Prof. Dr. med. Ludwig Keilholz, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie der Klinikum Bayreuth GmbH

PD Dr. med. Jochen Willner, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie der Klinikum Bayreuth GmbH

In der Strahlentherapie geht es nicht nur um Krebsbehandlung. Auch bei orthopädischen Problemen kann eine Bestrahlung Schmerzen unter Umständen deutlich lindern. Fotos: red

Ratgeber Gesundheit: Strahlentherapie: Hilfe auch bei orthopädischen Problemen

BAYREUTH. Strahlentherapie, das verbinden viele mit Krebsbehandlung. „Stimmt auch, aber Strahlentherapie kann auch anders“, sagen Privatdozent Dr. Jochen Willner und Prof. Dr. Ludwig Keilholz. Sie sind Chefärzte der Klinik für Strahlentherapie der Klinikum Bayreuth GmbH und beide auch im Ambulanten Zentrum für Strahlentherapie tätig. Hier behandeln sie immer öfter auch Patienten mit orthopädischen Problemen. „In vielen Fällen können wir Patienten Schmerzen nehmen und Mobilität schenken“.

Herr Prof. Dr. Keilholz, Sie sind Strahlentherapeuten, mit welchen orthopädischen Problemen kann ich dennoch zu Ihnen kommen?
Prof. Dr. Keilholz: Eine niedrig dosierte Strahlung, wie wir sie bei der Röntgenreizbestrahlung einsetzen, wirkt auf entzündliche Vorgänge im Körper bremsend. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Die niedrig dosierte Strahlentherapie ist seit vielen Jahren ein Schwerpunkt meiner experimentellen und klinischen Forschung. Ein Beispiel dafür ist die Arthrose. Durch die Abnutzung der Gelenke entstehen immer wieder schmerzhafte Entzündungen. Gleiches gilt bei entzündlichen Beschwerden in Weichteilen in der Nähe von Gelenken. Das kann die Schulter, der Ellenbogen oder aber die Ferse sein. Fersensporn, Schulterentzündungen oder Tennisellenbogen sprechen meist gut auf eine Bestrahlung an. Aber auch bei Schmerzen an der Achillessehne kann sie die Schmerzen deutlich lindern.

Aber eine Heilung ist die Bestrahlung in diesem Fall nicht…
PD Dr. Willner: Nein. Die Erkrankungen, von denen wir sprechen, sind entzündlich degenerativ. Die Entzündung können wir behandeln, aber die degenerative Veränderung, wie einen Gelenkverschleiß, können wir nicht wegzaubern. Aber viele Patienten leben in einem Teufelskreis: Die Erkrankung führt zu einer Entzündung, diese verursacht Schmerzen, die Schmerzen führen zu Schonhaltungen und Fehlbelastungen und diese zu weiteren Schmerzen. Hier können wir effektiv helfen. Nach der Therapie leben viele Patienten über einen langen Zeitraum – auch über Jahre – schmerzfrei oder zumindest mit weniger Beschwerden. Das ist ein enormer Gewinn an Lebensqualität und Mobilität.

Hilft eine Bestrahlung immer?
Prof. Dr. Keilholz: Natürlich spricht nicht jeder Patient in gleichem Maß auf die Therapie an, aber die Erfolgsrate liegt bei durchschnittlich 80 Prozent. Außerdem sollte man wissen: Die Behandlung ist verglichen mit einer längeren Schmerztherapie sehr nebenwirkungsarm und völlig schmerzfrei. Gelegentlich kann es unter oder kurz nach der Behandlungsserie zu einer Verstärkung der Schmerzen kommen. Das ist unangenehm, aber zeitlich begrenzt und auch ein gutes Zeichen. Es heißt, dass der Körper auf die Therapie anspricht. Im weiteren Verlauf stellt sich meist schnell eine Besserung ein.

Wie läuft die Behandlung ab?
PD Dr. Willner: Ein Behandlungszyklus umfasst in der Regel sechs Termine in zwei bis drei Wochen. Verwendet werden ionisierende Strahlen. Die Dosis, die bei einer Sitzung verabreicht wird, ist gering. Das zu bestrahlende Gebiet wird exakt eingegrenzt und andere Körperteile abgeschirmt. Im Klinikum Bayreuth nutzen wir dafür die neueste Generation von Linearbeschleuniger. Eine Behandlung dauert nur wenige Sekunden.

Aber Strahlen bleiben Strahlen – muss ich mir Sorgen machen?
Prof. Dr. Keilholz: Wir nehmen die Beratung im Vorfeld sehr ernst. Im Grunde gilt aber: je älter der Patient, desto geringer das Risiko. Denn: Strahlung kann potentiell einen Krebs auslösen, aber die Gefahr ist sehr gering und die Entstehung von Krebs benötigt viele Jahre Zeit: Das Risiko ist schon ab einem Alter von 40 Jahren minimal. Die meisten Betroffenen sind aber meist älter, das Risiko damit verschwindend gering.

Kann ich direkt einen Termin im Ambulanten Zentrum vereinbaren?
PD Dr. Willner: Die Diagnose sollte vorab der Haus- oder Facharzt stellen. Für die Behandlung in unserem Ambulanten Zentrum brauchen Sie von ihm eine Überweisung. Liegen Befund und Überweisung vor, vereinbaren Sie direkt einen Termin bei uns. Patienten müssen keine Bedenken haben, dass zusätzliche Kosten auf sie zukommen. Die Behandlung ist eine Kassenleistung.


Ambulantes Zentrum – Fachbereich Strahlentherapie:
Tel: 0921 400-3610
E-Mail: strahlentherapiesekretariat@klinikum-bayreuth.de