Fußball Bayreuth: Wurden Zuschüsse verschenkt?

BAYREUTH. Erfreuliche Nachricht für die Stadt Bayreuth: Aus dem Landesprogramm zum neuen Investitionspakt zur Förderung von Sportstätten 2020, über das die Bayreuther Sonntagszeitung im September unmittelbar nach der Auflegung berichtet hatte, erhält die Stadt Bayreuth 270.000 Euro für die Sanierung des Rasens im Hans-Walter-Wild-Stadion. Damit sind 90 Prozent der projektierten Sanierungskosten von 300.000 Euro finanziert.
Wäre da aber noch deutlich mehr gegangen?

„Entsetzt“ zeigte sich Dr. Wolfgang Gruber, Geschäftsführer des Fußball-Regionalligisten und Drittliga-Aspiranten SpVgg Bayreuth, im Gespräch mit der Bayreuther Sonntagszeitung. Angesichts des 90-prozentigen Zuwendungssatzes hätte laut Dr. Gruber neben der Erneuerung des Rasens und eines Teils der Drainage auch eine Rasenheizung und der Bau einer Flutlichtanlage für das Programm angemeldet werden sollen. Rasenheizung und Flutlicht seien zwingende Forderungen des DFB, wenn die Altstadt in die Dritte Liga aufsteigen will, wofür die Chancen derzeit nicht schlecht stehen. Dr. Gruber betonte, dass die 90-prozentige Bezuschussung eine einmalige Chance gewesen wäre. Bei der Erstellung des Zuschussantrages, der im letzten Moment vor Antragsschluss gestellt worden sei, wurde nicht einmal der fachlich eigentlich zuständige Sportamtsleiter mit einbezogen. „Ich habe auf die Notwendigkeit der Flutlichtanlage und der Rasenheizung schon im Frühjahr mit Nachdruck hingewiesen. Jetzt wurde Geld hergeschenkt“, so Dr. Gruber, der Oberbürgermeister Thomas Ebersberger ausdrücklich in Schutz nahm und auf den seiner Beobachtung nach „völlig desorganisierten und in sich zerstrittenen Verwaltungsapparat“ verwies, den der neue OB übernehmen musste.

Anzeige
Breizmann Edelmetalle

Oberbürgermeister Thomas Ebersberger erklärte im Gespräch mit der Sonntagszeitung, dass auch er eine höhere Fördersumme für das Hans-Walter-Wild-Stadion sehr begrüßt hätte. Allerdings hätte dafür der „alte“ Bayreuther Stadtrat in der im Frühjahr zu Ende gegangenen Wahlperiode die Weichen stellen müssen, indem die Rasenheizung mit geschätzten Kosten von 850.000 Euro und die Flutlichtanlage mit Minimumkosten von über einer Million Euro in den Haushalt 2020 aufgenommen worden wären. Eine zwingende Voraussetzung für eine Aufnahme in das Programm sei nämlich gewesen, dass die Maßnahmen beschlossen sind und im Haushalt stehen.
„Dies war leider nicht der Fall, ich war für die Aufnahme in den Haushalt, aber im alten Stadtrat fand dies leider keine Mehrheit“, machte der OB deutlich. Andererseits müsse man auch sehen, dass bei der Haushaltsverabschiedung Corona noch kein Thema war und das Zuschussprogramm nur wegen der Corona-Pandemie kurzfristig aufgelegt wurde.

„Nachdem die Erneuerung des Rasens und der Drainage jetzt zu 90 Prozent finanziert ist, wofür wir als Stadt sehr dankbar sind, werde ich in der Dezember-Sitzung des Bauausschusses massiv dafür plädieren, dass im Zuge der Rasenerneuerung im kommenden Frühjahr auch gleich die Rasenheizung mit eingebaut wird. Sonst müsste der Rasen, wenn die Heizung nach einem Aufstieg der Altstadt notwendig würde, wieder aufgegraben werden“, so Thomas Ebersberger.

Mittlerweile fand in Sachen „Drittligatauglichkeit“ des Stadions auch ein Gespräch mit dem DFB statt. „Da war ich im Gegensatz zu Dr. Gruber dabei“, erklärte der OB. Neben der Flutlichtanlage und der Rasenheizung müssten demnach im Falle eines Drittligaaufstieges auch vier voneinander separate Fanblöcke mit jeweils eigener Essens- und Getränkeversorgung sowie separaten Toilettenanlagen geschaffen werden. Bei der Flutlichtanlage müsse auch noch geklärt werden, ob die Leuchtkörper nach einer statischen Ertüchtigung an den Dächern der Tribünen befestigt werden können oder ob vier große Flutlichtmasten aufgestellt werden. Dann könnten die Kosten für die Flutlichtmasten auch bis auf 2,5 Millionen Euro steigen, so Thomas Ebersberger.
Nach einem Übergangsjahr müssten in der Dritten Liga alle geforderten baulichen Voraussetzungen im Stadion umgesetzt sein. „Das kostet einige Millionen Euro und wir müssen mit dem DFB über Einsparungen verhandeln, etwa ob in dem großen Stadionrund nicht auch drei abgegrenzte Fanblocks reichen“, so der Oberbürgermeister.

rs