BAYREUTH . Das historische Gebäude des Evangelischen Kindergarten Kreuz in der Fröbelstraße aus dem Jahr 1928 wird derzeit abgebrochen. Es weicht einem den heutigen Anforderungen entsprechendem Neubau der Diakonie mit wesentlich höherer Kapazität.
Pfarrer Loy von der Stadtkirchengemeinde plädierte vor über 90 Jahren für den Bau eine „Kinderschule“ im Bereich des Stadtteils Kreuz. Der „Evangelische Kinderschulverein Kreuz“ wurde Eigentümer des Grundstücks und errichtete das Gebäude im Jahr 1928. Die offizielle Bezeichnung war damals Bewahrungskindergarten unter Leitung von Frieda Conrad.
Die zwischen 50 und bis zu 100 betreuten Kinder in den zwei Sälen mussten teilweise ihre Sitzgelegenheiten mitbringen. In den bitterkalten Wintermonaten 1928 und 1929 kamen sie in Decken eingehüllt, um sich tagsüber aufzuwärmen, da daheim das Heizmaterial knapp war und gespart werden musste. Die offizielle Einweihung erfolgte daher erst 1929 bei wärmerem Wetter. Die Kindergartengebühren betrugen 30 Pfennig pro Kind und 50 Pfennig für Geschwister.
Nach der Machtergreifung der Nazis wollte Mitte Oktober 1938 die Volkswohlfahrt der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei das Gebäude für ihre Kinderzwecke kassieren, da es damals das schönste seiner Art in Bayreuth war. Im Handstreich wurde daraufhin am 19. Oktober 1938 abends der Kirchenvorstand einberufen und ein Beschluss zum Kauf des Grundstücks samt Gebäude gefasst. Am Folgetag legte Pfarrer Anton Glaser den Kaufvertrag der Evangelischen Kirchengemeinde vor, der notariell bestätigte wurde. Nach Drohungen der Nazis kam es im November sogar zu einer polizeilichen Sperrung des Kindergartens, die aber kurz danach wieder aufgehoben wurde. Im April 1945 wurde der Kindergarten durch alliierte Luftangriffe und zu allem Unglück auch noch das Dach durch einen Hagelregen beschädigt. Bis zur Reparatur des Gebäudes stand der Kindergartenleiterin Hella Rösner nur ein Saal zur Betreuung der Buben und Mädchen zur Verfügung, gleichzeitig war der Andrang sehr groß. Schließlich übernahm die Diakonie die Trägerschaft, ein Anbau auf dem Gelände wurde errichtet und es liefen diverse Sanierungen. Da im Gebäude an der Fröbelstraße nur zwei Gruppen mit je 25 Kindern betreut werden konnten, wurde die Kindertagesstätte Herzogmühle bis 2015 zusätzlich betrieben. Seit der Schließung dieser Einrichtung befindet sich die Zweigstelle der Kita Kreuz in Meyernberg. Monika Dahms leitet die Kita Kreuz samt Zweigstelle seit September 1987. Da das Gebäude in die Jahre gekommen war, ergaben Untersuchungen schließlich, dass nur ein Abriss und Neubau einer behördlichen Schließung entgegenwirken konnte. Alle Bemühungen des Eigen-tümers scheiterten seit 2015 aus finanziellen Gründen. Nach fast drei Jahren Planungen der Diakonie zum Kauf des Areals und einem Neubau erfolgte im April diesen Jahres grünes Licht der Stadt für deren erforderliche Zuschüsse. Der Kaufvertrag wurde abgeschlossen. Die Diakonie kann im Neubau 113 Betreuungsplätze in der Fröbelstraße zur Verfügung stellen. Im Frühjahr wurden heuer zwar die Bäume im Gelände gefällt, der Kindergartenbetrieb lief aber bis Mitte September weiter. Danach erfolgte der Umzug der Kinder in die Ausweichcontainer im Seckendorffweg. Die Betreuung in den Containern wird bis zur Fertigstellung des Neubaus im kommenden Jahr andauern. kpv