Elsa für eine Vorstellung

BAYREUTH. Umbesetzung der Umbesetzung für eine Aufführung: Krassimira Stoyanova wollte in diesem Jahr mit der Partie der Elsa im „Lohengrin“ ihr Debüt bei den Bayreuther Festspielen geben, musste ihre Mitwirkung aber bereits vor dem Beginn der Festspielzeit krankheitsbedingt, absagen.

Camilla Nylund übernahm, zusätzlich zu ihrem Engagement als Eva in den „Meistersingern“, die Partie. Nach nur einer Vorstellung am Freitag, 26. Juli, war erstmal Schluss. Auch sie erkrankte und sehr, sehr kurzfristig, so Festspielsprecher Peter Emmerich, sei Annette Dasch für die Vorstellung vergangenen Montag eingesprungen. Seine Ankündigung der Umbesetzung unmittelbar vor Aufführungsbeginn am Montag, 29. Juli, wurde vom Publikum mit großem Applaus entgegengenommen.

 

 

Die Berlinerin Annette Dasch zählt zu den führenden Sopranistinnen und ist weltweit in allen wichtigen Opernhäusern und auf Festivals zu hören und zu sehen. In diesem Festspielsommer hätte sie in Bayreuth nicht gesungen. Trotz der knappen Vorbereitungszeit übernahm sie die Partie, sowohl szenisch wie auch konzertant. Startenor Klaus Florian Vogt und Annette Dasch standen schon als Lohengrin und Elsa in Bayreuth wie auch in anderen Opernhäusern zusammen auf der Bühne. In der anerkannten „Ratten-Inszenierung“ von Hans Neuenfels von 2012 bis 2015 gaben beide im Bayreuther Festspielhaus das schmachtende Liebespaar.
In dieser vergangenen Inszenierung trug Elsa ein Schwanenkleid, in der aktuellen Bühnenversion in der Regie von Yuval Sharon wird sie gefesselt und kann nur knapp dem Tod auf dem Scheiterhaufen entgehen. In der aktuellen Inszenierung kommen, wie im Genre Oper derzeit so beliebt, keine Videoeinblendungen vor.

 

 

Immer wieder schön, das Blau eingefärbte Bühnenbild des Leipziger Maler-Ehepaares Rosa Loy und Neo Rauch. Wolkenformationen und Dünenlandschaften sorgen für Romantik. Die Inszenierung zeigt sich auch im zweiten Jahr nicht als Griff in die Mottenkiste, gleichwohl die Bewohner von Brabant als solche dargestellt werden.
Die Festspielbesucher waren von der stimmlichen Qualität der Besetzung begeistert. Der lyrisch-dramatische Sopran von Annette Dasch und die hervorragende Gesangsleistung von Klaus Florian Vogt wurden vom Bayreuther Publikum gefeiert. Glockenhell ertönte Lohengrins „Nun sei bedankt, mein lieber Schwan!“. Den frenetischen Applaus nach der Vorstellung nahm Annette Dasch sichtlich gerührt entgegen.
Auch Sopranistin Elena Pankratova als Ortrud, Tomasz Koniecznys als Telramund und Georg Zeppenfeld als Heinrich der Vogler und besonders das Dirigat von Christian Thielemann wurden vom Publikum gefeiert. Als der Dirigent vor den Vorhang trat, wollte der Jubel kein Ende nehmen. Christian Thielemann ist ein erfahrener Bayreuth-Dirigent, der die Tücken des Orchestergrabens kennt. Er hat, wie er am Vorabend der diesjährigen Premiere anlässlich des Festaktes zum 100. Geburtstag von Wolfgang Wagner verriet, viele Tipps von ihm erhalten.
Weltstar Anna Netrebko gibt heuer ihr Hügeldebüt als Elsa in den „Lohengrin“- Aufführungen am 14. und 18. August. gmu