BAYREUTH. Wenn das Jahr zu Ende geht, gehört er auf vielen Tischen ganz selbstverständlich dazu: der Krapfen – oder Berliner, Pfannkuchen, Kreppel. Kaum ein anderes Gebäck ist so eng mit dem Jahreswechsel verbunden. Noch bevor gute Vorsätze gefasst sind, wird zugegriffen. Es ist ein stilles Ritual, süß und bodenständig zugleich.
Seine Wurzeln reichen weit zurück. Bereits im Mittelalter wurden in Fett ausgebackene Teigstücke als Festtagsgebäck zubereitet. Zucker war kostbar, Fett ein Luxus – beides blieb besonderen Anlässen vorbehalten. Der Jahresanfang, traditionell als Schwelle zwischen Altem und Neuem verstanden, bot dafür den passenden Rahmen. Der Krapfen stand sinnbildlich für Wohlstand, Glück und einen guten Start. Wer süß ins Jahr ging, so der Glaube, dem sollte es an Süße im Leben nicht fehlen.
Mit der Zeit entwickelte sich aus dem einfachen Schmalzgebäck eine regionale Vielfalt, die bis heute für Diskussionen sorgt. Im Süden heißt er meist Krapfen, in Berlin Pfannkuchen, in anderen Gegenden Berliner oder Kreppel. Gemeint ist stets dasselbe: ein lockerer Hefeteig, goldgelb ausgebacken, mit Zucker bestäubt. Die Unterschiede liegen im Detail – und im Namen, der oft mit lokalem Selbstverständnis verteidigt wird.
Auch bei den Füllungen zeigt sich Wandel. Klassisch ist die Marmelade, meist aus Hagebutten oder Johannisbeeren. Doch längst haben Vanillecreme, Eierlikör, Nougat oder Schokolade Einzug gehalten. Mancherorts werden zum Jahreswechsel sogar Senf-Krapfen serviert – als augenzwinkernde Überraschung.
So ist der Krapfen mehr als nur ein Gebäck. Er verbindet Generationen, Regionen und Zeiten. Während draußen das Jahr wechselt, wird drinnen gebissen, gelacht und geteilt. Ein süßer Anfang – und ein Ritual, das sich hartnäckig hält.