, zählt zu den frühen Beispielen von Kunst am Bau in Bayreuth. Doch im Zuge der Sanierung soll es abgerissen werden. Für
Beatrice Trost ist das mehr als ein Bauproblem – es ist eine kulturhistorische Zäsur. „Die Stadt wird dieses Kunstwerk vernichten, wenn wir nichts tun. Und genau deshalb drängt die Zeit“, sagt sie.

Realistischer Rettungsplan – in Teilen statt im Ganzen
Niemand geht mehr davon aus, dass das komplette Mosaik am Stück erhalten werden kann. Technisch wäre das extrem aufwendig, finanziell kaum darstellbar. Doch das ist für Trost auch nicht entscheidend: „Es geht darum, dass etwas bleibt.“

Konkret schlägt sie vor, drei markante Ausschnitte des Mosaiks fachgerecht herauszuschneiden und auf Stelen vor dem Neubau der Schule zu montieren – ergänzt durch Sitzblöcke aus regionalem Sandstein und Granit sowie einige Bäume. So entstünde ein neuer Treffpunkt, der die alte Schule mit der neuen verbindet und Kunst sichtbar im Alltag hält.

Der Mistelgauer Mosaikexperte Andreas Lorenz (Mosaikfarm Mistelgau) hat bereits vor Ort geprüft, dass eine solche Bergung machbar ist. Er hat ähnliche Projekte erfolgreich umgesetzt – etwa in den Birken, wo gerettete Mosaikteile heute in der Schleiermacherstraße zu sehen sind.

Kunst am Bau – Verpflichtung statt Luxus
Beatrice Trost verweist auf eine bundesweite Tradition: Seit der Weimarer Republik gibt es in Deutschland ein Gesetz über „Kunst am Bau“ bei öffentlichen Bauprojekten, wofür ein bis zwei Prozent der Baukosten zu reservieren sind. Der Deutsche Bundestag hat dieses Gesetz 1950 bestätigt.  Für Beatrice Trost ist klar: „Wenn die Stadt nur einen Teil des Mosaiks erwirbt, erfüllt sie ihre Kunst am Bau-Verpflichtung – und das zu einem vergleichsweise günstigen Preis.“
Die grob geschätzten 100.000 Euro für Bergung und Aufstellung der Stelen wären damit kein Luxus, sondern ein kulturpolitisch sinnvolles Minimum.

Private Teilhabe möglich – viele kleine Teile, große Wirkung
Neu und ungewöhnlich ist die Idee von Beatrice Trost, auch Privatleuten eine Teilhabe zu ermöglichen. Einzelne ausgeschnittene Mosaikstücke könnten – in Abstimmung mit der Stadt – von privaten Förderern übernommen werden.

Bei einer Vorbesprechung zeigte sich bereits Interesse:
Eine Privatperson habe „gleich große Augen bekommen“ und auf ein markantes gelbes Sonnenelement gedeutet: „Wenn Sie das sowieso rausschneiden, das nehme ich.“
Ein Bayreuther Handwerksmeister signalisierte ebenfalls Interesse – vorbehaltlich der Zustimmung seiner Frau: „So etwas im Garten, wäre schon etwas.“

Beatrice Trost sieht darin keinen Ausverkauf, sondern eine Chance: „Wenn der Kran ohnehin für drei große Teile der Stadt kommt – warum nicht auch für sechs? Dann teilen sich die Kosten, und es bleibt mehr Kunst erhalten.“ Ihr Motto: „Viele kleine Teile, können zusammen eine große Summe ergeben.“ Zugleich betont sie, dass solche Stücke nicht nur für Gärten gedacht wären: „Man könnte sie auch wie ein Bild im Haus aufhängen – als echtes Original von Caspar Walter Rauh.“

Öffentlichkeit als Schlüssel
Was die Kunsthistorikerin vor allem braucht, ist Aufmerksamkeit:
„Ich brauche Öffentlichkeit, damit die Menschen noch einmal hinschauen. Vielleicht überlegen sich auch solvente Privatleute: Einen echten Caspar Walter Rauh hätte ich gern.“ Unterstützung hat sie bereits bei Stadträten und beim Kulturpfleger des Stadtrates Bayreuth, Dr. Stefan Specht, gefunden, der zugesagt hat, sowohl Oberbürgermeister Thomas Ebersbeger als auch Regierungspräsident Florian Luderschmid anzusprechen. Auch Horst Lohse, Bamberger Komponist, Schwiegersohn von Rauh und Rechtsnachfolger des Künstlers, hatte sich frühzeitig eingeschaltet und den drohenden Verlust scharf kritisiert.

Warum dieses Werk wichtig ist
Das Mosaik ist abstrakt – es erzählt keine einfache Geschichte, sondern eine Haltung zur Welt. Gerade deshalb ist es für Beatrice Trost so wertvoll: „Es ist der letzte Rest einer anderen Erzählung über diese Stadt, die ein enges Verhältnis zu Bauten aus nationalsozialistischer Zeit hat.“ Für sie steht fest: Wenn dieses Mosaik vollständig verschwindet, verliert Bayreuth ein Stück seiner vielschichtigen Identität.

Wer mitmachen will
Interessierte Privatpersonen, die sich an der Rettung beteiligen und ein Mosaikdetail übernehmen möchten, können sich direkt melden: beatrice.trost@web.de.


Von Gabriele Munzert
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