Günstigere Bustickets oder gar umsonst? – Die Meinung der OB und ihrer Herausforderer

BAYREUTH. Im Teil 2 unserer großen Umfrageserie zur OB-Wahl geht es um den ÖPNV und das Thema Preise für Bustickets. Hier die Antworten:

Brigitte Merk-Erbe (BG):
Selbstverständlich kann man über einen kostengünstigeren oder auch kostenlosen Busverkehr im Zusammenhang mit Klimaschutz nachdenken. Aber ich will geklärt haben, wie dies finanziell erreicht werden soll. Kostenloses Busfahren bedeutet ja nicht, dass Busfahren nichts kostet, sondern es bedeutet, dass die Allgemeinheit die Kosten trägt. Auch ist zu fragen, ob es gerecht und sinnvoll ist, wenn Menschen aus den Nachbargemeinden für den Bus zahlen sollen und jene, die in der Stadt wohnen, nicht. Kostenloses Busfahren hat ja vor allem dann Auswirkungen auf das Klima, wenn es insbesondere auch den Menschen in der Region, beispielsweise den Pendlern angeboten und von diesen genutzt wird. Kostenloses oder verbilligtes Busfahren für Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bayreuth ist keine Lösung für das Problem, dass die Menschen aus dem Umland auf das Auto nicht verzichten können.

Thomas Ebersberger (CSU):
Um eine bessere Akzeptanz des Nahverkehrsangebots zu schaffen und die Umweltbelastung zu reduzieren, müssen die Fahrpreise des Stadtverkehrs gesenkt werden. Es geht nicht darum, die Vergünstigungen nur an bestimmten Tagen anzubieten, sondern dauerhaft. Um einen Anreiz zu schaffen, hat die CSU-Fraktion bereits im Dezember einen Antrag gestellt, ab 2021 den Preis für ein Jahresticket für Schüler und Auszubildende auf 100 Euro und für Erwachsene auf 200 Euro im Jahr zu senken. Derzeit verkaufen die Stadtwerke nur 835 Abos pro Jahr. Sollte sich aufgrund der Preissenkung die Anzahl der verkauften Jahrestickets um vielleicht 50 Prozent erhöhen, dürfte dies eine Belastung des städtischen Haushalts von etwa 450.000 Euro im Jahr nach sich ziehen. lm Hinblick auf die ökologische Bilanz, die Verbesserung der Parkplatzsituation in der lnnenstadt und die Erhöhung der Verkehrssicherheit sollte dieser Betrag investiert werden.

 

 

Andreas Zippel (SPD):
Neben der Forderung, endlich ein sicheres und komfortables Radwegenetz aufzubauen, ist der kostenlose ÖPNV unser langfristiges Ziel. Erster Schritt dahin: Kostenloser Busverkehr am Wochenende. So testen wir die Maßnahme und geben allen die Möglichkeit, damit positive Erfahrungen zu sammeln. Das stärkt das Innenstadt-
leben, den Konsum am Wochenende und schafft Bewegungs- sowie Freizeitmöglichkeiten auch für alle, die sich die Tickets nicht leisten können. Mehr Busverkehr hilft nämlich nicht nur dem Klima, sondern schafft Teilhabe für ALLE am Stadtleben! Dafür müssen die Busse aber auch nachts besser fahren – es nützt nichts, zu einer Veranstaltung hin-, aber nicht mehr zurückzukommen. Kostenloser Wochenendverkehr kostet uns ca. 700.000 Euro jährlich. Oder anders ausgedrückt: Ein Klohäuschen am Festspielhaus. Soviel sollte uns das Klima und Teilhabe aller wert sein. Geld ist da – der Wille auch!

Thomas Hacker (FDP):
Investieren wir in den Stadtbus der Zukunft! Mit einem Liniennetz, das die Bürger schnell und pünktlich ans Ziel bringt. Mit Bussen, die modernen Umweltstandards gerecht werden und mit Strom oder Wasserstoff betrieben werden, und mit frei verfügbarem WLAN, damit Busfahren Alt und Jung Spaß macht. Das gibt es nicht umsonst. Schon heute erwirtschaften die Verkehrsbetriebe der Stadt ein millionengroßes Defizit, streicht man die rund 10 Millionen Erlöse indem Busfahren kostenfrei wird, muss man auch erklären, wie man den Gesamtbetrag von über 15 Millionen Euro jährlich finanzieren will. Es drohen Einschränkungen der Busangebote und schlechtere, ältere Busse, weil Neuinvestitionen nicht mehr möglich sind. Wir Freien Demokraten wollen in die Umwelt investieren und deshalb den Stadtbus stärken. Moderne Busse reduzieren die Schadstoffe in der Stadt. Eine doppelläufige Ringlinie soll unserer bestehenden Liniennetz ergänzen und verbinden, von Meyernberg in die Saas oder von Laineck zum Roten Hügel nicht erst über den ZOH. Und wir wollen unseren Bayreuther Stadtbus nicht an den Grenzen der Stadt aufhören lassen, sondern die Menschen dort abholen, wo sie daheim sind. Auch aus Gesees, Neunkirchen, Mistelbach oder Eckersdorf.

 

 

Klaus Wührl-Struller (Bündnis 90/Die Grünen und Unabhängigen):
Mobilität ist eine entscheidende Größe für Beruf und Wirtschaft, wie auch für Freizeit und Lebensqualität. Das gilt es unbedingt zu erhalten. Andererseits ist unsere derzeitige Form der Mobilität einer der ganz großen Klimaschädlinge. Das gilt es dringend zur reduzieren. In diesem Spannungsfeld gewinnen Radfahren und der ÖPNV eine überragende Bedeutung. Die Busse in Bayreuth decken für eine Mittelstadt die Mobilitätsbedürfnisse eines großen Teiles der Bevölkerung gut ab. Es gilt, Lücken im Takt und Mängel in den Randzeiten zu optimieren. So können wir den ÖPNV fördern und eine wesentlich stärkere Nutzung erreichen. Kostenloses Busnutzung am Samstag ist eine niederschwellige Möglichkeit, vielen Menschen die Vorzüge der Busnutzung praktisch nahezubringen. Die konkrete Finanzierung muss im jährlichen Haushaltsplan festgelegt werden, da gibt es genügend Möglichkeiten. Zu nennen wäre hier beispielsweise ein vollkommen überflüssiger Verkehrslandeplatz und dessen jährliches Defizit von über 400.000 Euro.

Stefan Schuh (Junges Bayreuth e.V.):
Wir vom Jungen Bayreuth haben kostenfreies Busfahren für alle Kinder und Jugendliche beantragt und erreicht, dass es nun zumindest einen Zuschuss von 15 bis 20 Euro für Monatskarten gibt. Beim Verkehr der Zukunft aber nur an unsere Stadtbusse zu denken, offenbart Ideenlosigkeit und politischen Stillstand. Nur an der Stellschraube des Fahrpreises zu drehen, das ist nichts weiter als herumdoktern an Symptomen. Statt ewig über Preise zu streiten, sollten wir die Qualität öffentlicher Verkehrsmittel verbessern! Warum schicken wir stündlich leere Busse auf das Land, wenn per App flexiblere, schnellere, günstigere und umweltfreundlichere Alternativen auf Abruf bereitstehen könnten? Warum müssen alle Busse immer den ZOH anlaufen, aber wir können nicht direkt von Stadtteil zu Stadtteil fahren? Das Resultat: Wir schneiden äußere Stadtteile und den Landkreis von der Innenstadt

Gert-Dieter Meier (Die Unabhängigen):
Wir müssen es schaffen, mehr Menschen dazu zu bewegen, ihr Auto in der Garage zu lassen und auf Busse, Züge und Rad umzusteigen. Dafür muss der Busverkehr attraktiver werden. Wenn ich eine kleine Ewigkeit brauche, um von einem Stadtteil zum anderen zu kommen, wenn ich am Wochenende oder nachts überhaupt nicht zum Ziel komme, dann ist das kein Anreiz. Wenn es am Stadtrand oder in den Umlandgemeinden keine Parkmöglichkeiten für Pendler gibt, ist das kein Anreiz. Wir müssen das Angebot ausbauen, gerade auch in den Abend- und Nachtstunden sowie an besonderen Tagen (Bürgerfest, Silvesternacht). Zudem müssen wir mit einem Ringverkehr für schnelle Verbindungen sorgen. Wir müssen über kostengünstigere Alternativen (Bus kommt auf Anruf) nachdenken. Insgesamt plädieren wir Unabhängigen dafür, dass der Busverkehr kostenlos werden muss, zunächst für Schüler, Auszubildende und Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, wollen wir mit der Klima-Herausforderung fertig werden. Das sollte gerade junge Menschen an Busse binden. Wenn es gelingt, über niedrigere Preise die ÖPNV-Nachfrage zu erhöhen (was in anderen Städten funktioniert), schafft das einen Ausgleich. Wenn es politischer Wille ist, dass mehr Menschen Busse und Bahn benutzen, dann müssen wir uns das auch etwas kosten lassen.