Bayreuth. »Das Biest» hat seine Feuerprobe erfolgreich absolviert. Das Biest, das ist die überdachte Gegentribüne im Hans Walter Wild-Stadion. Von den Anhängern der SpVgg Bayreuth wurde sie liebevoll so getauft. Und das Biest ist seit Sonntag, seit dem Heimspiel gegen die zweite Mannschaft von Bayern München, wahrhaftig. Und tat gleich an seinem ersten offiziellen Einsatztag allerbeste Dienste.

Jahrelang von den Fans herbeigesehnt, kam die Nachricht vom Bau der Überdachung letztlich doch überraschend. Jetzt war es so weit. Die lange Zeit des Wartens hatte ein Ende. »Solls Erpfl rengna, solls stürmen und schneien. Ich geh ins Stadion hinein», so ein alter Fangesang der Altstädter Anhänger. Und das tat es beim Duell der Gelb-Schwarzen mit dem Tabellenprimus FC Bayern München II aus voller Inbrunst. Wettergott Petrus präsentierte sich von seiner allerschlechtesten Seite. Bayerns Senkrechtstarter Wooyeong Jeong kam aus den Katakomben aufs Feld und stöhnte mit großen Augen nur: »Oh mein Gott!» – der Regen prasselte unaufhörlich und in aller Vehemenz hernieder, ein extrem böiger Wind zog durch das weite Stadionrund.

Die Altstädter Anhänger hatten gut lachen: Sie standen unter einem Dach und feuerten Konfettikanonen in den eingetrübten Himmel. Ein Bild für Fußballnostalgiker. Und der Eindruck sollte sich bestätigen. Die Stimmung im altehrwürdigen Stadion erreichte nur selten gesehene Höhen. Die Anhänger der Gelb-Schwarzen feierten ihre Heroen auf dem Feld, auch bedingt durch zwei schnelle Tore von Marcel Schiller, lautstark. Und als dann noch eine gut 200 Mann starke Armada aus Anhängern Dynamo Dresdens auftauchten, deren Zweitligapartie in Fürth abgesagt worden war, war die Glückseeligkeit komplett. Es war Party pur angesagt unter dem neuen Schmuckstück der Bayreuther Sportlandschaft.

»Ein verdammt geiles Gefühl, dort zu stehen», war mehrfach aus den Mündern der Anhänger zu vernehmen. Im Trocknen, dazu gut gelaunt und mit einer Konstruktion, die allerbeste Stimmung ermöglicht. Wechselsprechgesänge mit der Haupttribüne, ebensolche mit den feierfreudigen Dresdener Anhängern und natürlich auch stimmkräftige Gesänge auf die eigene Mannschaft und sich selbst: All das verpuffte in den letzten Jahren in schöner Regelmäßigkeit wirkungslos. Mit der Tribüne im Rücken sieht dies schon ganz anders aus.
»Das kitzelt bei dir als Heimmannschaft noch einmal das ein oder andere Prozent heraus», gestand auch Altstadt-Trainer Timo Rost im Nachgang zum 2:0-Sieg über die Bayern-Reservisten. Die Freude auf weitere Heimspiele ist seit Sonntag bei so ziemlich allen gewachsen. Einzig die Gegner sind ob der neugewonnenen Stimmung im Hans Walter Wild-Stadion nur wenig begeistert.
Ein Dresdener Anhänger brachte es, leicht angesäuselt von dem ein oder anderen fränkischen Hopfenkaltgetränk, auf den Punkt: »Die Öldschdöd hier zu unterstützen macht echt Spaß. Aber als Gegner hier einlaufen zu müssen – das wird wohl kein Spaß, wenn erstmal mehr Zuschauer da sind.» Besser hätte die Feuertaufe des »Biests» nicht laufen können. Das war am Ende übrigens auch wieder blitzsauber. Die Altstädter Anhänger ließen es sich nicht nehmen, den abgefeuerten Konfettiregen höchstselbst nach Spielende zu entfernen und ihr neues Goldstück in frischem Glanz zu hinterlassen. Auf weitere Proben in den nächsten Wochen und Monaten!

Andi Bär