Public Viewing im Bayreuther Winterdorf trotz massiver Katar-Kritik: Chef liefert Begründung

BAYREUTH. Das Bayreuther Winterdorf in der Fußgängerzone bietet während der Fußball-WM in Katar ein Public Viewing der Deutschland-Spiele statt. Das sei schon lange geplant.

Winterdorf-Chef Max Vogel äußert sich zu der Entscheidung pro Public Viewing in Bayreuth – und spricht über Trittbrettfahrer der Boykott-Befürworter.

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Bayreuth: Public Viewing im Winterdorf

Am Mittwoch um 14 Uhr startet Deutschland mit seinem Auftaktspiel gegen Japan in die Fußball-WM in Katar. Pans des Public Viewing in Bayreuth kommen im Winterdorf auf ihre Kosten. Dort kann man die Deutschland-Spiele sehen. „Übertragungen anderer Spiele sind derzeit nicht geplant“, sagt Winterdorf-Betreiber Max Vogel. Die ersten Überlegungen, wie eine Übertragung zu Stemmen gewesen sein, fanden ihm zufolge schon vor zwei bis drei Jahren statt. „Auch erste oberflächliche Gespräche mit Euronics Baumann fanden damals schon diesbezüglich statt, welcher seit Jahren fester Partner vom Winterdorf ist.“ Die finale Entscheidung zu einem Public Viewing im Winterdorf sei dann in der ersten Hälfte des Jahres getroffen worden. Dann ging es an die Details der Durchführung mit Euronics Baumann. „Welche Technik, wie und wo aufgebaut, etc.“, präzisiert Vogel. Zum Thema: „Wegen Schnauze voll“ hat der Kulturkiosk in Bayreuth bereits sein Public Viewing der WM gecancelt.




Public Viewing in Bayreuth boykottieren? Nein!

Die Diskussion um einen Boykott der WM in Katar habe man „selbstverständlich auf dem Schirm“ gehabt und auch darüber gesprochen. Die Vergabe der WM an Katar sei Vogel zufolge ein Fehler gewesen. „Ja, klar“, sagt er ohne Umschweife. „Ich akzeptiere und respektiere jeden, der auf eine WM in Katar verzichten möchte“ – und damit auch keine Spiele ansehen werde. Vogel versucht sich an einem Blick auf das große Ganze. „Meiner Meinung nach schwingen da bei vielen Menschen aber dennoch viel Heuchelei und Scheinheiligkeit mit. Viele Argumente für den WM-Boykott hätten auch bei der WM in Südafrika 2010 bzw. Russland 2018 angewendet werden können. Verzichten alle TV-Boykotteure denn auch auf Produkte von Coca-Cola oder Adidas, welche Sponsoren der WM sind? Werden auf Urlaube in arabische Länder, wie z.B. Dubai – in denen ganz ähnliche Umstände herrschen – verzichtet? Kauft man sich jetzt keinen Volkswagen mehr, weil Katar an VW beteiligt ist? Ist man aufgrund der derzeit steigenden Energiepreise auch gegen den Einkauf günstiger Energie-Rohstoffe aus Katar?“, wirft er mehrere Fragen in den Raum. Die Antwort, die vermutlich viele andere auch geben würde, liefert Max Vogel vom Bayreuther Winterdorf gleich mit: „Man weiß es nicht.“ Zum Thema WM in Katar: Zwei Bayreuther Fußball-Funktionäre sprechen von „Perversität“ und „Doppelmoral“.

Er ist der Meinung, ein Boykott hätte Jahre vorher kontrovers diskutiert werden und erwägt werden müssen. Nun diene  ein Boykott wohl einigen Leuten als Maßnahme, um das eigene Image aufzupolieren. „Einige springen derzeit gezielt auf den Zug auf und nutzen die Thematik einfach als Marketinginstrument.“ Wie viele Besucher extra wegen der Spiele ins Winterdorf kommen werden, kann Vogel schlecht sagen. Dafür fehle es an Erfahrungswerten. „Wir freuen uns wie auch sonst über jeden Gast, der zu uns kommt – Fußball hin oder her.“ Passend zum Winter: Hier gibt es die Bilder von der Eröffnung des Bayreuther Christkindlesmarkt.

jle