medi bayreuth: Die Playoffs sind das Ziel

BAYREUTH. Seit ein paar Wochen läuft bei medi bayreuth die Vorbereitung auf die neue Saison in der Basketball-Bundesliga. Wir sprachen exklusiv mit medi-Headcoach Raoul Korner darüber, was die Fans vom Kader erwarten dürfen, wie es bisher in der Vorbereitung läuft und welche Ziele das Team hat.

Ihr seid seit einigen Wochen wieder im Training, wie läuft die Vorbereitung bisher? Man kann durchaus zufrieden sein, oder?
Raoul Korner: Ich mag das Wort zufrieden nicht. Zufriedenheit ist der größte Feind des Erfolges. Als Spieler und Trainer sollte man nie zufrieden sein. Doch es geht definitiv in die richtige Richtung. Wir sind in der aktuellen Phase genau da, wo wir sein wollten – und vielleicht sogar etwas weiter. Man muss auch bedenken, dass zunächst Cameron Wells wegen seiner Corona-Erkrankung nicht fit war und dann auch noch Bastian Doreth wegen einer Rückenverletzung aussetzen musste. Die Mannschaft wächst zusammen, wir beginnen uns zu entwickeln, die Burschen arbeiten hart und das Team hat eine gute Chemie.

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Hattet ihr in dieser Saison für die Kaderzusammenstellung ähnliche finanzielle Mittel wie vor Corona?
Raoul Korner: Ähnliche. Die Situation gestaltete sich viel besser als in der vergangenen Spielzeit, in der wir das Budget massiv herunterfahren mussten. Alle bei medi haben sehr diszipliniert gewirtschaftet und einen guten Job gemacht, nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich. Da konnten wir uns auch auf unsere Fans und Sponsoren verlassen. Dieses Jahr hatten wir mehr Mittel, was uns allerdings natürlich immer noch nicht zu einem Wohlstandsteam macht. Wir sind vom Budget her knapp dort, wo wir vor Corona waren, das ist finanziell gesehen immer noch weit von den Playoffs entfernt.

Von den Namen her habt ihr eine sehr spannende Mannschaft zusammen. Wie beurteilst du die Truppe?
Raoul Korner: Wir haben eine ganz gute Mischung zwischen routinierten und jungen, aufstrebenden Spielern. Wir haben auf der Guard- und Außenposition deutlich an Qualität gewonnen im Vergleich zur Vorsaison. Auf der Position Vier, wo wir Matt Tiby und Osvaldas Olisevicius hatten, sind wir deutlich jünger geworden, das wird spannend, wie Kay Bruhnke jetzt beispielsweise in diese neue Rolle reinwächst. Da Moritz Sanders wegen seiner Rücken-Operation mit aktueller Reha ausfällt, haben wir hingegen wenig Möglichkeiten, auf der Position Fünf zu improvisieren. Da darf uns im Moment nicht viel passieren.

Also ist das Team deutlich stärker im Vergleich zur vergangenen Saison?
Raoul Korner: Das würde ich schon sagen. Unter dem Strich müssen wir natürlich sehen, was rauskommt. Die Mannschaft der vergangenen Spielzeit ist Zehnter geworden, was für Bayreuth eine tolle Platzierung ist. Das Team in dieser Saison ist qualitativ aber auf jeden Fall stärker.

Welche Art von Basketball willst Du mit den Jungs spielen lassen?
Raoul Korner: Möglichst erfolgreichen (lacht). Klar muss man immer Rücksicht auf das Personal nehmen. Wir sind auf der Position der Point-Guards talentierter besetzt, haben mit Cameron Wells und Bastian Doreth zwei klassische Spielmacher. Mit Thornton, Jalalpoor und Anim haben wir drei weitere Spieler, die etwas mit dem Ball anfangen und kreativ sein können. Auf der Drei haben wir mit Janari Joesaar jemanden, der auch ohne Ball Akzente setzt. Unser Spiel wird also ein bisschen mehr Guard-lastig sein. Im Moment sieht es so aus, dass wir defensiv besser und aktiver als in der vergangenen Spielzeit sind. Wir sind ein Team, das mit sehr viel Energie spielt und die Last auf mehreren Schultern verteilt, wenngleich wir mit Marcus Thornton schon einen Spieler haben, der offensiv durch unglaubliches Talent herausragt.

Das alles macht Lust auf Mehr. Sind also die Playoffs das Ziel?
Raoul Korner: Klar wollen wir in die Playoffs, das wollen wir jede Saison. Wir waren auch immer im Kampf um die Playoff-Plätze dabei, haben es in den ersten zwei Jahren meiner Zeit als Headcoach in Bayreuth sogar geschafft. Es ist allerdings immer gefährlich, teilweise auch schädlich, wenn die Erwartungen zu hoch geschraubt werden. Man muss schon verstehen, dass für uns alles passen muss, um in die Playoffs zu kommen. Es darf sich keiner verletzen, wir müssen gut harmonieren – und brauchen auch das gewisse Glück. Dann ist es möglich, dieses Ziel zu erreichen.

In der kommenden Saison wird wieder vor Fans gespielt. Wie viele das jeweils sein werden, ist aktuell noch offen. Erwartest du wieder eine normale Spielzeit in der BBL?
Raoul Korner: Das wird sich wohl einpendeln. Der Mensch ist eine Spezies, die sich sehr schnell umstellen kann auf neue Gegebenheiten. Wenn es die Corona-Vorgaben sinnvoll erlauben, wird es auch wieder relativ schnell so sein wie vorher. Klar müssen wir beachten, wie die Regierung mit der Situation umgeht, denn Covid wird nicht weggehen. Man muss einen Weg finden, dass es mit impfen und testen irgendwie klappt. Ich hoffe, dass wir bald wieder eine volle Hütte haben und die Leute sich die Seele aus dem Leib schreien können. Denn das ist auch Teil unserer Identität als Club. Die Oberfrankenhalle gehört zu Bayreuth wie die Festspiele, wir brauchen eine volle Hütte, um alles herauszuholen. Wir brauchen unser Publikum, um unseren Traum von den Playoffs wahrmachen zu können.

Mirko Strässer