Es ist mir eine Ehre, in Bayreuth zu sein

BAYREUTH. Nach Beendigung des Studiums wurde Petra Lang 1989, nach einem Vorsingen zu einem Meisterkurs, sofort ans Opernstudio der Bayerischen Staatsoper in München verpflichtet. Heute singt die Sopranistin an den großen Bühnen dieser Welt. In Bayreuth ist sie als Isolde in der aktuellen Tristan-Inszenierung von Katharina Wagner zu hören und zu sehen.

inbayreuth.de: Man kennt Sie in Bayreuth als Ortrud in der sehr erfolgreichen Ratteninszenierung „Lohengrin“ von Hans Neuenfels. Derzeit stehen Sie als Titelheldin in „Tristan und Isolde“, für die Katharina Wagner als Regisseurin verantwortlich zeigt, auf der Bühne. Wie
gehen Sie unterschiedliche Rollencharaktere an?

Petra Lang: Man benötigt schon einige Zeit der Entwicklung, um ein Rollenportrait zu erarbeiten. 1996 begann ich beispielsweise mit der Arbeit an Ortrud und sang sie 2003 erstmals konzertant beim Edinburgh Festival. 2006 fand dann die erste szenische Aufführung an der Wiener Staatsoper statt. Ich studierte früher meine Wagner-Partien auch mit Astrid Varnay ein, die selbst eine große Wagner-Interpretin war. Sie hat mir die Angst vor den großen Aufgaben genommen, Mut gemacht und mir gezeigt, meine Grenzen zu überwinden. Ich habe ihr viel zu verdanken. Das szenische Spiel ist abhängig von der Inszenierung und von der Persönlichkeit der Sängerin. Ortrud ist eine „böse“ Frau. Da finde ich mich persönlich nicht wieder. Anfangs fiel es mir schwer, mich in die Rolle hineinzufinden und wesentliche Charakterzüge auf der Bühne darzustellen. Die Wut, Rache und Verletzlichkeit der Isolde kann ich wesentlich besser nachvollziehen.

 

 

inbayreuth.de: Wie wird man zur dramatischen Wagner-Sängerin?
Petra Lang: Es stellte ich frühzeitig heraus, dass sich das Timbre meiner Stimme für das deutsche Repertoire eignet, so konnte ich eine gesunde Entwicklung über lyrische Partien ins dramatische Fach durchmachen.

inbayreuth.de: Wie viel körperliche Fitness ist für die Rolle der Isolde notwendig und wie motivieren Sie sich für diese große Aufgabe?
Petra Lang: Ich mache regelmäßig Gymnastik, Tai Chi und Kieser-Training und achte auf eine ausgeglichene Ernährung.

inbayreuth.de: Sie singen seit 2016 in Bayreuth die Isolde in der Inszenierung von Katharina Wagner und immer unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann. Wie stellt man sich auf den Dirigenten ein und wie viel Unterstützung kann man von ihm erwarten?
Petra Lang: Für mich als Sängerin ist es bei diesen langen Partien wichtig, dass ich mich wohlfühlen kann. Das kann, neben aller technischer Beherrschung, Grundlage dafür sein, wie ich den Abend gestalten kann. Christian Thielemann rollt vor den Sängern geradezu einen roten Teppich aus. Er weiß auch, wo und wie er helfen muss. Nicht ohne Grund ist er einer der führenden Wagner-Dirigenten und er kennt das Bayreuther Haus mit all seinen akustischen Vorteilen und Tücken. Für ihn steht das Werk im Mittelpunkt.

 

 

inbayreuth.de: In der Rolle der Brangäne standen Sie bereits neben Isolde auf der Bühne. Denkt man an frühere Aufführungen, wenn man inzwischen selbst die Titelrolle übernommen hat?
Petra Lang: Nach 19 Jahren als Brangäne auf der Bühne habe ich die Partie der Isolde übernommen. So konnte ich im Laufe der Jahre mit einigen berühmten „Isolden“ auf der Bühne stehen, sehr viel von ihnen lernen und so mein eigenes „Isolden-Bild“ ganz nah an Text und Musik kreieren.

inbayreuth.de: Man vergleicht ihre Stimme mit der von Martha Mödl, der Wagner-Sängerin schlechthin, und Ausnahmesängerin Birgit Nilsson. Macht das stolz?

inbayreuth.de: Meine alte Lehrerin
würde sagen, dass ich mich da in guter Gesellschaft befinde. Natürlich freue ich mich über diese Einschätzung. In den 1990er Jahren durfte ich Martha Mödl kennenlernen. Sie sagte zu mir, dass ich noch einen langen Weg vor mir hätte. Birgit Nilsson sagte mir einmal, nachdem sie meine Brangäne gehört hatte, dass man sich auch trauen müsse, einen Schritt weiter zu gehen. Worauf ich ihr sagte, dass man dazu auch bereit sein müsse und, um sie zu zitieren, die richtigen Schuhe tragen sollte.

 

 

inbayreuth.de: Sie sind auch gesangspädagogisch tätig, warum?
Petra Lang: Weil es mir Freude macht. Ich bin ausgebildete Musikpädagogin und habe während meiner Sängerlaufbahn immer wieder Kollegen bei „Gesangs-Fragen“ geholfen. Die Basisarbeit finde ich sehr wichtig und spannend und so werde ich ab September eine Dozentur für Hauptfach „Gesang und Klang-Entspannung“ in Darmstadt antreten. Im kommenden Jahr wird dann noch das Seminar „Psychologie für Musiker“ hinzukommen. Ich freue mich, meine Erfahrungen an die jungen Sänger weitergeben zu können.

inbayreuth.de Wie gehen Sie mit Kritik um?
Petra Lang: Es stellt sich die Frage, wie kann ich sie konstruktiv für den eigenen Fortschritt nutzen und sie dann das sein lassen, was sie ist: die persönliche Meinung einer Einzel-Person zu einem bestimmten Ereignis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Mein Wert als Mensch und Musikerin wird nicht durch eine Kritik bestimmt.

inbayreuth.de: Was macht die Bayreuther Festspiele so besonders?
Petra Lang: Für mich ist es immer eine Ehre, hier singen zu dürfen. Mir wird immer wieder klar, wie klein wir sind, verglichen mit der Leistung Richard Wagners. Er war nicht nur ein großer Komponist, sondern er hat auch den Bau „seines“ Festspielhauses realisiert, in dem nur seine Werke aufgeführt werden.

Tristan und Isolde“ im Festspielhaus: Freitag, 16. August, Dienstag, 20. August, Freitag, 23. August, Mittwoch, 28. August – Aufführungsbeginn jeweils 16 Uhr.

gmu