medi Bayreuth: “Wir wissen, dass wir das Spiel gewinnen können!”

BAYREUTH – Es gibt diese Spiele im Leben von Sportlern, die etwas ganz besonderes sind. Das gilt in der Basketballbundesliga bei Partien zwischen medi Bayreuth und Brose Bamberg per se generell. Blickt man auf das Tabellentableau bekommt die Partie am Samstag um 19.30 Uhr (live auf magentasport) gleich doppelt Bedeutung. Mit zwei Spielen Rückstand auf die Domstädter rangiert medi auf dem neunten Rang. Um den begehrten letzten Playoffplatz zu sichern, bedarf es fast schon zwingend eines Sieges im Oberfrankenderby. Für einen bekommt das Spiel noch einmal mehr Bedeutung: Kay Bruhnke. Der 19-Jährige wechselte vor dieser Saison nach fünf Jahren im Nachwuchsprogramm der Bamberger an den Roten Main. „Bayreuth war mir aus der Zeit als Jugendspieler ja bekannt und hatte daher schon einen Pluspunkt“, erzählt er, „und es ist eine optimale Station. Hier kann man es schaffen, aus einem im Mittelfeld der Liga anzusiedelnden Team das Beste rauszuholen.“ Als sich die Gelegenheit ergab, tauschte sich der 2,01 große Shootingguard mit Trainer Raoul Korner aus. „Wir haben die Pros und Contras beleuchtet“, so der Abiturient, „und das hat gepasst.“

Das Hinspiel gegen die Bamberger, das medi Bayreuth mit 73:67 gewann, sollte für das einstige deutsche Toptalent ein Meilenstein in einer von Erfolgen gepflasterten Karriere werden. In seiner achtminütigen Spielzeit lieferte er seine ersten drei BBL-Punkte ab, pflückte noch einen Rebound. „Die Partie war unglaublich wichtig für uns“, schaut er zurück, „das hat die Teamchemie noch einmal unglaublich gestärkt!“ Im Vorfeld der Partie trennten sich die Bayreuther von Aufbauspieler Ryan Woolridge und absolvierten ein bärenstarkes Spiel. “Wir wissen, dass wir auch das Spiel am Samstag gewinnen können!”, so Bruhnke.

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Der Weg vom Talent zum vollwertigen Spieler

Seit dem Hinspiel hat sich einiges getan im basketballerischen Leben des gebürtigen Oberpfälzers. Zuletzt schenkte ihm Trainer Raoul Korner nach starken Leistungen gegen die Chemnitz Niners (sechs Zähler und damit Einstellung seiner Karrierebestleistung) und gegen Rasta Vechta in München das größtmögliche Vertrauen und beorderte ihn in die Startformation. Drei schnelle Fouls verhinderten mehr Spielzeit als die am Ende zu Buche stehenden 17 Minuten – so lange wie noch nie zuvor. „Ich persönlich habe immer an meine Chance geglaubt“, sagt Bruhnke, „weil ich meine Einstellung zum Training kenne und vom Coach auch dementsprechendes Feedback erhalten habe. In München habe ich die Chance bekommen und dann auch ganz gut wahrgenommen.“

Fast noch bemerkenswerter als die durchaus reife Leistung, die er auf das Parkett legte, war allerdings eine kleine Randnotiz. Der Youngster entnervte den international längst anerkannten Veteranen Vladimir Lucic – drei Tage zuvor noch entscheidender Faktor für den Playoffeinzug der Bayern in der Euroleague – in einer Spielsequenz  dermaßen, dass dieser ein Foul an Bruhnke beging, das nahe an einem disqualifizierenden anzusiedeln war. „Er hat davor einen Dreier verworfen, ich habe meinen Senf dazu gegeben. Das wollte er nicht auf sich sitzen lassen und so kam es dazu“, erzählte der Neustädter im Interview mit Magentasport nach Spielende. Mit einem Lachen bejahte er die Nachfrage des Kommentators, ob er sich denn als deutscher Vlado Lucic fühlen würde. „Es ist keine Frage, dass man mich nicht mit Vladmir Lucic vergleichen kann“, schmunzelt er einige Tage später darüber, „aber natürlich bin ich froh darum, wenn das ein Kommentator tut.“ Er gibt auch gerne zu, dass Lucic einer seiner Lieblingsspieler in der Liga ist. „Auf dem Feld zählt aber für mich nicht, ob einer 20 oder 40 Jahre Erfahrung hat. Da agiere ich gegen jeden Gegenspieler gleich.

Die Partie in München ist für den Shootingguard längst abgehakt. Der Blick gilt der Partie gegen seinen ehemaligen Klub. 2015 wechselte er aus dem Jugendprogramm der DJK Neustadt in die Regnitzstadt. Nach einem Jahr in der JBBL bei medi Bayreuth nahm die Karriere Fahrt auf. Zwei Jahre JBBL, zwei Jahre NBBL, unzählige Nationalmannschaftseinsätze, der Gewinn des traditionsreichen Albert Schweitzer Turniers gegen Australien und die Ehrung als MVP des Allstargames der Basketball without Borders Europe-Veranstaltung 2018 säumen den Weg Bruhnkes. Er, der an der Seite der ebenfalls in Bayreuth spielenden Nico Wenzl, Jevon Perschnick und Lukas Pryszcz 2015 deutscher Meister im 3×3 wurde, hatte eine hoffnungsvolle Zukunft vor Augen. Ehe das Verletzungspech zuschlug. Zwei Mittelfußbrüche warfen ihn zurück, weshalb der bis 2023 datierte Vertrag mit Bamberg auch vorzeitig aufgelöst wurde. Medi Bayreuth war dankbar und holte den einstigen Jugendspieler, der gerade sein Abitur in Arbeit hat, zurück.

Die Rückholaktion zeigt allmählich Wirkung. Bruhnke ist angekommen in der BBL. Und das will er am Samstag auch seinem ehemaligen Brötchengeber beweisen. „Kay ist ein talentierter Spieler, der aber sowohl auf als auch abseits des Spielfeldes noch viel zu lernen hat. Wenn er gesund und mit beiden Füßen auf dem Boden bleibt, werden ihm seine gute Arbeitseinstellung und seine Lernbereitschaft dabei helfen, eine sehr gute Karriere zu machen“, so medi-Coach Korner über den nach Nico Wenzl jüngsten Spieler im Team. Sätze, die Korner einst auch über Robin Amaize und Lukas Meisner in ähnlicher Form kundtat. Es gibt wahrlich schlimmeres. Die beiden haben vorgemacht, wie es gehen kann.