160 Jahre die Stadt Bayreuth geprägt

Bayreuth. Ein Spiegel der fränkischen Textil- und Wirtschaftsgeschichte ist die Firmenhistorie von F.C. Bayerlein. Die Geschichte des Bayreuther Familienunternehmens, das über 160 Jahre die Stadt gesellschaftlich und städtebaulich mit geprägt hat, stellt den Auftakt einer neuen Ausstellungsreihe im Historischen Museum dar.

Die Firmenhistorie geht bis auf das Jahr 1809 zurück. Damals ersteigerte der Pfarrersohn Johann Gotthilf Bayerlein das heutige Anwesen Maximilianstraße 58 und eröffnete dort ein Geschäft für Tuche, Schnitt- und Kurzwaren, spezialisiert auf Stoffe nach der neuesten Mode. Die Lizenz für das Geschäft erhielt er »im Namen seiner Majestät, des Kaisers», damals also Napoleon, erklärte Dr. Klaus Bayerlein, Urururenkel von Johann Gotthilf Bayerlein bei einem Rundgang durch die Ausstellung. Das Geschäft entwickelte sich gut, die Handelsbeziehungen reichten bald bis ins europäische Ausland. Seit 1826 ließ Johann Gotthilf Bayerlein Merinoschafwolle aus dem Raum Erlangen von Haus webern verarbeiten.Unter seinem Sohn Friedrich Christian (F.C.) Bayerlein wurde auch Baumwolle über Italien bezogen. Die Firma konzentrierte sich bald auf die Verarbeitung von Wolle und Baumwolle durch Hausweber, die diese Tätigkeit in der Regel neben der nicht voll zum Lebensunterhalt reichenden Landwirtschaft ausführten. Die Heimarbeiter kamen unter anderem aus Drossenfeld, Trebgast und Harsdorf. Friedrich Christian Bayerlein kaufte daher 1854 das damals leer stehende Neudrossenfelder Schloss und nutzte es zunächst als Warenlager, stellte aber auch Webstühle auf und betrieb dort am Main eine Färberei.Als Bayreuth 1860 an das Eisenbahnnetz angeschlossen worden war, begann die Rückverlagerung des Unternehmens nach Bayreuth, zunächst in die Saas. Ein neues Kapitel der Firmengeschichte wurde aufgeschlagen, als 1875 eine neue Fabrik im Graben in Betrieb genommen wurde. Aus anfangs 47 Beschäftigten wurden bis 1894 insgesamt 172 Mitarbeiter. 1894 baute Eduard Bayerlein schließlich in der Unteren Au eine neue, größere Fabrik, die sich auf Baumwollspinnerei und Zwirnerei konzentrierte. Die Weberei gab man auf.

Die Fabrik wurde sukzessive weiter ausgebaut. Unter anderem kamen weitere Spinnereihochbauten und eine zusätzliche Dampfmaschine dazu. Anfang 1907 waren bereits 594 Personen beschäftigt, die Mehrzahl davon mit 460 Frauen. Aufgrund der vielen dort arbeitenden Frauen machte sich der Erste Weltkrieg zunächst nicht allzu stark bemerkbar, das Militär musste eingekleidet werden, was Aufträge brachte. Teile der Fabrikanlage legte man erst still, als die Rohstoff- und Kohlezufuhr geringer wurde.

Umstellung von Dampfmaschinen auf Elektromotoren

In den 1920er Jahren entwickelte Adolf Bayerlein die Fabrik kontinuierlich weiter. Ein wichtiger Schritt war 1927 die Umstellung vom Dampfmaschinenantrieb auf Elektromotoren an den Maschinen. Seit den 1930er-Jahren begann die Produktion von Mischgarnen mit gerissenem Leinen und Zellwolle.Auch sozial wurde für die Belegschaft viel getan. Arbeiterwohnungen wurden errichtet, schon früh eine Unterstützungskasse eingerichtet und für die Spinnereiarbeiter gab es eine eigene Kleingartenanlage. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten konnte so manches Essbare selbst angebaut werden. 1939 war mit 900 Mitarbeitern der Höhepunkt der Beschäftigung bei F.C. Bayerlein erreicht. In den insgesamt drei Bayreuther Spinnereien – neben F.C. Bayerlein gab es noch die in höchster Konkurrenz stehende Neue Spinnerei Bayreuth und die Mechanische Baumwollspinnerei – arbeiteten im Jahr des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs insgesamt über 4.000 Menschen.Im Zweiten Weltkrieg blieb die Firma zunächst weitgehend unbeschadet. Ab 1943 nutzte das Hamburger Unternehmen AERO Lagergebäude der Spinnerei, um Getriebe und Lenksysteme für Flugzeuge und Raketen herzustellen. Dies wurde F.C. Bayerlein letztlich wohl zum Verhängnis, bei einem der großen Bombenangriffe in den letzten Kriegstagen wurde die Fabrik am 11. April 1945 zu 85 Prozent zerstört.Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau der Firma. Kleine Teile liefen ab 1946 wieder, 1948 wurden die ersten neuen Maschinen geliefert. Die Spinnerei wurde nun auf synthetische Fasern spezialisiert. So konnte ein hoher Exportanteil erzielt werden, F.C. Bayerlein wurde einer der bedeutendsten Produzenten von synthetischen Garnen in Europa. Zusätzlich wurde ein Garnhandel mit nicht selbst produzierten Garnen aufgebaut. »Die Firma war damals klein, beweglich und wir konnten mit unserer hoch motivierten Belegschaft sehr innovativ sein», erinnerte sich Dr. Klaus Bayerlein.Die Maschinen wurden auf dem neuesten Stand gehalten, aber die Wirtschaftskrise 1967 und internationale Konkurrenz brachten die deutsche Textilindustrie in eine schwierige Lage. Ende 1971 wollte die Kulmbacher Spinnerei weiter expandieren und bot eine Übernahme der Spinnerei Bayerlein mit ihrer Produktion von synthetischen Garnen als neuem Standbein an. Fritz Bayerlein und seine Söhne stimmten der Übernahme zu. Ihre Hoffnung, so die Beschäftigung für die damals vorhandenen rund 500 Mitarbeiter zu sichern, erfüllte sich aber nicht. Der Betrieb wurde 1979 geschlossen, die Gebäude 1980 abgerissen. Heute befinden sich auf dem Gelände die Immobilienverwaltung Bayerlein, die Agentur für Arbeit und das Arvena Kongresshotel.Die Ausstellung beinhaltet viele interessante und bislang vielfach kaum bekannte Fotos. Gegenstände und Bilder aus dem Besitz der Familie Bayerlein runden das Gezeigte ab. Die Publikumsresonanz auf die noch bis 31. März laufende Ausstellung ist bisher durchweg positiv.

rs