Dr. med. Stephan Fuchs
Facharzt für Orthopädie und Schmerztherapeut,
Sportarzt, physikalische Therapie,
Diplom-Osteopath der DAAO.

Bereits aus meiner chirurgischen Grundausbildung war ich Knochen- und Bandverletzungen gewohnt, die typischerweise Sonntag Nachmittag nach einem oftmals erfolgreichen Spielbetrieb auf den Fussballplätzen die Notaufnahme füllten.

Im Verlauf der Praxistätigkeit ist das Phänomen Verletzung und Überlastung, gerade des Jugendlichen, im Sport wesentlich komplexer geworden.

 

Neben typischen, in der breiten Öffentlichkeit bekannten Verletzungsmustern gibt manchmal ein Fall auch Rätsel auf, und ein etwas genaueres Hinschauen lohnt sich. So kennt jeder die Außenbandverletzung des Volleyballspielers, den Kreuzbandriss der Skifahrerin, die Schulterverletzung des Handballers. Weniger bekannt sind Ermüdungsbrüche durch Überlastung.

Eine übersehene Fraktur am komplizierten Ellenbogengelenk, an einem im üblichen Röntgenbild oft schwer zu beurteilenden Mittelfußknochen oder ganz klassisch am Kahnbein der Hand oder eine gerade stattfindende Auflösung des Wirbelbogens mit der möglichen Folge eines Wirbelgleitens sind nicht nur
anekdotische Raritäten aus dem Lehrbuch.

Zusätzlich kompliziert die Biomechanik des heranwachsenden Skeletts, bei dem Kapsel und Bänder oftmals stabiler sind als im Wachstum befindliche Knochen, die Einschätzung des Schadens.

Da die Blutversorgung bereits durch den Wachstumsprozess an ihrer Leistungsgrenze arbeitet, genügt manchmal ein klein wenig an zusätzlicher Belastung, und Knochensubstanz geht zugrunde.

 

Allgemein bekannt ist die sogenannte Osteonekrose der Schienbeinrauhigkeit – Morbus Oosgood-Schlatter. Derartige Probleme gibt es aber an vielerlei Stellen des Skeletts.

Zu bedenken sind auch psychologische und gruppendynamische Hintergründe. Nicht jeder der jungen Sportler ist gewillt, dem Arzt reinen Wein einzuschenken, was den eventuellen Unfallhergang oder das tatsächliche Ausmaß der Beeinträchtigung im Alltag betrifft. Nur zu gut weiß die oder der eine oder andere, dass eine Sportpause droht.

Ist dann eine Diagnose gestellt, gilt es, das angemessene Therapieverfahren, sei es operativ oder nicht operativ, zu wählen und auch zugänglich zu machen. Die betroffenen Gewebe des menschlichen Körpers haben ganz unterschiedliche Anforderungen an die Heilung.

Manches muss ruhiggestellt werden, manches bedarf gezielter Kräftigung und Stabilisierung durch Krankengymnastik – und immer gilt es, den Faktor Zeit zu nutzen.

Ist die Verletzung überstanden, so gilt es, im Training gesund zu bleiben.

Glücklicherweise gibt es in vielen Sportarten Bestrebungen der Verbände, Dauerschäden durch Sport zu vermeiden – zu nennen ist hierzu beispielsweise das Programm 11plus des DFB zur Kreuzbandprophylaxe.