HaSpo Bayreuth: „Wir sind der Underdog, aber wir können bestehen“

BAYREUTH. HaSpo Bayreuth befindet sich aktuell in der Vorbereitung auf die neue Drittligasaison. Der Aufsteiger wird von Mathias Bracher, der bereits zwischen 2013 und 2016 die Mannschaft betreute, trainiert. Wir haben uns ausführlich mit dem Trainer unterhalten.

 

BTSZ: Sie sind jetzt wieder zurück in Bayreuth. Wie fühlt es sich an, hat sich der Verein groß verändert?

Mathias Bracher: Das ist schon ein schönes Gefühl, wieder hier zu sein. Ich war in den vergangenen Jahren auch ein paar Mal als Gast in der Halle. Obwohl ich viele Jahre in Erlangen war, ist es hier für mich auch ein bisschen wie nach Hause kommen. So viel verändert hat sich nicht, ich sehe hier nach wie vor eine sehr gute Atmosphäre, der Umgang miteinander ist sehr angenehm. Rund um die Mannschaft ist allerdings alles deutlich professioneller geworden. Viele Dinge im Training wurden ritualisiert, wie beispielsweise das Aufwärmen. Das war früher nur bedingt so. Da hat das Trainerteam in den vergangenen Jahren hier schon viel erreicht.

 

BTSZ: Durch die Corona-Pause war für die Spieler lange kein Training möglich. Nun läuft die Vorbereitung. Was macht die Mannschaft für einen körperlichen Eindruck?

Mathias Bracher: Das Team macht einen richtig guten Eindruck. Da gilt mein besonderer Dank auch Alex Daut, der als Athletiktrainer den Jungs täglich eine Botschaft mit einem Auftrag gesendet hat. Die Spieler haben das dankbar angenommen. Es ist immer besser, etwas Konkretes aufzugeben, als nur zu sagen: Haltet euch selbst mit Lauf- und Kraftübungen fit. Die Jungs wirken alle sehr fit und motiviert, ich bin begeistert.

 

BTSZ: Die Heimspielstätte Schulzentrum-Ost ist noch bis Mitte Juli geschlossen. Dies ist sicherlich eine große Einschränkung?

Mathias Bracher: Wir können  das Athletiktraining schon im Freien machen. Aber prinzipiell ist es natürlich schlecht, wenn die Halle so lange zu ist. Bisher ist es nicht so ins Gewicht gefallen, weil die gesetzlichen Bedingungen die Hallennutzung ohnehin verboten haben. Gerade wir als Aufsteiger haben genug im Training und für die Saisonvorbereitung zu tun und würden die Halle gerne nutzen.

 

BTSZ: Was steht aktuell auf dem Trainingsplan?

Mathias Bracher: Wir müssen sehen, dass wir körperlich für die Liga ein wenig zulegen. Deswegen ist es der Plan, die Kondition aufzubauen oder zu erhalten. Schnelligkeit und Spritzigkeit kommen dann etwas später, erst in den letzten zwei, drei Wochen vor der Saison. Die Planung ist deswegen auch schwierig, weil wir nicht genau wissen, worauf wir hin planen. Wir wissen nicht, in welche der vier Drittligastaffeln wir eingeteilt werden, wie viele Mannschaften mitspielen und vor allem, wann es genau losgeht.

 

BTSZ: Kommen wir zum Sportlichen. Welche Spielidee gibt es für die kommende Saison?

Mathias Bracher: Ich denke, wir werden im Prinzip schon bei unserer Grundphilosophie bleiben, die hat sich seit meiner letzten Amtszeit auch nicht verändert. Was sich geändert hat, ist das Abwehrsystem, eine sehr aggressive, offensive Abwehr. Wichtig wird sein, dass man ein zweites Abwehrsystem trainiert – aber das braucht Zeit. HaSpo hat in den vergangenen Jahren fast nur eine 3-2-1-Abwehr gespielt, da gibt es in der 3. Liga schon Spieler, die eine solche Abwehr eher aushebeln können als Akteure in der Bayernliga. Es ist wichtig, noch eine alternative Abwehrformation zu beherrschen. Ansonsten versuchen wir, mit läuferischer Stärke den ein oder anderen Nachteil gegen etablierte Mannschaften auszugleichen, das muss das Ziel sein. Wir wollen auch viel über Ballgewinne und Gegenstöße erreichen.

 

BTSZ: Was ist in der 3. Liga möglich?

Mathias Bracher: Das ist schwer einzuschätzen, es wird nicht leicht werden. Ich habe auch an der zweiten Mannschaft des HC Erlangen vergangene Saison gesehen, dass sie gegen den Abstieg gekämpft hat. Das war eine sehr erfahrene Mannschaft, sie haben sich in der 3. Liga schwer getan, es waren enge Spiele. Wichtig wird sein, dass wir gut in die Saison reinkommen und früh Punkte sammeln. Wir sind zwar der Underdog, aber wir können durch mannschaftliche Geschlossenheit, Kampfgeist und die Euphorie des Aufstieges bestehen. Ich denke aber, dass es bis zum Schluss ein Kampf sein wird. In der Liga gibt es natürlich auch Mannschaften, die in den professionellen Handball aufsteigen wollen. Es gibt wohl keine Mannschaft mit demselben niedrigen Budget wie HaSpo Bayreuth.

 

BTSZ: Angenommen, Sie dürften sich eine Schlagzeile für den kommenden Sommer wünschen. Wie würde diese lauten?

Mathias Bracher: Für meine Nerven würde ich mir wünschen: HaSpo schafft souverän den Klassenerhalt. Ansonsten nehme ich auch: HaSpo kann in einem Herzschlagfinale die Liga halten. Das mögliche Finale in der vergangenen Saison gegen Günzburg, das den Jungs durch das Virus geklaut wurde, wäre schon ein Highlight gewesen. Das letzte Saisonspiel in einer vollen Halle und es geht um alles. Solche Spiele vergisst du dein Leben nicht. Deswegen würde ich den Jungs so eine Partie mit positivem Ausgang schon wünschen. Das sind nämlich die Spiele, an welche man sich gerne erinnert.

Das Interview führte Mirko Strässer.