Not sehen und Handeln

BAYREUTH. „Not sehen und handeln“ – dies ist das Motto der Caritas. Die Caritas ist dabei nicht nur ein Sozialverband, sondern neben der Liturgie und der Eucharistie die dritte Säule der Katholischen Kirche. Heuer feiert der Caritasverband Bayreuth Stadt und Landkreis sein 40-jähriges Bestehen.

Der Caritas-Kreisverband mit seiner Geschäftsstelle an der Bürgerreuther Straße 9 gliedert sich in die Bereiche Soziale Hilfen, Beratung, Ambulante Kranken- und Altenpflege, den Betreuungsverein, den Vormundschaftsverein für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, das Frauenhaus mit Interventionsstelle sowie das Freiwilligen-Zentrum. Insgesamt existieren 20 Einrichtungen. „Diese wertvolle Arbeit wird von rund 200 hauptamtlichen und 250 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geleistet und von fast 400 Mitgliedern unterstützt“, erklärte Geschäftsführerin Bozena Schiepert im Gespräch mit der Bayreuther Sonntagszeitung.

Seit Jahren hat die Caritas mit sinkenden Zuschüssen, je nach Einrichtung durch die Kirche, Bund, Land oder die Kommunen, zu kämpfen. „Die Zuschüsse von der öffentlichen Seite wurden aus den verschiedensten Gründen stetig weniger, die Unterstützung von kirchlicher Seite ist natürlich auch von der Höhe der vereinnahmten Kirchensteuer abhängig“, so Bozena Schiepert.
Mehr denn je sei der Caritas-Kreisverband daher auf Spenden und Mitgliedschaften angewiesen, um seine Angebote weiter in bewährter Weise aufrecht erhalten zu können. Ein Beispiel für ein Angebot, das nur durch zusätzliche Spenden gesichert werden kann, ist die im Jahr 2016 eingerichtete „Interventionsstelle“. Diese Stelle leistet präventive Arbeit für Frauen, die häusliche Gewalt erfahren. Bei einem Erstkontakt wird mit den Frauen besprochen, wie man es vielleicht doch schaffen kann, nicht ins Frauenhaus zu müssen, sondern zu Hause zu bleiben. Wir wollen die Frauen stark machen und sind mit unserer Einrichtung eine wichtige Schnittstelle zwischen Beratung und Polizei.

Neben individuellen Spenden gibt es auch zunehmend Spenden beispielsweise von Personen, die beim Geburtstag statt Geschenken um Geld für die Arbeit der Caritas bitten. Auch mit einer Mitgliedschaft kann man die Caritas unterstützen. „Jeder Katholik sollte eigentlich auch Mitglied der Caritas sein, hat Domkapitular Dr. Josef Zerndl, der Schirmherr unseres Jubiläums, kürzlich gesagt – und dies kann man nur unterstreichen“, so die Geschäftsführerin. Spenden kämen eins zu eins an und würden hundertprozentig bestimmungsgemäß verwendet. Auch würden jederzeit Personen gesucht, die gerne ehrenamtlich beim Caritas-Kreisverband mitarbeiten würden, beispielsweise auch im Aufsichtsrat. Voraussetzung hierfür ist übrigens nicht unbedingt eine Mitgliedschaft in der Katholischen Kirche, wohl aber eine von christlichen Werten geprägte Gesinnung.

Historie des Kreisverbandes
Die Geschichte der Caritas in der zum überwiegenden Teil evangelischen Stadt Bayreuth begann 1912 mit dem Einsatz der „Vinzenzschwestern“ in der Gemeindekrankenpflege.
Ab dem Jahr 1946 war Johanna Neugebauer die einzige hauptamtliche Kraft für die Arbeit der Caritas. Schwerpunkte in der Nachkriegszeit waren die Betreuung der von den Kriegsfolgen betroffenen Bevölkerung sowie der schlesischen und sudetendeutschen Vertriebenen. Bis 1970 wurde in Zusammenarbeit mit der Diakonie die Bahnhofsmission betrieben.
1962 wurde die Kreis-Caritasstelle mit sozialer Beratungsstelle und einer Kleiderkammer im Harmoniehof, Maxstraße 10, gegründet. Am 1. April 1967 übernahm der
Sozialarbeiter und spätere Geschäftsführer Hans Mahler die Leitung der Kreis-Caritasstelle mit sozialem Beratungsdienst. 1970 erfolgte der Umzug zum Josephsplatz. Am 1. Juli 1978 erfolgte die Eröffnung der Caritas-Sozialstation an der Harburger Straße.

Die offizielle Gründung des Caritasverbandes Stadt und Landkreis erfolgte dann schließlich am 6. November 1979 mit 92 Mitgliedern. Vorsitzende wurde Renate Hartmann, zweiter Vorsitzende der damalige Hollfelder Bürgermeister Georg Besold und Geschäftsführer Hans Mahler.
Im Laufe der Jahre baute der Caritas-Kreisverband seine Aktivitäten zunehmend aus. Schwerpunkte waren dabei die Flüchtlings- und Aussiedler-
arbeit, die Gründung des Frauenhauses im Jahr 1986, die Angehörigenberatung, im Jahr 2000 die Eröffnung des Sozialladens und des Freiwilligenzentrums sowie 2001 die Gründung des Betreuungsvereins. Auch im Landkreis, vor allem in Hollfeld, Pegnitz und Speichersdorf, wurden die Angebote stetig weiter ausgebaut. rs

 

Termine im Jubiläumsjahr

30.06.2019, 13-17 Uhr, Integrationspicknick am Röhrensee.
09.-19.07.2019 Ausstellung und Präventionsveranstaltung für Schüler und alle Interessenten „Schulden sind doof und
machen krank“, Rathaus Bayreuth 1. Stock.
09.07.2019, ab 14 Uhr, Bastelfest im Inseltreff, Seestraße
13.07.2019, 9-13 Uhr, Jubiläums-Flohmarkt im Caritas-Hof
21.09.2019, 11-17 Uhr, Kinderfest auf dem Stadtparkett
14.10.2019, ab 15 Uhr, Vortrag und Informationsveranstaltung zum Thema Demenz im Caritasverband, Caritas-Geschäfts-
stelle, Bürgerreuther Straße 9, 1. Stock
19.10.2019, 13-17 Uhr, „Der Tag für Freiwillige“ im Schlossturmsaal der Schlosskirche Bayreuth
27.10.2019, 11 Uhr, Festgottesdienst in der Schlosskirche,
danach ab 12 Uhr Festveranstaltung mit „Tag der offenen Tür“ in der Caritas-Geschäftsstelle, Bürgerreuther Straße 9.

 

Zum Bild: Dieter Scholl, Vorstandsvorsitzender des Caritas-Kreisverbandes Bayreuth, mit Geschäftsführerin Bozena Schiepert.  Foto: red