Lokalnachrichten in Bayreuth: Die Vielfalt jüdischen Lebens

BAYREUTH. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Bayreuth-Oberfranken hat in der vergangenen Woche vor dem Rathaus eine Solidaritätsbekundung gegen Hass und Antisemitismus, für den Staat Israel und für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland organisiert. „Die flächendeckenden Raketenangriffe auf die israelische Bevölkerung sind ein Kriegsverbrechen“, so Robert Eichler, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bayreuth-Oberfranken. „Unsere Stadt Bayreuth muss unverrückbar an der Seite Israels stehen.“

Seit 1966 setzt sich die Deutsch-Israelische Gesellschaft e.V. (DIG) für die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel in den Bereichen Zivilgesellschaft, Kultur und Wissenschaft, ein. Organisatorisch besteht die DIG aus verschiedenen regionalen Arbeitsgemeinschaften. 2016 wurde die Arbeitsgemeinschaft Bayreuth-Oberfranken gegründet, Robert Eichler war von Anfang an dabei.

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BTSZ: Welche Ziele verfolgt die DIG?
Robert Eichler: Zentrales Anliegen der Deutsch-Israelischen Gesellschaft ist es, die menschlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Verbindungen und das gegenseitige Verständnis zwischen Deutschen und Israelis zu verbessern und weiterzuentwickeln. Dies geschieht vor allem durch Bildungsveranstaltungen und andere zivilgesellschaftliche Aktivitäten, kurzum: durch bürgerschaftliches Engagement. Wir treten dafür ein, daß dem Staat Israel und seinen Bürgern Frieden, ein Leben in anerkannten und sicheren Grenzen sowie in wirtschaftlicher und sozialer Sicherheit zugestanden werden. Daneben bilden auch die Solidarität mit und die besondere Nähe zu unseren jüdischen Mitbürgern ein zentrales Element. Wir betonen gern, daß sich die DIG bei ihren Anliegen nicht von anderen internationalen Gesellschaften unterscheidet, von denen es erfreulicherweise eine große Vielzahl gibt und mit denen wir uns in den übergeordneten Zielen – wie Völkerverständigung, interkultureller Dialog und Vermittlung von Informationen über Land und Leute – verbunden fühlen.

BTSZ: Wie kam es zu Ihrem persönlichem Engaement?
Robert Eichler: Familiär besteht bei mir kein jüdischer Hintergrund. Während meiner Zeit als CVJM-Mitglied bin ich jedoch oft in Israel gewesen. Als mich ein Freund ansprach, ob ich Gründungsmitglied der AG Bayreuth-Oberfranken werden möchte, habe ich zugesagt.

BTSZ: Wie können Solidaritätsbekundungen angesichts jüngster antisemitischer Ausschreitungen und der massiven Raketenangriffe der radikal-islamischen Hamas vor Ort aussehen?
Robert Eichler: Gerade im Hinblick auf die historisch besondere Beziehung Bayreuths zu deutschen Jüdinnen und Juden, stünde es unserer Stadt gut, sich klar auf der Seite Israels zu positionieren. Und zwar durch das Zeigen der israelischen Flagge am Bayreuther Rathaus, wie das schon viele historisch weniger belastete Städte in ganz Deutschland getan haben. Dazu haben wir den Stadtrat und Oberbürgermeister aufgefordert. Wichtig wäre uns, daß die Stadt durch eine gemeinsame Erklärung ein Zeichen setzt, um sich von der gegenwärtig mehr als unausgewogenen Parteinahme für die Terrororganisation Hamas und radikal-islamische Palästinenser abzugrenzen. Bei unserer Veranstaltung auf dem Luitpoldplatz am vergangenen Mittwoch gab es dazu Gelegenheit: Zahlreiche Bayreuther zeigten sich durch ihre Unterschrift spontan solidarisch und stellten sich so gegen jede Form von Antisemitismus und Israelfeindlichkeit.

jm/gmu