Privatdozent Dr. med. Gerhard Weyandt,
Chefarzt der Klinik für Dermatologie der Klinikum Bayreuth GmbH.

Für Privatdozent Dr. Gerhardt Weyandt ist Haut Hauptsache. Er ist Chefarzt der Klinik für Dermatologie der Klinikum Bayreuth GmbH. Und er sagt: Sonne, sie ist Fluch und Segen zugleich.

BTSZ: Herr Dr. Weyandt, Ihre Aufgabe als Dermatologe ist es, vor den Risiken von zu viel Sonne zu warnen. Aber ist Sonne wirklich so schlecht für uns?
Dr. Weyandt: Wie bei vielen anderen Dingen im Leben ist es auch hier: Die Dosis macht das Gift. Ich will die Sonne nicht verteufeln. Sonne tut auch viel Gutes: Sie wirkt sich zum Beispiel positiv auf unsere Stimmung aus. Sie sorgt dafür, dass unser Körper vermehrt Serotonin produziert. Das wirkt wie ein hormoneller Glücksschub. Gleichzeitig reduziert sich das Melatonin im Körper, eine Art „Schlafhormon“, das liefert zusätzliche Energie. Dazu kommt als dritter Faktor die Wärme. Auch sie wird meist mit Wohlbefinden assoziiert.

 

BTSZ: Was bewirkt Sonne noch?
Dr. Weyandt: Durch die Sonnenwärme dehnen sich Blutgefäße aus, das senkt beispielsweise unseren Blutdruck. Auch der Cholesterinspiegel in unseren Blutgefäßen sinkt.

BTSZ: Bekannt ist auch, dass Sonne die Produktion von Vitamin D fördert. Warum ist das wichtig?
Dr. Weyandt: Vitamin D sorgt dafür, dass unsere Knochen Kalzium aufnehmen. Das stärkt die Knochenstruktur und verringert die Gefahr von Osteoporose. Die Sonne ist dabei der natürlichste Vitamin-D-Lieferant. Das heißt aber nicht, dass man sich stundenlang in der Sonne aufhalten sollte. Um die Vitamin-D-Produktion zu decken, reicht es, wenn etwa 20 Prozent der Haut etwa dreimal in der Woche für 20 Minuten Sonne „tanken“.

 

BTSZ: 20 Minuten, das ist länger als wir vermutet hätten…
Dr. Weyandt: Wir reden hier nicht von einem Sonnenbad für den gesamten Körper. Wer sich im Sommer gerne draußen aufhält, deckt diesen Bedarf automatisch. Körperregionen, die selten der Sonne ausgesetzt sind, wie Bauch und Rücken, sind deutlich empfindlicher. Hier reagiert die Haut schnell gestresst oder gar gereizt – mit allen negativen Folgen. Daher genügen in diesem Fall schon fünf Minuten Sommersonne. Auch das unterstützt bereits den Knochenaufbau – und die Haut wird weniger belastet. Der übrige Bedarf kann durch entsprechende Lebensmittel gedeckt werden. Fisch, Ei und Öl enthalten beispielsweise viel Vitamin D. Das ist vor allem in den Wintermonaten unerlässlich, denn dann reicht in unseren Breiten die Sonnenkraft zur Vitamin-D-Produktion nicht aus.

BTSZ: Sonne lässt die Haut altern. Die Gefahr, an weißem oder schwarzen Hautkrebs zu erkranken nimmt zu – tut Sonne auch unserer Haut auch Gutes?
Dr. Weyandt: In der richtigen Dosierung hat Sonne auch für die Haut durchaus heilende Wirkung. Beispielsweise bei Ekzemerkrankungen oder Schuppenflechte, wenn sie nur die Haut betrifft. Schuppenflechte ist eine Systemerkrankung, daher ist diese Unterscheidung wichtig.

 

BTSZ: Was ist denn die richtige Dosis?
Dr. Weyandt: Leider gibt es dafür keine Faustregel. Und das macht es schwierig. Wieviel Sonne gut tut, ist stark vom jeweiligen Hauttyp abhängig. Daher setzen wir in der Dermatologie auf kontrollierte Lichttherapie. Hier kann ich die Dosis genau anpassen und agiere nicht Pi-mal-Daumen. Beim Sonnenbad, besonders an Stellen, wo die Haut durch Krankheit ohnehin angegriffen ist, ist schnell der Schaden größer als der Nutzen.

Kontakt:
Privatdozent Dr. Gerhard Weyandt
MVZ Dermatologie
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E-Mail: mvz.dermatologie@klinikum-bayreuth.de