“Das können wir nicht mittragen”

OBERFRANKEN. Der Bayerische Schulleitungsverband (bsv) spricht sich dezidiert gegen die jüngsten scheinbaren Sicherungsmaßnahmen für die Unterrichtsversorgung an Grund- und Mittelschulen aus und kündigt seinen Widerstand an.

Die Schulleitungen werden nicht – wie in den letzten Jahren ständig versprochen – entlastet, sondern belastet, weil auch sie als Lehrende in diesen Schularten künftig mehr Unterricht erteilen müssen.

Wenn Lehrkräfte an den Grund- und Mittelschulen fehlen, so deshalb, weil diese im Vergleich zu den Kolleginnen und Kollegen an anderen Schularten weniger verdienen, gleichzeitig die höchste Unterrichtsverpflichtung haben und dafür auch die geringste Anerkennung haben, wie das kultusministerielle Schreiben deutlich macht. Total vergessen wird anscheinend, dass an den Grund- und Mittelschulen die pädagogischen Herausforderungen am größten sind. An den Stellen, an denen es am meisten fehlt, wird nun noch einmal reduziert. Die Mitteilung über die Presse ist ein weiteres Kennzeichen der Geringschätzung, die vor allem Solidarität einfordert.

Dass dieser Problemlage nun damit begegnet würde, den Grundschullehrern noch mehr Unterricht aufzubürden und Ihnen Möglichkeiten zu nehmen, etwa in einem Sabbatjahr erneut Kräfte zu sammeln oder erforderlichenfalls in den Antragsruhestand zu gehen, stößt auf Unverständnis und großes Befremden des bsv. Die Lehrkräfte sind zurecht empört, wenn man ihnen durch Zwangsmaßnahmen nun noch zusätzliche Lasten aufbürdet, statt sie zu entlasten. Es wird total vergessen, dass viele Schulleitungen und Lehrkräfte bereits am Limit arbeiten und es klingt wie Zynismus und Ironie, wenn sie nun noch später in den Ruhestand gehen dürfen und bis dahin auch noch mehr Unterricht erteilen müssen. Statt Anerkennung, Verständnis und Entlastung erfolgt der Aufruf zu Solidarität, die weder die Lehrerinnen und Lehrer noch die Schulleitungen in den Grund- und Mittelschulen durch das Kultusministerium bisher erfahren durften. Solidarität hat mit plötzlicher, willkürlicher Anordnung und damit Geringschätzung geleisteter Arbeit nichts zu tun!

Es ist die Frage zu stellen, warum bei einem derartigen Engpass der personellen Ressourcen die Evaluation erneut eingesetzt wird, bei der pro Evaluator ein Kontingent von mindestens sechs Unterrichtsstunden erforderlich ist.

Vielleicht wird diese Evaluation die Maßnahmen des Herrn Kultusministers als Trugschluss darstellen, da Mehrarbeit niemals zur ENTLASTUNG, sondern zur weiteren ÜBERFORDERUNG führen wird.

Personalmanagement ist anscheinend nicht die Stärke des Herrn Staatsministers Piazolo.

Der Unmut der Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen ist bereits seit vielen Jahren zu spüren und stellt nunmehr eine weitere Herausforderung für die Personalführung der Schulleitungen dar. Die Schulleitungen vor Ort werden wieder einmal diese berechtigten Beschwerden  auffangen müssen. Belohnt werden die Schulleiterinnen und Schulleiter hierfür aber nicht etwa durch eine Anhebung ihrer immer wieder geforderten Besoldung in den Bereich der Direktoren an Realschulen, sondern dadurch, dass auch sie selbst eine Stunde mehr Unterricht werden halten müssen.

“Das können wir nicht mittragen”, sagt der Bezirksvorsitzende des bsvOberfranken Klaus Klötzer.

red