Die Welt der Wilhelmine wiederfinden

Bayreuth. Das Neue Schloss der Eremitage wurde kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs im April 1945 nach Bombardierungen ein Raub der Flammen und unwiederbringlich zerstört. Bis zu diesem Zeitpunkt war ein Großteil der Innenräume noch original aus der Zeit von Markgräfin Wilhelmine erhalten. Der Bayreuther Heimatforscher Dr. Arno Kröniger nimmt sich in seinem neuen Buch »Das Neue Schloss der Eremitage: zerstört und vergessen – Eine Suche nach der Welt von Wilhelmine» dieses weithin bislang unerforschten Themas an.

Dr. Kröniger nähert sich dem Thema über alte Ansichtskarten und Abbildungen, die er in den vergangenen Jahrzehnten bei allen möglichen Gelegenheiten in Antiquariaten oder bei Flohmärkten entdeckt hat. Außerdem durchforstete er alte Fremdenführer seit 1880 und suchte nach alten Lageplänen und Planungsskizzen. Durch das Internet gab es in jüngerer Zeit weiter verbesserte Recherchemöglichkeiten.Dr. Arno Kröniger: Buch über das Neue Schloss in der Eremitage vor der Zerstörung am Ende des Zweiten WeltkriegsThematisch geht der Autor zurück bis ins Jahr 1745 zur Planung und zum Bau der Gartenanlage »Eremitage» mit Orangerie. Dargestellt werden Bau und Funktion der Anlage. Wohl in den Jahren 1750/51, unmittelbar nach der Fertigstellung der Arkadenanlagen, wurde damit begonnen, die Orangerie zu einem Wohnschloss auszubauen. Der Innenausbau in der Eremitage wurde noch zu Lebzeiten Wilhelmines, also vor 1758, weitgehend abgeschlossen. Behandelt wird auch die Zeit nach dem Ende der Markgrafschaft, etwa als in der preußischen Zeit unter von Hardenberg Umbaumaßnahmen erfolgten und die Steinbildhauerfiguren und Bildsäulen des Ensembles sowie die größeren und kleineren Vasen in den Nischen der Bogengänge versteigert wurden und vielfach in Privatgärten wanderten. Auch die Historie des heute nicht mehr vorhandenen Phöbus auf dem Sonnentempel wird erläutert.

Detailliert dargestellt werden die einzelnen Räume des östlichen Flügels mit den Räumen der Markgräfin sowie der westliche Flügel mit den Räumen des Markgrafen. Dabei werden die Beschreibungen der Zimmer mit Bildern aus historischen Parkführern sowie mit Fotos aus dem Bildarchiv Marburg, die in den letzten Kriegsjahren aufgenommen wurden, illustriert.Am 14. April 1945 zogen die Amerikaner in Bayreuth ein. General Hagl, der letzte Truppenteile in Bayreuth befehligte, verweigerte die Übergabe und verschanzte sich mit weiteren deutschen Offizieren, die sich auf den »Führerbefehl» beriefen, in seinem Befehlsunterstand in einem Felsenkeller in der Nähe des Schlosses St. Johannis.In einem Bericht der Amerikaner hieß es, die deutschen Offiziere verschanzten sich »near a castle», also nahe einer Burg oder eines Schlosses. Letztlich könnte dies der Grund dafür sein, warum das Neue Schloss beschossen und bombardiert wurde. Da im Neuen Schloss bei Kriegsende Teile des Filmarchives Berlin lagerten und es sich dabei um Nitrozellulose-Filme handelte, kann die explosions-artige Brandwirkung nachvoll-zogen werden.

Nach dem Krieg wurden das Neue Schloss mit dem Sonnentempel und die Orangerie mit den Wasserspielen schrittweise restauriert, der Originalzustand war jedoch ein für allemal verloren. Dr. Kröniger regt an, zumindest in einem oder mehreren Räumen der Zirkelbauten in einer Filmpräsentation die Geschichte des Schlosses und die in der Forschung rekonstruierten Räume zu zeigen und so wieder erlebbar zu machen.

rs