Ratgeber Gesundheit: Einladung zum ersten Bayreuther Symposium Organtransplantation

Dr. med. Ulrich Pötzl
Arzt für Neurologie
Oberarzt der Frührehabilitationsstation am Klinikum Bayreuth

Die Klinikum Bayreuth GmbH und die Universität Bayreuth laden am kommenden Mittwoch, 14. September, 17 Uhr, zum ersten Bayreuther Symposium Organtransplantation ein. Es bietet Interessierten, Studierenden und Mitarbeitenden die Möglichkeit, sich in den unterschiedlichsten Facetten rund um das Thema Organspende und -vergabe zu informieren. Dr. Ulrich Pötzl ist stellvertretender Sprecher des Ethikkomitees an der Klinikum Bayreuth GmbH und als Leitender Oberarzt der Klinik für Neurologie einer der Ärzte, die bei Bedarf eine Hirntoddiagnostik durchführen. Er wird im Rahmen eines Vortrags erklären, wie Mediziner den irreversiblen Hirnfunktionsausfall zweifelsfrei diagnostizieren und warum es wichtig ist, diese Definition zu haben.

Herr Dr. Pötzl, finden Sie, jeder sollte einen Organspendeausweis haben?
Ich finde, jeder sollte sich mindestens einmal mit der Frage auseinandergesetzt haben. Jeder muss über seinen Körper selbst verfügen dürfen. Wir sollten also auch akzeptieren, wenn sich jemand dagegen entscheidet. Für uns Mediziner, aber vor allem auch für die Angehörigen, ist es aber im Fall der Fälle immer leichter, wenn diese Frage zweifelsfrei geklärt ist.

Wann kann ich Organe spenden?
Vorab: Die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich Organspender zu werden, ist unglaublich gering. Spenden kann nur, wer im Grunde relativ gesund war und plötzlich in eine Situation kommt, in der er künstlich beatmet werden muss nach einer schweren Hirnschädigung.

Menschen, die bereits eine lange, schwere Krankengeschichte hinter sich haben, kommen als Spender oft nicht, oder nur eingeschränkt für einzelne Organe, in Betracht. Es ist also wichtig, dass möglichst viele Menschen ihre Bereitschaft erklären. Und dafür müssen sie sich mit dem Thema auseinandersetzen. Darüber hinaus gibt es wenige Einschränkungen. Auch ältere Menschen kommen als Spender durchaus in Betracht.

Was macht die Entscheidung schwer?
Ich glaube die größte Hürde ist noch immer die Frage: Wo endet das Leben? Für viele ist es der Zeitpunkt, an dem das Herz aufhört zu schlagen. Und im Grunde ist das richtig. Auch im Falle eines Hirntods würde das Herz aufhören zu schlagen, sobald wir die Maschinen abstellen. Nur tun wir es hier nicht.

Es fehlt der Abschluss. Die Diagnose eines irreversiblen Hirnfunktionsausfalls ist aber als Feststellung des Todes mit dem Herzstillstand gleichzusetzen. Meine Aufgabe als Arzt ist es, Angehörige zu begleiten, ihnen zu erklären, was sie wissen müssen und was sie wissen wollen, ihnen die Sicherheit zu geben, dass der Mensch, von dem sie Abschied nehmen, tatsächlich tot ist.

Wie gelingt das?
Die Medizin bietet uns die Möglichkeit, einen irreversiblen Hirnfunktionsausfall auch ohne Herzversagen zweifelsfrei zu diagnostizieren. Es ist ein sehr aufwändiges Diagnoseverfahren, für das unglaublich strenge Regeln gelten und das immer von zwei erfahrenen Medizinern, einem Neurologen und einem Intensivmediziner oder gegebenenfalls Pädiater, durchgeführt wird. Beide Ärzte dürfen mit der Entnahme nicht in Zusammenhang stehen, beide haben sich an ein strenges Protokoll zu halten. Ich erlebe immer wieder, wie wichtig es ist, Angehörigen zu erklären, was wir tun. Viele suchen nach der Diagnose noch einmal das Gespräch mit uns. Wenn sie verstehen, können sie in den meisten Fällen auch loslassen.

Und nur dann kommt eine Spende in Betracht. Ähnlich findet die Entscheidungsfindung aber auch statt, wenn es um die eigene Spendenbereitschaft geht. Es sind die gleichen Fragen, die ich mir stelle, wenn es um meine eigene Spendenbereitschaft geht. Darum sind Vorträge und Symposien wie das am kommenden Mittwoch so wichtig.