Lokalnachrichten in Bayreuth: Energiepreise explodieren

BAYREUTH. Die explodierenden Energiepreise machen vielen Branchen zu schaffen. Die Unternehmen schlagen Alarm: 89 Prozent haben mit gestiegenen Energiekosten zu kämpfen oder rechnen mit höheren Kosten, so die Ergebnisse einer Blitzumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth zu den Auswirkungen aufgrund des aktuellen Ukraine-Krieges.

Obwohl die Zahl der bei der IHK für Oberfranken Bayreuth gemeldeten Unternehmen mit Wirtschaftskontakten nach Russland vergleichsweise überschaubar ist, sorgt der Krieg für steigende Preise, Transportprobleme oder Lieferengpässe. Auch die Preisentwicklungen für Rohstoffe sorgen für eine angespannte Lage. Vor allem die zuletzt stark gestiegenen Energiekosten machen den Unternehmen Kopfzerbrechen. „Jedes dritte Unternehmen in Oberfranken will in erneuerbare Energien investieren, das ist deutlich mehr als im Bundesgebiet“, sagt Gabriele Hohenner, Hauptgeschäftsführerin der IHK für Oberfranken Bayreuth,

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Auch die Brauerei Maisel ist von den Energiepreissteigerungen betroffen. Derzeit nutzt die Brauerei Erdgas und Strom. Auf den momentan noch im Bau befindlichen Gebäuden der Logistikhalle und des Office werden Photovoltaik-Anlagen installiert, die ab den Sommer-/Herbstmonaten zum Einsatz kommen werden. Doch die Brauerei hat nicht nur mit den Kosten für Gas und Strom zu kämpfen. „Wir sind auch mit zum Teil massiven Preissteigerungen unserer Zulieferer konfrontiert. Auch unsere Lieferanten haben allesamt mit höheren Kosten zu kämpfen, die sie natürlich an die Kunden, also uns, weitergeben müssen. Beispielsweise ist die Glasherstellung sehr energieintensiv, dadurch haben sich die Preise für Neuglas drastisch erhöht. Auch der Stahlpreis steigt und damit auch die Kosten für Kronkorken oder Ersatzteile für Maschinen. Besonders heftig fällt die Preiserhöhung bei Weizen aus – innerhalb von nur drei Monaten wurde er um 200 Prozent teurer“, so Jeff Maisel, Geschäftsführer der Brauerei Maisel.

Preiserhöhung schmerzt

Weiter Bier produziert werden muss trotzdem, auch wenn die Preiserhöhung natürlich schmerzt. Jeff Maisel: „Wir haben in Kooperation mit dem Institut für Energietechnik (IfE GmbH an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden) bereits 2020 ein Gesamtenergiekonzept erstellt und arbeiten auf das große Ziel der Klimaneutralität hin, was aber noch einige Jahre dauern wird. Mit unserem Energiekonzept optimieren wir die Energieversorgung unserer Brauerei, denn wir handeln in Mitverantwortung für unsere Umwelt und der schonende Umgang mit den Ressourcen ist für uns selbstverständlich. In der Vergangenheit konnte unsere Familienbrauerei durch verschiedenste Maßnahmen bereits eine Reduzierung von Energie- und Rohstoffverbrauch erreichen.“
„Je höher die Energiepreise bei der Produktion sind, desto höher ist dann auch der Preis für das Endprodukt. Ist ja eigentlich logisch. Wir haben mit unseren Lieferanten partnerschaftliche, mittelfristige Preisabsprachen getroffen, bevor das aktuelle
Krisenszenario absehbar war“, so Jeff Maisel. Allerdings denkt auch er, dass diese Preisabsprachen durch die Lieferanten nicht mehr einzuhalten sind. „Sollte das der Fall sein, wären wir gezwungen, die Preisvereinbarungen mit unseren Kunden ebenfalls entsprechend anzupassen“.

Matthias Hanitzsch, Prokurist und kaufmännischer Leiter bei der Weberei für Möbel- und Dekorationsstoffe Rohleder in Konradsreuth bei Hof, sagt gegenüber der Sonntagszeitung: „Natürlich belasten die Mehrkosten unseren Betrieb. Energie beziehen wir aus verschiedenen Quellen: Strom, Gas und Heizöl. Strom kaufen wir über die Strombörse in einzelnen Tranchen. Für das laufende Jahr haben wir bereits in 2021 zu relativ guten Konditionen eingekauft, so dass uns aktuell die Preissteigerung mit ,nur‘ zirka acht Prozent trifft. Bei Gas und Öl sind die Steigerungen mit zirka 15 Prozent deutlicher. Zum Glück haben wir da weniger Verbrauch.“ Die Mehrkosten belasten Unternehmen erheblich, so Matthias Hanitzsch. Die gestiegenen Energiekosten wird jedes Unternehmen an seine Kunden weiterreichen, aber das funktioniere nicht eins zu eins. „Wenn wir Produkte nicht mehr zu einem bestimmten Preis produzieren können, aber jemand im Ausland kann das leisten, wird das für Textilunternehmen in Deutschland irgendwann existenzgefährdend, denn dann wird sich der Markt verschieben.“

gmu/jm