Nachrichten Bayreuth: Hingucker mit Rooftop-Bar für Bayreuth

BAYREUTH. Wegen einer Verlegung verschiedener Abteilungen der Post an andere Standorte im Stadtgebiet werden zentrale Flächen in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof für neue Nutzungen in der städtebaulichen Innenentwicklung frei. Nach Willen des Stadtrates bieten die Flächen Platz für Wohnungen, Gewerbebetriebe und die Ansiedlung von sozialen, kulturellen und anderen Einrichtungen.
„Nachdem der Grundstückseigentümer der Stadt Bayreuth mitgeteilt hat, dass die bisherige Nutzung des innenstadtnahen Grundstücks durch die Deutsche Post aufgegeben wird, sind zusammen mit dem Eigentümer und eines von ihm beauftragten Architekten gemeinsame Überlegungen angestellt worden, das fragliche Areal mit seinem Potenzial städtebaulich neu zu ordnen und zu entwickeln“, so der städtische Sprecher, Joachim Oppold, auf Nachfrage der Sonntagszeitung.
Im Mai 2019 waren Planungen für zwei Varianten erstellt und zur Information der Bürger öffentlich ausgelegen. Der Vorschlag für den Bau eines Hochhauses, rief eine öffentliche Diskussion hervor und auch der Bayerische Landesdenkmalrat wies darauf hin, genau auf die Dimension des Gebäudes, in der unmittelbaren Nähe zur Christuskirche und in der Sichtachse zum Festspielhauses, zu achten. Aktuell werden mit dem Grundstückseigentümer, Investor und verantwortlichen Architekten die Vorzüge verschiedener Lösungen ausgelotet, um für den Standort den besten Entwurf und das passende Nutzungskonzept zu finden.

Wie kann eine angepasste Lösung aus einem Miteinander von Wohnen und Gewerbe in dieser Lage aussehen? Folgend die Sicht der Fraktions-/Gruppierungssprecher im Stadtrat:

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Stefan Specht, CSU:
Unsere Fraktion hat sich nach ausführlicher Anhörung des Investorenvertreters und des Architekten bereits im Juni intensiv mit dem Thema „Neubebauung des Postareals“ befasst. Sie begrüßt grundsätzlich eine städtebau-liche Neuordnung des momentan deutlich unter Wert genutzten Areals insbesondere für Wohnzwecke. Die beiden vorliegenden Planvarianten unterscheiden sich dabei grundlegend in Anordnung und Höhe der geplanten Gebäude. Die Hochhaus-Variante wird von der CSU strikt abgelehnt. Wir befürworten den Kompromissvorschlag mit einem deutlich niedrigeren Solitärgebäude.

Thomas Bauske, SPD:
Die SPD-Stadtratsfraktion begrüßt eine Wohnbebauung des Postareals. Eine Nachverdichtung ist zur Wohnraumschaffung in Bayreuth zwingend erforderlich. Mit Sorge habern wir die exzessiven Preissteigerungen der letzten Monate und Jahre beobachtet und wünschen, dass vor allem bezahlbarer Wohnraum an dieser Stelle geschaffen werden kann. Ein Hotel mit mehr als vier Sternen fehlt noch in Bayreuth und eine Dachterrasse als Skybar ist sicher einzigartig, wenn das Hochhaus kommt.

Sabine Steininger, Grüne:
Den Planungen für das Postareal steht die Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN und Unabhängigen aufgeschlossen gegenüber. Dies gilt auch für den Bau eines Hochhauses, das jedoch architektonisch anspruchsvoll gestaltet sein sollte, insbesondere, wenn es sich um einen Solitär handelt. Der Entwurf, der uns bisher präsentiert wurde, ist noch nicht besonders charaktervoll oder kreativ. Neben einer Nutzung, die die Anforderungen eines urbanen Quartiers erfüllt, legen wir Wert auf ein innovatives Energie- und Versorgungskonzept unter Einbeziehung von Photovoltaik, Regenwassernutzung und zentraler Heizversorgung. Darüber hinaus ist es uns wichtig, nicht nur die Bäume am Wilhelmsplatz zu erhalten, sondern weitere Bäume zwischen den Einzelgebäuden zu pflanzen, und das Thema geförderter Wohnraum auch auf diesem Areal zu berücksichtigen.

Christopher Süss, JB:
Die prominente Fläche bietet große Chance, ein tolles neues Gebiet für Bayreuth zu entwickeln, ohne Grünflächen neu zu versiegeln. Das geplante urbane Gebiet schafft zum einen dringend benötigten Wohnraum, der nahe der Innenstadt liegt. Dabei muss darauf geachtet werden, dass auch bezahlbare Wohnungen dort entstehen. Zum anderen bietet das Areal die Möglichkeit, Raum für Gewerbe, Gastronomie und soziale oder kulturelle Einrichtungen zu schaffen, die das Leben in unserer Stadt bereichern. Das geplante Hochhaus wäre sicherlich ein neues Wahrzeichen der Stadt, jedoch muss man auch versuchen, keine zu großen Konflikte zur Umgebungsbebauung zu schaffen. Nach unserer Auffassung kann das Hochhaus architektonisch attraktiv gestaltet werden, so dass kein 08/15- Bauwerk entsteht. Ebenso, wenn die spätere Nutzung neue und ansprechende Angebote schafft, wie Gastronomie, eine Bar oder ein Restaurant, auf dem Dach. Selbstverständlich wünschen wir uns, soweit das Projekt verwirklicht wird, Gewerbe, Gastronomie, Hotellerie oder soziale und kulturelle Einrichtungen, damit das Areal über Bayreuth hinaus strahlt. Konkrete Vorstellungen über künftige Mieter haben wir jedoch noch nicht.

Stephan Müller, BG:
Die Stadtratsfraktion der Bayreuther Gemeinschaft hat mehrheitlich immer hinter den Überlegungen zur Weiterentwicklung des Areals gestanden. Die Fragen der architektonischen Ausbildung und des Mietermixes sind Gegenstand des laufenden Verfahrens. Nach unseren Vorstellungen könnte dort unter anderem zum normalen Wohnungsbau auch ein gewisser Anteil an preisgünstigen Wohnungsbau – vergleichbar mit dem Preisniveau der GEWOG entstehen.

Thomas Hacker, FDP/DU/FL:
Die Entwicklung des Postareals bietet eine große städtebauliche Chance. Gerade aus ökologischer Sicht kann durch die Nachverdichtung in Innenstadtnähe und durch die geplante mehrstöckigkeit Wohnraum und Bürofläche ohne verschwenderischen Flächenverbrauch geschaffen werden. Eine Hochhauslösung in einem Teil des Geländes kann – bei guter architektonischer Umsetzung – einen neuen Hingucker im Bayreuther Stadtbild schaffen. Damit die Bayreuther den neuen möglichen „Bayreuth Tower“ auch lieben, wäre eine Aussichtsplattform und eine gastronomische Nutzung, vielleicht mit einem Restaurant und einer Rooftop-Bar ideal. Gut Essen und Trinken inmitten der Genussregion mit Blick auf die Türme der Stadtkirche und das Festspielhaus und weiter hinaus ins Fichtelgebirge und die Fränkische Schweiz wäre sicherlich reizvoll. Allein schon von den möglichen Quadratmeterzahlen wäre die angedachte Nutzung ein wirkliches Großprojekt für Bayreuth und die Investoren, deshalb wäre ein Ankermieter für Büroflächen oder als Hotelnutzung für den Tower bestimmt sinnvoll. Wichtig ist aus unserer Sicht die Bebauung offen, durchlässig und attraktiv zu gestalten, damit alle Bayreuther den neuen Hingucker nutzen und beleben werden.

Tobias Peterka, AfD
Die Stadt Bayreuth als Bezirkshauptstadt kommt um eine gut durchdachte Verdichtung der Innenstadt nicht herum. Die Sichtachse zum Festspielhaus ist sicherlich ein Argument, man müsste sich jedoch die konkreten Varianten einmal ansehen. Lediglich die bloße Höhe des „Hochhauses“ muss noch kein Schaden sein. Die AfD-Stadträte müssen sich noch weiter einarbeiten. Eine moderne Gestaltung, beispielsweise mit abgestuften Terrassen, wäre bereits optisch ein Gewinn. Ich will da nur an den „Klotz“ des Rathauses erinnern. Die Chancen des Areals sind zum einen, dass der Bahnhof aufgewertet wird, was zum Teil schon durch Hotels erfolgt ist. Da gab es bisher ja einigen Nachholbedarf. Es sollte zum anderen auch möglich sein, einen Mehrwert gerade durch die Nähe zum Festspielhügel zu generieren – neben gewerblichen Flächen beispielsweise schulische/universitäre Einrichtungen in Richtung Musik oder Theater.

gmu