Einblick in die Volksfrömmigkeit

BAYREUTH. Die Gottesmutter Maria wird traditionell als Schutzheilige Bayerns verehrt. Die entsprechende Volksfrömmigkeit hat eine lange Tradition. Auch im protestantisch geprägten Bayreuth gibt es mit dem „Mariengärtlein“ an der katholischen Schloßkirche einen Ort, der besonders auf die Marienverehrung eingeht und zudem mit seiner saisonal wechselnden Blütenpracht einen herrlichen Blickfang fürs Auge bietet.

Ideengeberin und Betreuerin des Mariengärtleins ist Barbara Zöller. Errichtet wurde es 2016 zur Bayreuther Landesgartenschau. Das Mariengärtlein war Station des Radweges „Weg der Besinnung“ durch die Innenstadt. „Das Patrozinium der Schloßkirche heißt ,Unsere Liebe Frau“ und im Gotteshaus steht eine barocke ,Traubenmadonna‘ über dem Altar. Der Bezug zur Gottesmutter ist also da.

Im Gartenkunstmuseum Schloss Fantaisie in Donndorf hat mich dann ein Druck des Gemäldes ,Paradiesgärtlein‘ eines oberrheinischen Meisters aus dem frühen 15. Jahrhundert zur Anlegung des Mariengärtleins inspiriert“, berichtet Barabara Zöller im Gespräch mit der Bayreuther Sonntagszeitung. Auf dem Bild sind neben Maria und dem Jesuskind einige Heilige, Tiere und vor allem 19 sehr realistisch gemalte und botanisch identifizierbare Pflanzen sowie ein Brunnen, aus dem Wasser geschöpft wird, zu sehen.

 


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Die Pflanzen des Gemäldes waren Grundlage für das Mariengärtlein, das auf städtischem Grund liegt und vom Stadtgartenamt, wie Barbara Zöller betont, hervorragend gepflegt wird.
Als wichtigste Marienblume gilt die Rose. Neben den Rosen mit Dornen gibt es auch Rosen ohne Dornen, die „Pfingstrosen“ zu bewundern. Die Rose war der Zweig, den sich Eva brechen durfte, bevor sie aus dem Paradies vertrieben wurde. Nach Überlieferungen der Volksfrömmigkeit wuchs der Zweig prächtig. Dies sah Luzifer und machte Dornen an die Rose, um diese als Leiter in den Himmel nutzen zu können. Der Herrgott sah dies und drehte die Dornen nach unten, so dass Luzifer abrutschte. Die Dornen wurden so auch ein Symbol der Sünde. Pfingstrosen ohne Dornen signalisieren daher besondere Reinheit, Unschuld und Sittlichkeit. Auch Lilien und Schwertlinlien sowie Maiglöckchen und Erdbeeren haben einen Bezug zur Gottesmutter. So steht die Madonnenlilie für die Reinheit und Jungfräulichkeit, die Schwertlilie steht für Trauer und Leid. Maiglöckchen stehen für Unschuld. Auch ein Sauerkirschbaum ist gepflanzt. Er steht mit seinen weißen Blüten für die Reinheit Mariens und mit seinen roten Früchten für die Passion Christi. Zudem gibt es einen Oliven-, einen Feigen- und einen Granatapfelbaum, der heuer allerdings nicht geblüht hat. Akelei, Goldlack, Marienblümchen, Duft-Veilchen, Mariendistel und ein Weinstock ergänzen die Bepflanzung des Gärtleins. Im Zentrum befindet sich ein Brunnen mit Wasser als „Quell des Lebens“. Das mit Informationstafeln versehene Mariengärtlein wird von den Passanten sehr gut als Stätte zum Verweilen angenommen.

Nächste Führungen
An fünf Terminen im Jahr lädt Barbara Zöller zu informativen Führungen durch das Gärtlein ein. Die beiden ersten Führungen waren heuer am 30. Mai,  am 5. Juli.

Nächste Führung ist am Mittwoch, 15. August, um 12.15 Uhr nach dem Festgottesdienst zu Mariae Himmelfahrt. Weitere Termine sind am 12. September um 15 Uhr (Mariae Namenstag) und am 5. Oktober zum Rosenkranzfest.

rs