Felix Hilgart ist der neue Sportdirektor von BBC Bayreuth Basketball. Im Podcast „Courtside“ spricht der 36-Jährige über seinen ungewöhnlichen Weg in den Profisport, prägende Jahre in Bamberg und seine Entwicklung vom Nachwuchstrainer zum Basketball-Manager.
Beim BBC beginnt eine neue Zeitrechnung. Nicht nur der Name und das Umfeld des Teams verändern sich – auch in der sportlichen Führung wurde eine Position geschaffen, die es in dieser Form bislang nicht gab. Felix Hilgart übernimmt als neuer Sportdirektor Verantwortung. Einer, der den Basketball von der Basis bis zum europäischen Spitzenniveau kennengelernt hat.
„Basketball nimmt mittlerweile einen fast schon ungesund großen Teil meines Lebens ein“, sagt Hilgart mit einem Lächeln. Seit rund zwei Dritteln seines Lebens begleitet ihn der Sport. Angefangen hat alles im Alter von elf oder zwölf Jahren beim UFC Ellingen. Seine Mutter entdeckte einen Aushang an der Schule und brachte ihn gemeinsam mit seinem Bruder zu einem Probetraining.
Die große Spielerkarriere blieb aus. Hilgert spielte im Seniorenbereich in der Landesliga, wechselte jedoch früh an die Seitenlinie. „Wir hatten in meinem Heimatverein immer Probleme, einen Trainer zu finden“, erinnert er sich. Mit 16 oder 17 Jahren fasste er deshalb einen Entschluss: Er wollte es für die Kinder im Verein besser machen und ihnen strukturiertes Basketballtraining anbieten.
Nach dem Abitur absolvierte Hilgert ein freiwilliges soziales Jahr im Sport, erwarb erste Trainerlizenzen und begann ein Studium im Sportmanagement. Über eine Kooperation seines damaligen Vereins führte ihn sein Weg schließlich nach Bamberg – mitten hinein in eine der erfolgreichsten Phasen des deutschen Basketballs.
Der Einstieg in den Profibereich hätte dabei kaum ungewöhnlicher verlaufen können. Als Praktikant musste Hilgart regelmäßig Spieler, Trainer und deren Familien von den Flughäfen in München oder Frankfurt abholen. Eines Tages stieg Andrea Trinchieri in sein Auto. Der Italiener war auf dem Weg nach Bamberg, um dort seinen Vertrag zu unterschreiben.
„Wir sind auf der Fahrt ins Gespräch gekommen und haben uns gut unterhalten“, erzählt Hilgert. Wenige Wochen später saß Trinchieri bei seinem Vorstellungsgespräch für eine Stelle als Trainee-Teammanager mit im Raum. Am Ende stand der Trainer auf, reichte ihm die Hand und sagte: „Willkommen im Team.“
Hilgert schlug ein. Es folgten intensive Jahre mit 80 bis 90 Spielen pro Saison, internationalen Reisen und einem Studium, das parallel abgeschlossen werden musste. „Da war wenig Schlaf und viel Action angesagt.“ Gleichzeitig lernte er, was auf höchstem Niveau notwendig ist: Vorbereitung, Detailarbeit und uneingeschränktes Engagement aller Beteiligten.
In Bamberg entwickelte sich Hilgarts Interesse zunehmend in Richtung Scouting und Spielerevaluation. Der damalige Sportdirektor Daniele Baiesi führte ihn an Videoanalysen und professionelle Scoutingreports heran. Hilgert erkannte, dass seine Zukunft nicht ausschließlich im klassischen Teammanagement liegen sollte.
2018 wechselte er nach Jena. Auch dort fungierte das Teammanagement zunächst als „Türöffner“. Seine Bedingung: Neben den organisatorischen Aufgaben wollte er sich gezielt in den Bereichen Scouting und Recruiting weiterentwickeln. „Nur wenige Klubs haben damals hauptamtlich in diesem Bereich investiert“, sagt Hilgart. Das habe sich inzwischen verbessert, weil sich immer mehr Vereine professioneller aufstellen.
Vier Jahre blieb er in Jena, erlebte den Abstieg aus der Basketball-Bundesliga, die Corona-Spielzeiten und mehrere sportliche Umbrüche. Später führte ihn sein Weg nach Frankfurt – erneut über das Teammanagement und mit dem klaren Ziel, sportlich mehr Verantwortung zu übernehmen.
Nun soll Felix Hilgart seine Erfahrungen beim Bayreuther Basketball einbringen. Sein Werdegang zeigt: Der neue Sportdirektor ist keiner, der auf dem direkten Weg ins Amt gelangt ist. Er hat organisiert, trainiert, beobachtet, analysiert und sich jede neue Aufgabe Schritt für Schritt erarbeitet. Genau diese Vielseitigkeit könnte für den Neustart des Bayreuther Basketballs zu einem entscheidenden Faktor werden.