“Ich bin süchtig nach Wagners Werken”

BAYREUTH. Der 42-jährige österreichische Opernsänger Günther Groissböck studierte Gesang an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Bei den Bayreuther Festspielen steht er in diesem Jahr in zwei Inszenierungen auf der Bühne.

BTSZ: Sie stehen in diesem Jahr als Ritter Gurnemanz im Parsifal und als Nürnberger Goldschmied Veit Pogner, der in der aktuellen Bayreuther Meistersinger-Version optisch Franz Liszt ist, auf der Bühne. Wie unterschiedlich sind die Herausforderungen der Partien an den Sänger?
Günther Groissböck: Das geht ganz gut zusammen. Von der Stimmlage her sind es Paraderollen für mich. Die Rolle des Gurnemanz in Parsifal ist wesentlich umfangreicher, als die des Pogner. Die Länge mag eine Herausforderung sein. Vielleicht auch die szenische Darstellung. Gurnemanz ist ein würdevoller und getragener Ritter. Das zeigt sich vor allem im dritten Akt, der in dieser Inszenierung etwas Gottes-
dienstartiges hat. Veit Pogner hingegen ist aktiv und produktiv. Ich muss dennoch keinen Hebel umschalten, dafür sorgen auch die verschiedenen Bühnenbilder und Kostüme.

BTSZ: Wie wird man zum Wagner-Interpreten?
Günther Groissböck: Nötig ist eine entsprechende Stimm lage, die weiter entwickelt werden muss. Es braucht Hingabe und Liebe für diese alte deutsche Sprache, die Richard Wagner verwendet. Das Ergebnis der Verbindung von Texten und Musik in seinen Werken ist nahezu poetisch. Ich bin nach Wagners Werken praktisch süchtig.

BTSZ: Richard Wagner selbst entwickelte die Idee, den Kern des Religiösen durch Kunst zu verdeutlichen. Die Parsifal-Inszenierung wurde zunächst kritisiert, islamfeindlich zu sein. Sie stehen als Gurnemanz in dieser Parsifal-Inszenierung auf der Bühne, die Produktion endet am Ende der Festspielzeit. Was bleibt da in Erinnerung?
Günther Groissböck: 2016 war ich noch nicht dabei. Erst 2018 und 2019 habe ich die Partie des Gurnemanz übernommen. Ich kann die Entwicklung der Produktion nur mit einem gewissen Abstand bewerten. Mit den religiösen Bildern habe ich kein Problem. Oftmals braucht der Zuschauer starke, vielleicht harte Bilder, um aufgeweckt oder berührt zu werden. Wenn eine Produktion endet und die Bühnenteile
verschrottet werden, ruft das schon Wehmut hervor.

 

 

BTSZ: Wie haben Sie Ihr musikalisches Talent entdeckt und, vor allem, wann haben Sie erkannt, dass die Musik von Richard Wagner ihrer Stimme gut liegt?
Günther Groissböck: Ich habe mich früh für Musik interessiert, ohne dass ich von meinen Eltern unter Druck gesetzt wurde. In unserer Plattensammlung waren Musikabschnitte der Opern Tannhäuser und Lohengrin zu finden. So bin ich behutsam in die Welt der klassischen Musik eingetaucht.

BTSZ: Ihre Stimmlage ist Bass. Gibt es da eine gewisse Eifersucht auf Tenöre, die oft größere Rollen ausfüllen und wegen deren Erfolgen bei Frauen – auch wenn die Liebenden gerade in Wagner-Opern nicht zusammen kommen?
Günther Groissböck: Nein, gerade bei Wagner sind die Figuren meiner Stimmlage die zentralen Rollen.

BTSZ: Sie beherrschen auch den König Heinrich aus Richard Wagners Lohengrin. Würden Sie diese Partie gerne auch in Bayreuth singen?
Günther Groissböck: Natürlich, ich habe schließlich Ambitionen, bin ehrgeizig und übernehme jedes Engagement, das ich kriegen kann. Wenn Bayreuth ruft, bin ich da.

 

 

BTSZ: Was macht die Bayreuther Festspiele so besonders?
Günther Groissböck: Die Bayreuther Festspiele sind die Mutter aller klassischen Musikfestivals. Nirgendwo anders spürt man die Nähe zum Werk so wie in Bayreuth.
Bei meinen Signierstunden in den Pausen freue ich mich über den beseelten Ausdruck in den Gesichtern der Zuschauer. Beim Gang durch das Haus ist der Geist Richard Wagners spürbar.

BTSZ: Wie weit im Voraus ist Ihr Terminkalender gefüllt?
Günther Groissböck: Ich vereinbare inzwischen Termine bis vier Jahre im Voraus. In der neuen Ring-Produktion in Bayreuth ab dem kommenden Jahr bin ich als Wotan auf der Bühne und auch da habe ich einen Vertrag bis 2024 unterschrieben.   gmu